2016 strandeten Dutzende Pottwale an der Nordküste und verendeten. Gewaltige Sonneneruptionen könnten der Grund gewesen sein. (7.9.2017)
Grosses Pottwal-Sterben: In den ersten Monaten des Jahres 2016 wurden insgesamt 29 Wal-Kadaver an die Nordseeküste angespült. Allein an der deutschen Nordseeküste strandeten 17 der Riesen, in den Niederlanden und in Grossbritannien je sechs und an der französischen Küste fand sich ein Kadaver. Eine mögliche Erklärung liefern nun Forscher um Klaus Heinrich Vanselow von der Universität Kiel. Ihnen zufolge könnten heftige Sonneneruptionen, die sich Ende Dezember ereigneten, die Meeressäuger fehlgeleitet haben. (Im Bild: Walkadaver auf Wangerooge) Denn auf der Sonne kommt es immer wieder zu gewaltigen Eruptionen, bei denen auch gigantische Mengen von Gasen ins Weltall geschossen werden. Treffen sie auf die Erde, kommt es einerseits zu Polarlichtern, andererseits zu Störungen des Magnetfelds der Erde. (Im Bild: Nordlichter in Norwegen) Letzteres könnte den Walen laut Studie zum Verhängnis geworden sein. Darauf deuten zumindest die Daten einer Messstation im norwegischen Solund hin. (Im Bild: Walkadaver auf Wangerooge) Wie die Forscher im «International Journal of Astrobiology» schreiben, hat sich das Magnetfeld in der Region am 20. Dezember 2015 so verändert, dass es sich kurzzeitig um 460 Kilometer in Nord-Süd-Ausrichtung verschob. Ähnliches spielte sich auch am 31. Dezember ab. Das könnte die Pottwale in die Irre und damit in den Tod geführt haben: Statt westwärts nördlich von der britischen Insel zu schwimmen, zogen die Jungbullen nach Süden – und damit in den Tod. Es ist nicht die erste Erklärung für das grosse Walsterben von 2016. (Im Bild: einer der beiden Wangerooger Wal-Kadaver beim Abtransport) Bereits kurz nach der Entdeckung der Kadaver äusserten Forscher des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung die Theorie, heftige Sonnenstürme hätten das Lieblingsessen der Wale – Kalmare – nach Süden und somit in flache Gewässer getrieben, aus denen es für die Wale kein Entrinnen gab. Dafür sprechen einerseits die zahlreichen durch die Tintenfischsaugnäpfe verursachten Narben auf der Haut der Meeressäuger, aber auch die Tatsache, ... ... dass Pottwale in Gewässern, die flacher als 50 Meter sind, Probleme mit ihrem Sonarsystem bekommen – der einzigen Möglichkeit, die den Tieren zur Orientierung zur Verfügung steht. Wie wichtig dieses ist, zeigt auch ein Blick auf den Schädel der Pottwale. (Im Bild: das Wal-Skelett auf Wangerooge) Vergleicht man diesen mit einem vollständigen Kopf, fällt auf: Für das Sonar, das oberhalb des Mauls angesiedelt ist, steht enorm viel Platz zur Verfügung. Eine weitere mögliche Erklärung für das grosse Pottwal-Sterben: Plastikmüll könnte die Mägen der Tiere verstopft haben, wodurch die Tiere Hunger leiden mussten und immer schwächer wurden. Dafür spricht unter anderem der Fund eines Fischernetzes im Magen eines der auf Wangerooge vereendeten Tiere.
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