Neuseelands Nationalvogel ist nachtaktiv und hat einen so exzellenten Tast-, Hör- und Geruchssinn, dass er sich nun seiner Sehfähigkeit zu entledigen scheint. (26.9.2017)
Es gibt eine ganze Reihe von Tieren, die ohne Augenlicht leben. Vögel gehörten bislang nicht dazu. Doch nun berichten Ornithologen von Kiwis, die offenbar ihren Sehsinn zurückbilden. Von rund 160 Exemplaren des Okarito-Streifenkiwis wies ein Drittel Augenschäden auf. Drei Tiere waren sogar völlig erblindet, obwohl sie ansonsten kerngesund waren. Die genauen Hintergründe sind noch unklar. Fest steht dagegen, dass Kiwis zu den Laufvögeln zählen und mit ihren 25 bis 45 Zentimetern Grösse die mit Abstand kleinsten Vertreter ihrer Art darstellen. Selbst wenn die Kiwis wollten, könnten sie nicht fliegen: Wie allen Laufvögeln fehlt ihnen der Brustbeinkamm, an dem bei flugfähigen Vögeln die Flugmuskulatur ansetzt. Auch diese ist bei ihnen nicht vorhanden. Der Kiwi gilt als Nationalsymbol der Neuseeländer, die umgangssprachlich auch als Kiwis bezeichnet werden. Der Kult geht sogar so weit, dass sich Exilneuseeländer am Nationalfeiertag ihres Landes, dem sogenannten Waitangi Day, als Vögel verkleiden. Die Tiere sind auf allen drei grossen Inseln Neuseelands – der Nordinsel, der Südinsel und Stewart Island – anzutreffen, wobei sie immer seltener werden: Vier der fünf bekannten Arten gelten als gefährdet, die Okarito-Streifenkiwis sogar als vom Aussterben bedroht. Die Tiere sind ausschliesslich in der Nacht aktiv. Dann sind sie nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören: Ihre Rufe, die einem schrillen Pfeifen gleichkommen, sind bis zu fünf Kilometer weit hörbar. Einzig bei starkem Wind oder in besonders hellen Vollmondnächten bleiben sie ruhig. Kiwis sind Allesfresser, doch am liebsten stochern sie mit ihren Schnäbeln in der Erde, um an Regenwürmer, Tausendfüssler und Insektenlarven zu kommen. Dies nicht auf gut Glück: Sie spüren aufgrund von Bewegungen, wo sich die Beute befindet. Monogamie wird bei den Kiwis gross geschrieben: Forscher berichten von Paaren, die über zehn Jahre miteinander verbracht haben. Ein neuer Partner bekommt erst dann eine Chance, wenn der alte verstorben ist. So festgelegt sind die Vögel jedoch nicht immer. So bauen sie während ihres Lebens mehrere Baue, die sie alle nutzen. Die Eingänge sind bis 15 Zentimeter breit und meistens zwischen Baumwurzeln verborgen. Von hier bis zur eigentlichen Höhle führt ein im Schnitt zwei Meter langer Tunnel. Wehe, andere Kiwis drängen in das mit Kothäufchen markierte Revier eines Paares: Dann wird dieses von beiden Geschlechtern gleichermassen verteidigt. Besonders aggressiv gehen sie während der Fortpflanzungszeit vor. Bis zu 92 Tage dauert die Brutzeit. Beim Streifenkiwi und beim Zwergkiwi ist das Brüten alleinige Aufgabe des Mannes. Beim Haastkiwi hocken sich Männchen und Weibchen abwechselnd aufs Ei. Besonderheit: Während der eine am Werk ist, zieht sich der andere in einen anderen Bau zurück. Die schlüpfenden Kiwis sehen bereits aus wie kleine Ausgaben der Eltern. Als Nestflüchter wandern sie fünf oder sechs Tage nach dem Schlüpfen bereits umher. Während sie am Tage noch vom Männchen behütet werden, verlassen sie nachts das Nest allein und werden kaum von den Eltern bewacht. Bis 1896 durften die Kiwis gejagt werden, danach war Schluss. Seit 1921 stehen Kiwis zudem unter Schutz. Heute geht die Gefahr vor allem von der voranschreitenden Landschaftszerstörung und ... Der neuseeländische Kiwikult geht so weit, dass zahlreiche Produkte des Landes die Vorsilbe «Kiwi» tragen. Am bekanntesten ist wohl die Kiwifrucht, die mit richtigem Namen eigentlich Chinesische Stachelbeere (Actinidia deliciosa) heisst. Dass die Frucht asiatischen Ursprungs ist und ihre Samen erst Anfang des 20. Jahrhunderts nach Neuseeland gelangten, dürften wohl die wenigsten wissen. Gleichermassen unbekannt ist, dass sie dort erst seit 1930 im grossen Stil angebaut werden. Der Name «Kiwifruit» wurde 1974 zum Handelsnamen erklärt.
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