Tablets für ABC-Schützen

18. September 2011 11:34; Akt: 18.09.2011 14:33 Print

«iPads im Kindergarten sind sinnvoll»

von Daniel Schurter - Sollen Dreikäsehochs zum Tablet-PC greifen? Ja, findet die Medienpädagogin Claudia Fischer. Sie leitet in der Nordwestschweiz ein aktuelles Tablet-Pilotprojekt mit Primarschulklassen.

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Für Tablet-Computer wie das iPad sind immer mehr Lern-Apps verfügbar. Das hat Vor- und Nachteile. (Bild: Keystone)

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Die Zürcher Gemeinde Adliswil gehört zu den ersten im Land, die den Einsatz von Tablet-Computern bereits auf der Kindergartenstufe testen. Seit rund einem halben Jahr läuft ein entsprechender Versuch.

Umfrage
Sollen Tablet-PCs bereits im Kindergarten genutzt werden?
25 %
75 %
Insgesamt 7367 Teilnehmer

Es gehe darum, die «Einsatzmöglichkeiten des iPads auszuloten», hält der IT-Verantwortliche der Schule, René Kappeler, fest. Er hat die ersten (positiven) Erfahrungen in einem Beitrag festgehalten, der auf der Online-Plattform der kantonalen Fachstelle «Bildung und ICT» publiziert worden ist.

Drei Adliswiler Kindergärten sind laut Bericht mit jeweils zwei iPads ausgerüstet worden. Die Geräte werden den Kindern «während des Freispiels» zur Verfügung gestellt – als zusätzliche Möglichkeit neben den herkömmlichen Spielen. Man habe die Benutzung bewusst auf 20 Minuten pro Kind beschränkt, heisst es. «So soll dieses Medium keinen allzu hohen Stellenwert erhalten.»

Noch fehlen Konzepte

Die Verbreitung der Tablet-Computer schreitet voran, wie die stetig wachsenden Verkaufszahlen zeigen. So sehen sich denn auch immer mehr Pädagogen mit der Frage konfrontiert, wie sie die Geräte sinnvoll einsetzen sollen. Andere, technikbegeisterte Kollegen sind bereits aus eigener Initiative aktiv geworden. Inzwischen sammeln bereits mehrere Schulen landauf landab praktische Erfahrungen.

Was noch fehlt, sind übergreifende Konzepte, wie die Medienpädagogin Claudia Fischer auf Anfrage von 20 Minuten Online erklärt. Sie ist Dozentin an der Fachhochschule Nordwestschweiz (Beratungsstelle für digitale Medien in Schule und Unterricht - imedias) und leitet ein Pilotprojekt für die Kantone Aargau und Solothurn. Zusammen mit sechs Lehrern aus der Unter- und Mittelstufe entwickelt sie Unterrichtsideen und testet diese in der Praxis.

Pilotprojekt in sechs Klassen

Seit April wurden in sechs Schulklassen versuchsweise zehn iPads eingesetzt. Ziel war es, die Tablets als neue Werkzeuge im Unterricht einzusetzen – und daraus die richtigen Lehren für die Praxis zu ziehen. «Die Schule hat einen pädagogisch-didaktischen Auftrag», betont die Projektleiterin. Sprich: Die Kinder sollen nicht einfach «Angry Birds» spielen, sondern vielmehr geeignete Lernprogramme (Apps) nutzen und mit dem Tablet verschiedenste Aufgabenstellungen lösen.

Dass der Versuch mit Apple-Geräten durchgeführt wurde, habe praktische Gründe, sagt Fischer. Das iPad sei sehr einfach zu bedienen - das bestätigten selbst jene Lehrer, die vorher noch nie einen Tablet-Computer in den Händen hielten.

Geräte selbst beschafft

Apple ist traditionell stark im Bildungsbereich, gerade in der Schweiz. Wer nun glaubt, dass das Unternehmen die Versuchsgeräte kostenlos zur Verfügung gestellt hat, irrt. «Wir mussten alle iPads selbst beschaffen», sagt Fischer. Überhaupt werde man in naher Zukunft auch Apple-Konkurrenzprodukte ausprobieren – sie denke dabei an Android-Tablets. Denn: «Wir wollen nicht nur auf eine Marke setzen.»

Das Angebot an Lern-Apps sei gewaltig am Wachsen und werde immer unüberschaubarer, sagt die Medienpädagogin. Umso wichtiger seien Hilfestellungen für Laien. Auf der Projekt-Website my-pad.ch wird denn auch eine Liste mit geeigneten Programmen geführt. Diese öffentliche Liste wird voraussichtlich im Oktober oder November aktualisiert.

Erweiterte Lehr- und Lernformen

Speziell gefordet seien die Schweizer Lehrmittelverlage, sagt Fischer. Das Potenzial, das iPad und Co. für den Schulunterricht bieten würden, sei sehr gross. Nach ihrer Meinung finden die Tablet-Computer in Zukunft nicht nur im «normalen» Schulunterricht in den Regelklassen Verwendung. «Vor allem für den heil- und sonderpädagogischen Bereich eröffnen die Tablets neue Möglichkeiten und Chancen.»

Wichtig sei in beiden Fällen ein durchdachtes Konzept, das sich auch auf erweiterte Lehr- und Lernformen stütze. Das bedeute insbesondere projektorientiertes Arbeiten anstelle des herkömmlichen Frontalunterrichts. So könne man «auf die unterschiedlichen Lernstände der Kinder» eingehen.

«Gehört zur Schule»

Das Nordwestschweizer Pilotprojekt wird in ein paar Wochen abgeschlossen, dann geht es an die Auswertung – und an die Planung für ein «grösser angelegtes» Tablet-Projekt. Von den Resultaten sollen schliesslich alle interessierten Schulen profitieren. Die Medienpädagogin betont, dass sie auch den Einsatz auf der Kindergartenstufe als sehr sinnvoll erachte. «Der Kindergarten gehört zur Schule.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Christian am 18.09.2011 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    Technologiefeindlich

    Schule heisst doch, junge Menschen auf das Leben vorzubereiten, oder nicht? Also wo ist das Problem? Die Tablets werden - noch mehr als der PC - bald Einzug in jedes Haus haben ähnlich wie das Telefon. Manchmal finde ich die Technologiefeindlichkeit in der Bildung geradezu erschreckend. Das Tabletkonzept ist das Papier von Morgen, wir sollten unsere Kinder darauf vorbereiten. Gleichzeitig finde ich, dass Kinder so viel Zeit wie möglich im Freien spielen und toben sollten, aber das Eine schliesst das Andere ja nicht aus.

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  • Hansbert Hugentobler am 24.09.2011 00:42 Report Diesen Beitrag melden

    Aufhören, das hält ja keiner aus

    Dekadenz ahoi. Fingerfarben machen mehr Spass - gibt dann halt kein Geld für Apple. Den Apfel kann man aber dann in der Pause essen - real.

  • Maurus am 18.09.2011 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    come on

    Der gute Mix macht's aus. So sollen die Kinder weiterhin draussen miteinander spielen, so sollen sie aber auch lernen was ein Computer/I-Pad, usw. ist. Die Zeit dazu ist begrenzt (20min pro Kind) und es sind ja keine PC-Spiele, sondern Lern-apps, die z.b. das logische Denken fördern. Früher wurde das anhand von Rätseln auf Blättern gemacht, heuzutage reicht ein Tablet. Also bitteschön wo ist hier das Problem? Seid mal nicht so stur und öffnet euch den neuen Errungenschaften ;) Es ist ja erst ein Versuch, falls es nicht klappt, wird's auch nicht weitergeführt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hansbert Hugentobler am 24.09.2011 00:42 Report Diesen Beitrag melden

    Aufhören, das hält ja keiner aus

    Dekadenz ahoi. Fingerfarben machen mehr Spass - gibt dann halt kein Geld für Apple. Den Apfel kann man aber dann in der Pause essen - real.

  • jessy am 20.09.2011 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    neeein

    Ich bin froh konnte ich meine Kindheit draussen geniessen! Niemals würde ich diese gegen eine Kindheit vollgestopft mit allen möglichen Medien tauschen wollen!

    • imprey am 21.01.2013 14:21 Report Diesen Beitrag melden

      Neues Arbeitsinstrument

      Aufgrund von Erfahrungsberichten und Projektauswertungen wird das neue Arbeitsinstrument ca. 10-15% der Unterrichtszeit im Einsatz sein. Es ist NUR ein Arbeitsinstrument, genau so wie Bleistift, Schere und Papier.

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  • Hansueli Stettler, funkstrahlung.ch am 20.09.2011 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Gepulste Strahlung macht krank

    Die WHO stufte Handys (mit der gleichen Technologie) als möglicerweise krebserregend ein. Die Strahlung dieser Geräte dringt doppelt so tief in Kinderschädel ein als bei Erwachsenen. Röösli fand heraus, dass Kinder mit Handy-Abo ein doppeltes Hirnkrebsrisiko hatten als jene ohne... Wer spinnt hier eigentlich, mit dieser Technik unsere Kinder zu traktieren?

    • Segmüller Thomas am 26.09.2011 10:29 Report Diesen Beitrag melden

      Gepulst oder nicht?

      Lieber Herr Stettler - anhand des Berichts wissen Sie ja gar nicht, mit welchem Funkverfahren die Geräte ausgestattet sind! Es ist kaum davon auszugehen, dass in den Schulen das GSM/UMTS Modell verwendet wird ... und die WLAN Technologie verhält sich anders als die Handy Technologie und ausserdem findet die Strahlung im Vergleich zum Handy bei den Tablets kaum gleich neben dem Ohr statt...

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  • Sam N. am 20.09.2011 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    kindheit

    Lasst den Kindern ihre Kindheit! Kinder sollen mit Klötzen spielen, mit Fingerfarben malen und nicht durch unnötige technisierung verstrahlt werden. Das Interesse an modernen technischen Dingen kommt früh genug. Es klappt doch ganz gut momentan wieso wollt ihr immer was ändern? Solchen Schwachsnn habe ich schon lange nicht mehr gelesen!

  • Tony am 19.09.2011 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    USA hats schlecht vorgemacht

    NEhmen wir nun wirklich das USA System an? PC, Kreditkarten, Vereinsamung, Waffen, nein nein bitte aufwachen....reden miteinander oder musizieren....aufpassen...u viel Theorei führ zu nichts.... schickt doch die Kinder im Wald spielen, in Gärten kleine Arbeiten ausführen...oder so....aber weg vom USA System...