Neues iOS, neue Macs

10. Juni 2013 11:57; Akt: 18.06.2013 13:17 Print

Apple lässt die Muskeln spielen

von Daniel Schurter, San Francisco - Ein kostenloser Musik-Streaming-Dienst, neue Macs sowie iOS 7 und OS X Mavericks: Apple beweist sein Gespür für gelungenes Design gepaart mit Benutzerfreundlichkeit.

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Apple kündigt mit ein eigenes Web-Radio an. Es ist gratis und wird durch Werbung finanziert. Abonnenten von iTunes Match wird der Service werbefrei zur Verfügung stehen. In der Schweiz ist der Streaming-Dienst vorerst nicht erhältlich. Die Gerüchte haben sich mehrheitlich bewarheitet. Die Icons in sind nun flach und weniger verspielt, von einem radikalen Redesign kann aber nicht die Rede sein. Auch das Design der wurde überarbeitet. Praktisch: Wichtige Funktionen wie «WLAN aktivieren» oder «Flugmodus» können nun mit einem Wisch vom unteren Rand des Displays aufgerufen werden. Der App Store hat ein Facelift erhalten. Praktisch: Zum einen lassen sich Apps anzeigen, die in der Nähe populär sind. Zum andern können Apps nach der Altersbegrenzung gesucht werden. Ebenfalls neu - zumindest für iPhone-User - sind die . Applikationen werden nun im Hintergrund aktualisiert. Apple gibt einen Vorgeschmack auf den neuen . Er soll 8 Mal kleiner als der alte Mac Pro sein! Gebaut wird die Power-Kiste komplett in den USA. Apple-Fans müssen aber wohl bis Ende Jahr warten. Der Spruch des Tages: «Can't innovate anymore my ass». Apple macht sich über die Kritiker lustig, die dem Konzern Innovationsmüdigkeit unterstellen. Das neue kommt ab sofort in den Handel. Es kommt mit der neusten Prozessor-Generation von Intel (Haswell) und bietet 9 bis 12 Stunden Akku-Laufzeit. Das neue Mac-Betriebssystem unterscheidet sich äusserlich kaum von den Vorgängern, bietet aber einige Neuheiten: So schlagen vom iPhone bekannte (Benachrichtigungen) nun auch auf dem Mac Alarm. Apple will, dass wir all unsere . Ob wir das nach dem Daten-Skandal PRISM wollen, ist die andere Frage. Der neue für Mac sei schneller und stromsparender als Chrome und Firefox, behauptet Apple. Interessant für Social-Media-Junkies: Twitter wurde tief in Safari integriert. Apple präsentiert OS X 10.9. Das neue Mac-Betriebssystem heisst «». Der neue Finder hat jetzt Tabs und Tags (Etiketten), die das Anzeigen und Sortieren von Dokumenten erleichtern. Mavericks bietet zudem Full-Screen-Apps und eine bessere Unterstützung für mehrere Bildschirme. Der . Bis heute wurden über 50 Milliarden Apps heruntergeladen. Insgesamt gibt es nun 900'000 Anwendungen im App Store. In San Francisco prangen derzeit riesige Werbebanner, die auf die Eröffnung der weltweiten Entwicklerkonferenz WWDC neugierig machen. Apple-Chef Tim Cook hat am Montag im Moscone Center die Keynote eröffnet. Unter den Gästen war der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore. Rund 6000 Besucher aus der ganzen Welt waren vor Ort. Aus Europa sind knapp 30 Journalisten eingeladen worden, darunter auch «20 Minuten». Im Mittelpunkt steht die nächste Generation des mobilen Betriebssystems, iOS 7. Die externen Entwickler können in den nächsten Tagen intensiv mit den Apple-Ingenieuren arbeiten. Eine neue Welt hat der Konzern aus Cupertino versprochen. Tatsächlich haben die Kalifornier einmal mehr ihr Gespür für Design und Benutzerfreundlichkeit unter Beweis gestellt. Für Apple steht einiges auf dem Spiel. Trotz der guten Verkaufszahlen beim iPhone und iPad ist der US-Konzern gefordert. Mit attraktiven neuen Produkten könnten die Kalifornier auf die immer lauter werdende Kritik reagieren, dass die Innovationskraft nachgelassen habe.

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Braungebrannt und muskelbepackt: So präsentierte sich Apples Chef-Designer Jony Ive schon 45 Minuten vor der grossen Show. Von Nervosität keine Spur. Dabei sollte es ein grosser Abend werden für den Briten, auch wenn er den viel beachteten Bühnenauftritt seinem Kollegen Craig Federighi vom Software Engineering überliess.

Rund 6000 Software-Entwickler, Journalisten und geladene Gäste verfolgten im Moscone Center im Herzen San Franciscos gespannt die Eröffnung der WWDC. Der ehemalige US-Vizepräsident und amtierende Apple-Verwaltungsrat Al Gore sowie Apple-Chef Tim Cook zeigten sich beim Warm-up unerwartet publikumsnah und wagten im Blitzlichtgewitter das eine oder andere Schwätzchen.

iOS 7 überzeugt

An der Keynote zur diesjährigen Apple-Entwicklerkonferenz stand wie zu erwarten die Software im Zentrum. Sechs Jahre nach der Lancierung des ersten iPhones erhält das mobile Betriebssystem iOS das erste grundlegende Redesign. Laut Tim Cook handelt es sich bei iOS 7 um die grösste Veränderung, und doch bleibt Apple der bewährten Benutzeroberfläche mit der bekannten App-Navigation treu.

iOS 7 wird als kostenloses Software-Update für das iPhone 4 und neuer, iPad 2 und neuer, iPad mini und iPod touch (fünfte Generation) in diesem Herbst erhältlich sein. Wohl zu dem Zeitpunkt, wenn die nächste iPhone-Generation an den Start geschickt wird. Software-Entwickler können ab sofort eine Beta-Version herunterladen.

Alle vorinstallierten Standard-Apps sind neu gestaltet worden. Die Bildsprache ist weniger verschnörkelt und verspielt, nun dominieren einfache Formen. Das Design sei entscheidend für die Nutzererfahrung, sagte Jony Ive in einer Videoeinblendung, in der es um die Philosophie der Kalifornier ging. Mit iOS 7 scheinen sie den Spagat zwischen Altbewährtem und Neuem zu schaffen. Die Detailversessenheit zeigt sich etwa bei den zweidimensionalen App-Symbolen. Sie scheinen auf dem Bildschirm zu schwimmen. Wenn man das iPhone dreht, kann man das Hintergrundbild besser erkennen.

Mit iOS 7 führt Apple das Control Center ein, das raschen Zugriff auf wichtige Funktionen bietet. Die Schaltzentrale kann von überall aus durch eine Wischbewegung nach oben angezeigt werden. So lässt sich etwa eine Taschenlampe (LED-Blitz) mit einem Tippen aktivieren oder das Gerät in den Flugmodus schicken. Die Nachrichtenzentrale ist neu auch auf dem Sperrbildschirm verfügbar. Die Kamera-App bietet endlich auch Fotofilter, wie man sie etwa von Instagram kennt, um eigene Aufnahmen aufzupeppen.

Weitere Verbesserungen betreffen die Sprachassistentin Siri und das Multitasking. In der Foto-App werden die gespeicherten Bilder nach Zeitpunkt und Ort der Aufnahme geordnet. Endlich halten auch die automatischen App-Updates Einzug. Langfinger dürften an iOS 7 keine Freude haben. Dank einer neuen Diebstahl-Sperre können gestohlene Geräte auch nach dem Zurücksetzen nicht mehr aktiviert werden. Schliesslich ermöglicht die AirDrop-Funktion das unkomplizierte Teilen von Fotos und anderen Inhalten. Die drahtlose Datenübertragung funktioniert auch mit mehreren iOS-Nutzern.

Kostenloses iRadio

Mit iTunes Radio, so die offizielle Bezeichnung, bietet Apple einen eigenen kostenlosen Musik-Streaming-Dienst an. Damit lassen sich Songs der verschiedensten Genres via Internet auf iOS-Geräten, Computern (Mac und Windows) und der Settop-Box Apple TV abspielen. Der Service wird im Herbst vorerst nur in den USA angeboten, wie dies auch beim kürzlich lancierten Konkurrenzangebot von Google der Fall ist. Die Abonnenten von iTunes Match können das Internet-Radio frei von Werbung geniessen. In einer kurzen Demo wurde gezeigt, dass man auch nach einzelnen Künstlern suchen kann.

Eine «Höllenmaschine»

Für Begeisterungsstürme sorgte die Präsentation des neuen Mac Pro. Grafiker, Musiker und andere Profi-Nutzer warten schon lange auf einen leistungsstarken Nachfolger. Nun haben sich die Apple-Ingenieure einmal mehr etwas Besonderes einfallen lassen. Der Desktop-Computer kommt statt in der gewohnten Kistenform als schwarzer Zylinder mit viel Glas daher. Gleichzeitig beansprucht die Höllenmaschine, die 4K-Bildschirme unterstützt, deutlich weniger Platz und verfügt über einen eingebauten Bewegungsmelder. Der erstmals wieder in den USA fabrizierte Mac Pro soll «später in diesem Jahr» auf den Markt kommen. Der Preis wurde noch nicht verraten. Es dürften einige tausend Franken sein.

Deutlich günstiger und ab sofort verfügbar sind die neuen MacBook-Air-Modelle. Sie sind mit den neuen Haswell-Prozessoren von Intel bestückt und sollen deutlich weniger Strom verbrauchen. Der Akku soll beim 11-Zoll-Modell 9 Stunden halten, beim 13-Zoll-Modell gar 12 Stunden. Das günstigste Einsteiger-Gerät wird in den USA 999 Dollar kosten.

Schluss mit Raubkatzen

Was den Namen für das neue Mac-Betriebssystem OS X 10.9 betrifft, hat sich Apple etwas einfallen lassen. Weil die Raubkatze-Namen praktisch alle schon verwendet wurden, heisst das neue System OS X Mavericks: Der Name stammt vom kalifornischen Küstenort, der für seine Riesenwellen bekannt ist. An Bord sind einige neue Funktionen, wie etwa ein Passwort-Manager, der die sensiblen Daten in der iCloud speichert und auch für iOS-Geräte im Safari-Browser verfügbar sein wird. Die Preview-Version für registrierte Entwickler ist ab sofort verfügbar, die endgültige Version folgt im Herbst.

Eindrückliche Zahlen

Während der Keynote wurden einige eindrückliche Zahlen bekanntgegeben. Bis heute hat Apple 600 Millionen iOS-Geräte verkauft, allein im vergangenen Jahr gingen gut 360 Millionen über den Ladentisch. Den Cloud-Speicherdienst iCloud nutzen mittlerweile 300 Millionen Menschen. Sie dürfen sich über eine tiefere Integration der Office-Programme (Pages, Numbers und Keynote) freuen. So lassen sich nun etwa Präsentationen bequem im Web-Browser bearbeiten. Unterstützt werden auch die Konkurrenzprodukte Internet Explorer und Google Chrome. Neu kommt auch iBooks auf den Mac, ähnlich wie man sich dies von den Mobilgeräten gewohnt ist.

Der App Store wird nächsten Monat fünf Jahre alt und ist weiter auf Wachstumskurs. Mittlerweile sind 50 Milliarden Apps heruntergeladen worden. Das Angebot umfasst 900'000 Apps, davon sind 357'000 speziell für den grösseren Bildschirm der iPad-Modelle konzipiert.

20 Minuten» war auf Einladung von Apple in San Francisco.

(Video: Reuters)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • arherm am 11.06.2013 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst kein Iphone besitzer

    Also ich verstehe die ganzen haters hier nicht. Von wegen alles abgeschaut bei der Konkurenz. Wenn Apple im Jahr 2007 nicht das erste Iphone herausgegeben hätten würden wir heute noch mit einer normalen Querz Tastatur unsere Nachrichten schreiben. Jedem soll das gefallen was er will. Und die, welchen es nicht gefällt sollen einfach ruig bleiben. DANKE

  • D.E am 11.06.2013 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Samsung Religion pur

    Alle Samsung Jünger/Krieger, schreiben hier Apple bringt nie Innovationen, aber was bring Samsung für Innovationen oder was hat Samsung sooo guetes Erfunden oder revolutioniert ? Nichts, bei euch ist ja das s4 so Innovation es ist gerade so viel vergrössert worden das die Alten Hüllen nicht mehr gehen. Oder wartet der Samsung Store wo genau gleich aussieht wie ein Apple Store. Oder euch so guten Tablets. Ihr redet immer von der iReligion aber hier sind die Kommentare 80% von Samsung Jüngern. Und schon nur von euern gehässiger Art würde ich nie ein Samsung Handy kaufen. Ps: ist nur ein Handy.

  • S. am 10.06.2013 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ipad mini

    Weiss jemand wann das Ipad mini mit Retina kommt?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Karl Saxer am 12.06.2013 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Apple überzeugt wie immer!

    Apple überzeugt wie immer! Die Software - Updates sind durchdacht und perfektioniert worden. Darum bin ich auch seit Jahren zufriedener Apple-User. Die Hardware ist wie immer vom Feinsten und Besten, und macht uns Anwender fast keine Probleme. Und wenn es mal Probleme gibt (Maps) wird mit Hochdruck daran gearbeitet, und das sieht man schon heute. Auch die Kunden-Zufriedenheit der Apple-User ist mit Abstand die Beste. Gut gemacht Apple weiter so.

  • Serious? am 12.06.2013 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Hm...

    Hm... Updates Updates Updates... Nun ich sehe nichts neues was da auf den Markt gebracht wird, klar ist es ein bisschen anders verpackt aber im Grunde gibt es das alles bereits. Ich finde Apple verliert langsam den Anschluss an die Konkurenz wenn man direkt z.B. die beiden Top Smartphones von Samsung oder auch HTC mit dem IPhone 5 vergleicht. Eins muss man aber Apple lassen es weiss wie es seine Produkte zu vermarkten hat! Aber alles in allem find ich es ein bisschen schwach was da geliefert wird.

  • Sushi am 11.06.2013 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    Shitstorm

    loool im Internet läuft schon ein riesen Shitstorm und haufenweise Memes wegen dem iOS 7 :) Apple hat sich da echt lächerlich gemacht mit der 1 zu 1 Kopie von Android 4.x.x

  • Anonymous am 11.06.2013 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Schon wider

    Nicht das erste mal. Schaut euch mal das Samsung F700 an. Runde ecken, Homebutton, Touchscreen etc. Ein halbes Jahr später kam das erste iPhone und ooooh was für eine Ähnlichkeit. Gebt einfach mal Samsung F700 im Google ein.... seht und staunet.

  • arherm am 11.06.2013 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst kein Iphone besitzer

    Also ich verstehe die ganzen haters hier nicht. Von wegen alles abgeschaut bei der Konkurenz. Wenn Apple im Jahr 2007 nicht das erste Iphone herausgegeben hätten würden wir heute noch mit einer normalen Querz Tastatur unsere Nachrichten schreiben. Jedem soll das gefallen was er will. Und die, welchen es nicht gefällt sollen einfach ruig bleiben. DANKE