Konkurrenz deklassiert

19. Mai 2011 15:04; Akt: 19.05.2011 16:06 Print

Grosser Coup für Apples Online-Musik-Dienst

Apple könnte im Juni einen Internet-Musik-Dienst lancieren. Die Verträge mit den Platten-Firmen sind angeblich unterschriftsreif – das Nachsehen hätten Google und Amazon.

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Apple hat sich anscheinend mit EMI Music geeinigt. Bereits am 6. Juni könnte der eigene Online-Musik-Dienst an den Start gehen.

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Apple, Amazon und Google buhlen schon seit Monaten um die Gunst der grossen Plattenfirmen. Alle drei wollen ihren Kunden sogenannte Cloud-Musik-Dienste anbieten - dafür brauchen sie allerdings die Rechte an den Songs der Musik-Konzerne.

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Apple ist nun anscheinend der grosse Durchbruch gelungen. So soll Steve Jobs’ Konzern einen Vertrag mit dem Plattenlabel EMI Music unterschrieben haben, meldet die Tech-Seite «CNET News». Bereits vor einem Monat unterzeichneten Apple und Warner einen Vertrag. «CNET» vermutet, dass auch die Gespräche mit Sony Music und Universal kurz vor dem Abschluss stehen. Damit heisst es in Kürze Rock ’n’ Roll für Apples von langer Hand geplanten Online-Musik-Dienst, der iCloud heissen könnte.

Statt nur die eigenen Songs mit iTunes zu hören, würden auf einen Schlag Millionen von Liedern als Stream zur Verfügung stehen. «CNET» will von vertraulichen Quellen erfahren haben, dass Apple bereits am 6. Juni anlässlich der Worldwide Developers Conference den Cloud-Musik-Dienst lancieren könnte. Apple und die Musiklabels schweigen sich zu den Gerüchten vorderhand aus.

Bedingungen der Musik-Industrie inakzeptabel

Bei einem Cloud-Dienst ist die Musik auf den Servern von Amazon, Apple oder Google gespeichert und kann somit jederzeit und von überall mit einem internetfähigen Gerät gehört werden. Die Lieder werden beispielsweise zu Hause auf den Computer oder unterwegs auf das Smartphone gestreamt.

Technisch ist dies seit Jahren möglich. Bislang konnten sich jedoch weder Amazon und Google noch der Musik-Streaming-Pionier Spotify mit den US-Plattenfirmen über die finanziellen Details einigen. Amazon und Google bezeichneten die Bedingungen der Plattenfirmen bislang als inakzeptabel und starteten daher in den letzten Wochen Cloud-Musik-Dienste, ohne die Lizenzen der Plattenfirmen in der Tasche zu haben. Wenig überraschend bezeichnen die Platten-Firmen dieses Vorgehen als illegal.

Apple dank Lizenzen im Vorteil

Gelingt es Apple tatsächlich, mit allen grossen Platten-Firmen Verträge abzuschliessen, wird es für die Cloud-Dienste der Konkurrenz schwierig. Dank der Übereinkünfte könnte Apple weit mehr Funktionen anbieten, als dies Amazon oder Google können. Ein Beispiel: Apple bräuchte bloss die Musik-Bibliothek auf dem Computer zu scannen, um zu sehen, welche Songs der User besitzt. Unmittelbar danach könnten die gefundenen Lieder auf alle erdenklichen Geräte mittels Internet-Verbindung gestreamt werden. Der Upload der Musik-Dateien entfällt. Bei anderen Anbietern muss der User seine Musik-Sammlung derzeit selbst auf den Server hochladen.

Bei Amazon wird immerhin direkt beim Online-Händler gekaufte Musik automatisch auf dem Server abgelegt - gratis sind allerdings nur fünf Gigabyte Speicherplatz. Wer für seine Musik-Dateien mehr Platz benötigt, wird zur Kasse gebeten. Bei Googles Dienst Music Beta – der erst in den USA zur Verfügung steht – gibt es zwar 20 Gigabyte kostenlos, allerdings ist es aufgrund fehlender Verträge nicht möglich, über Google weitere Musik zu kaufen. Konkret kann bislang nur die eigene Musik-Sammlung hochgeladen und gestreamt werden.

Es stellt sich die Frage, warum die Musik-Industrie, die bislang kein Interesse an Streaming- und Cloud-Diensten zeigte, plötzlich mit Apple auf Schmusekurs geht. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Musik-Konzerne wegen Amazons und Googles Musik-Diensten verärgert sind. Die Plattenmultis hoffen wohl, dass Apples Musik-Dienst die Konkurrenz-Angebote schäbig aussehen lasse, vermutet «CNET». Amazon und Google wären so gezwungen, den Musiklabels die geforderten Lizenzgebühren doch noch zu zahlen, um im Musik-Wettstreit mit Apple nicht vollends ins Hintertreffen zu geraten.

Die Cloud hat auch Nachteile

Abgesehen von der bislang nicht geklärten Frage, ob die Nutzer ihre Musik-Sammlung tatsächlich ins Netz auslagern wollen, sollte sich jeder Musikliebhaber über die möglichen Folgen der Cloud-Zukunft bewusst sein.

Den Cloud-Nutzern muss bewusst sein, dass Apple den Musik-Unternehmen Lizenzgebühren abliefern muss und der Online-Musik-Dienst daher kaum gratis sein wird. Kann oder will man die Abo-Gebühren nicht mehr zahlen, löst sich die liebgewonnene Musik wie Nebel im Sonnenlicht auf. Der Konsument verliert zudem die Kontrolle über seine Musik, da sowohl die Cloud-Anbieter als auch die Musik-Konzerne ihre Dienste jederzeit einstellen können.

(owi)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rodney McKay am 19.05.2011 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Beatles

    Apple hat dazumals vor Gericht nur den Namen behalten dürfen, wenn sie diesen nicht für dieselbe Sache (sprich Musik) benutzen, wie diejenigen, von welchen sie den Namen geklaut haben, nämlich den Beatles (welche es lange vor der Gründung Apples gab). Aber Steve Jobs als Heiliger geniesst einmal mehr Narrenfreiheit...

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  • Rohrer Martin am 19.05.2011 23:14 Report Diesen Beitrag melden

    Apple nein danke!!!!!!!!

    Nutze keinen Dienst von Apple und werde auch nicht, da ich kein Apple Produkt kaufen werde.

  • Inter Net am 19.05.2011 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Outsourcing, so weit das auge reicht...

    Dass outsourcing - auch mit noch so wasserdichten verträgen - auf dauer nicht wirklich gut kommt haben viele firmen schmerzlich zu spüren bekommen. Wenn der service nicht verfügbar und per hotline niemand erreichbar ist nützt die beste vertragsschrift nichts! Es wird wohl etwas dauern, aber das gleiche werden die privaten auch durchmachen die sich mit solchen services locken lassen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • ivan brugger am 24.05.2011 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    meine music datenbank online? nein danke

    an meine music datenbank kommt keiner ran. sollen die doch mich bezahlen! itunes find ich ok, da ich schon lange mit einem mac zufrieden bin aber kaufen würd ich dort nie was.

  • Hinco am 20.05.2011 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Was habt ihr gegen Apple?!

    Wieso motzen eigentlich alle über Apple? Ich war selbst jahrelanger Windowsnutzer und habe Apple lange gleich beleidigt wie viele hier, bin aber seit kurzer Zeit auf Mac umgestiegen und ich muss sagen, dass ich nicht mehr zurück will! Ich nutze lieber ein stabiles und an die Hardware angepasstes System als eines, dass meine Hardware nicht voll ausnutzt. Aber zum Thema: Bei uns wird er sich nicht durchsetzen. Aber irgendwann geht alles in die Cloud. Bis das aber passiert, dauert es noch eine Weile.

  • g4raph am 20.05.2011 00:22 Report Diesen Beitrag melden

    soundshack, das macht wirklich Spass!

  • Rohrer Martin am 19.05.2011 23:14 Report Diesen Beitrag melden

    Apple nein danke!!!!!!!!

    Nutze keinen Dienst von Apple und werde auch nicht, da ich kein Apple Produkt kaufen werde.

  • Fred am 19.05.2011 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Gibts schon laaaaaaaaaaange

    das hat microsoft schon seit JAAAAHREN... das gibts für die zune software aufm pc, für den zune hd und neu auch für windows phone 7 (on the go) hier ein bsp. auf dem zune hd. aber leider aufgrund der gesetzeslage noch nicht in der schweiz

    • Jürgen van Wardt am 20.05.2011 06:13 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht mehr....

      Leider gibt es den Zune nicht mehr... ;-)

    • FRED (2) am 20.05.2011 13:27 Report Diesen Beitrag melden

      ...noch immer

      Da gibts noch einige andere. Als Datenbank dient die Verbreitung der Musikvideos auf Youtube etc. Ist ja nicht nur illegal. Viele Musiker nutzen die E-Medien ja absichtlich um ihre Musik zu verbreiten.

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