iPhone 4

16. Juli 2010 11:43; Akt: 19.07.2010 16:16 Print

Apple in Erklärungsnot

Die Stiftung für Konsumentenschutz fordert, dass das defekte iPhone 4 hierzulande nicht verkauft werden darf. Heute Abend hat Apple zur Krisenkonferenz geladen.

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Nach all der Negativpresse der vergangenen Wochen dürfte Steve Jobs das Lachen wohl nicht mehr so leicht fallen, wie bei der Präsentation des iPhone 4 am 7.Juni 2010. (Bild: Paul Sakuma)

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Fehler gesehen?

Apples Antennenexperte Ruben Caballero äusserte schon im vergangenen Jahr seine Bedenken bezüglich der im Rahmen des iPhone 4 eingelassenen Antenne, schreibt die Finanznachrichten-Agentur Bloomberg. Auch ein Netzbetreiber soll Apples Führungsetage auf mögliche Empfangsprobleme hingewiesen haben. Offenbar wurden die Warnungen ignoriert, was Steve Jobs inzwischen bitter bereuen dürfte.

Schon kurz nach dem US-Verkaufstart beschwerten sich User in Foren, dass das iPhone 4 immer wieder den Kontakt zum Handynetz verliere (20 Minuten Online berichtete). Apple reagierte und gab die Empfehlung raus, eine Hülle zu benutzen oder die Finger von der unteren linken Ecke zu lassen. In der folge reichte eine US-Kanzlei eine Sammelklage eine. Der Vorwurf lautet unter anderem: «generelle Fahrlässigkeit», Fehler bei Konzeption und Bau des Telefons, «betrügerisches Geschäftsgebaren» und «Betrug durch Verschleierung».

Einmal Hüllen für alle?

Als dann auch noch der US-Verbraucherschutz anfangs dieser Woche in seiner Studie zum Schluss gekommen ist, dass sie das iPhone 4 nicht zum Kauf empfehlen können, sah man sich bei Apple offenbar zum Handeln gezwungen und hat deshalb für heute Abend kurzfristig eine Pressekonferenz einberufen. Zu einer Rückrufaktion werde es dabei aber nicht kommen, schreibt das Wall Street Journal und beruft sich auf eine vertrauliche Quelle. Vielleicht werden den Kunden quasi als Wiedergutmachung Schutzhüllen angeboten, mit denen sich das Antennenproblem beheben lässt. Vielleicht wird ihnen auch ein neues Gerät zum Umtausch in Aussicht gestellt.

«Defektes iPhone 4 soll nicht verkauft werden!»

Mittlerweile hat sich auch hierzulande die Stiftung für Konsumenetenschutz zu Wort gemeldet. Geschäftsleiterin Sara Stadler verlangt in einer Medienmitteilung: «Swisscom, Orange und Sunrise müssen den Verkaufsstart des iPhone 4 aufschieben, bis garantiert ist, dass keine fehlerhaften Geräte ausgeliefert werden». Sie ist der Meinung, dass es «absolut stossende wäre, ein Produkt auf den Markt zu bringen, das Experten und US-Konsumentenorganisationen als defekt beurteilen.»

Orange stoppt Vorverkauf

In Österreich teilte der Mobilfunkanbieter Orange mit, dass «Apple die zugesagten Stückzahlen für den Start des iPhone 4 in Österreich Ende Juli nicht liefern kann» und deshalb der Vorverkauf «bis auf weiteres» gestoppt werden muss, schreibt das Newsportal standard.at. Auch der Online-Shop vom Konkurrenten T-Mobile habe deswegen schliessen müssen.

Firmware-Update: Mehr Kosmetik als Nutzen

In der Nacht auf heute hat Apple das Update auf iOS 4.0.1 für alle Besitzer von iPhone 4, iPhone 3GS und iPhone 3G freigegeben. In erster Linie soll damit auch ein schwache Empfangsstärke besser ersichtlich sein. Bislang wiesen die Empfangsbalken in der Tendenz eine zu hohe Empfangsqualität aus. Der Empfang wird durch das Update allerdings auch nicht besser.

Das Irische Onlinewetten-Wettbüro Paddy Power soll inzwischen keine Wetten mehr zu einer möglichen Rückruf-Aktion des iPhones 4 annehmen, weil die Chancen bei 1:1 stünden, berichtet die Blogger von theinquirer.com. Auch an der Börse dürfte man gespannt auf Steve Jobs heutigen Auftritt warten. Am Donnerstag schloss die Aktie um ein halbes Prozent tiefer als am Vortag.

Bald wissen wir mehr: 20 Minuten Online wird ab 19:00 Uhr live über den Event berichten.

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(mbu)