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02. Februar 2011 13:41; Akt: 02.02.2011 13:41 Print

iPhone-Apps schnüffeln User aus

Von wegen Privatsphäre: Eine österreichische Studie kommt zum Schluss, dass der Grossteil der Apps heimlich persönliche Daten ausspioniert.

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iPhone-Apps: Grosses Mitteilungsbedürfnis.

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Wissenschaftler der Technischen Universität Wien haben mehr als 1400 Apps auf ihre Aushorchaktivitäten untersucht. Dabei stellten sie fest, dass mehr als die Hälfte der Apps die 40-stellige UDID, mit welcher ein Gerät eindeutig identifiziert werden kann, heimlich an den Entwickler übermittelt. Verknüpft mit Daten aus Facebook lässt sich so ein detailliertes Benutzerprofil erstellen.

«Es gibt zum Beispiel Apps, bei der die Datenbank von Facebook eingebunden wird, so dass man seinen Status automatisch updaten kann. Wenn man diese Daten miteinander kombiniert, können Werbeunternehmen Persönlichkeitsprofile erstellen, weil sie über einen mächtigen Pool an Daten verfügen», sagt der Studienleiter Manuel Egele im Gespräch mit dem Newsportal futurezone.at. Rund 36 Applikationen haben zudem die Standort-Koordinaten ungefragt weitergeleitet. Und fünf Apps griffen heimich das persönliche Adressbuch ab.

Selbst Fotos sind nicht sicher

Die untersuchten App stammen einerseits aus dem offiziellen App Store, andererseits auch aus dem Cydia-Store, auf den die User nur mit gejailbreakten iPhones Zugriff haben. Erstaunlicherweise haben die von Apple offiziell zugelassenen Apps häufiger auf die UDID zugegriffen, als Applikationen aus dem Cydia-Store. Darüber wird allerdings eine extrem neugierige App zum Download angeboten. Sie heisst «Smartphone» und spioniert neben Fotos auch die Browser-History vom Safari aus.

Apple: Wegen Kontrollwut in der Kritik

Apple ist zudem in die Kritik geraten, weil ein Update für die Sony-Reader-App nicht akzeptiert worden ist. Dadurch hätten die User Zugriff auf die kostenpflichtige eBook-Sammlung von Sony erhalten. Wie die «New York Times» (NYT) schreibt, ist Apples Reaktion darauf als weiteres Zeichen ihrer Kontrollwut zu deuten. Der Chef von Sonys eBook-Sparte sagte gegenüber der NYT, dass Einkäufe künftig ausschliesslich über Apples In-App-Purchase abgewickelt werden dürfen.

Dem widerspricht aber eine Apple-Sprecherin. Sie gab gegenüber dem Digital-Blog des «Wall Street Journal» an, dass der In-App-Purchase über iTunes als zusätzliche Option schon immer Bedingung gewesen sei. Apple beansprucht rund 30 Prozent des Verkaufspreises für sich.

Heute um 17:00 Uhr wird Medien-Schwergewicht Rupert Murdoch gemeinsam mit Eddy Cue, Vice President of Internet Services bei Apple, eine iPad-Zeitung lancieren. Um die Inhalte von «The Daily» soll sich ein Team vom rund 100 Journalisten aus dem Dunstkreis der britischen Boulevardzeitung «The Sun» und der «New York Post» kümmern. Dafür werden von den Lesern wöchentlich gerade einmal 99 US-Cents verlangt – deutlich weniger als für eine gedruckte Tageszeitung. Gerüchten zufolge soll sich der Inhalt der App per Push jeweils in den frühen Morgenstunden von selbst aktualisieren.

(mbu)