Überwachte Läden

15. April 2013 19:06; Akt: 17.04.2013 12:50 Print

Ungeliebter Preis - Apple gewinnt Big Brother Award

von O. Wietlisbach - Der iPhone-Konzern soll seine Mitarbeiter umfassend mit Kameras überwachen und erhält dafür den deutschen Schmähpreis. Doch auch der grosse Rivale Google steht am Pranger.

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Apple-Mitarbeiter seien in den Apple Stores selbst in Pausenräumen gefilmt worden, lautet die Kritik. (Bild: Keystone/AP)

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Der deutsche Schmähpreis «Big Brother Award 2013» in der Kategorie Arbeitswelt geht an Apple. Den Anti-Preis gewinnt der iPhone-Konzern für seine «umfassenden Videokontrollen von Beschäftigten und Kunden» im Apple Store München, heisst es in der «Laudatio».

Die Apple Retail Germany GmbH, die die Apple Stores betreibt, hat nach Insider-Berichten die Läden mit zahlreichen Videokameras ausgestattet. Dies nicht nur in den Verkaufsräumen, sondern auch «im Büro des Managers, im Lagerraum sowie im genius room, in dem die Techniker tätig sind», schreibt «Zeit Online». Der Zeitung wurden Dokumente von einem Apple-Store-Mitarbeiter zugespielt, die zeigen sollen, dass der US-Konzern seine Mitarbeiter flächendeckend überwacht. Bei einer Überprüfung der Hamburger Filiale fanden Datenschützer im Frühjahr 2012 laut «Zeit Online» sogar eine Kamera in einem Pausenraum.

«Die Anschuldigungen sind schlichtweg falsch»

Apple geht auf Anfrage nicht auf die Situation in den Schweizer Filialen in Zürich, Wallisellen und Genf ein, teilt aber mit: «Die Anschuldigungen im Rahmen der BigBrotherAwards sind schlichtweg falsch. Wie bei vielen anderen Einzelhändlern auch sind die Kameras in unseren Filialen angebracht, um uns beim Schutz unserer Kunden und Mitarbeiter zu unterstützen.»

Wegen der mutmasslich umfassenden Videoüberwachung lag Apple monatelang mit deutschen Datenschützern im Clinch. Erst nach wiederholtem Eingreifen der Datenschützer hat sich die Situation für die Angestellten verbessert: «Apple hat nachgebessert, wir haben keine Aufnahmen gefunden, die datenschutzrechtlich zu beanstanden wären», schildert Bernd Groh die aktuelle Lage gegenüber «Zeit Online». Gefilmt wird immer noch, doch würden nun heikle Bereiche, wie persönliche Arbeitsplätze, Toiletten oder Umkleideräume von der Videoüberwachung ausgenommen.

Auch im Apple Store München habe sich die Situation entspannt, sagt eine Gewerkschaftssprecherin gegenüber dem Tech-Portal golem.de. «Aber bevor es Betriebsräte gab, gab es auch eine ungeregelte Kameraüberwachung.» Das Problem: Trotz offiziell anderslautender Direktive gelten in den verschiedenen Apple Stores anscheinend unterschiedliche Regeln. Erst wenn sich die Mitarbeiter gewerkschaftlich organisieren, Druck ausüben und an die Presse gehen, scheint der Konzern einzulenken.

Gezielte Überwachung ist verboten

Diese angebliche Form der Totalkontrolle von Beschäftigten ist nicht nur in Deutschland rechtswidrig. Auch in der Schweiz dürfen Unternehmen das Personal nicht nach belieben filmen. In Verkaufsgeschäften sind Überwachungskameras zwar erlaubt, doch der Datenschutz setzt enge Grenzen: «Videoüberwachungssysteme, welche die gezielte Überwachung des Verhaltens des Arbeitnehmers zum Ziel haben, sind verboten», schreibt der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte. Kameras in Läden seien deshalb so zu positionieren, dass «das Verkaufspersonal kaum beziehungsweise nicht ständig miterfasst und aufgezeichnet wird.» In Läden sind «die Positionen und Einstellungen der Videokameras deshalb mit dem Personal abzusprechen, damit dieses den unüberwachten Bereich kennt».

Laut «Zeit Online» habe sich Apple in Deutschland anfänglich gar gewehrt, die üblichen Hinweise aufzuhängen, die die Kunden über die Kameras informieren. «Apple weigerte sich lange, diese Schilder gut sichtbar zu platzieren. Sie verstiessen gegen das Designkonzept der Shops, war die Antwort, die die Datenschützer erhielten», schreibt das Online-Medium.

Auch Google erhält Big Brother Award

In der Kategorie «Globales Datensammeln» geht der diesjährige Schmähpreis an Apples grossen Rivalen. «Google weiss, wer wir sind, wo wir gerade sind und was uns wichtig ist», heisst es in der Urteilsbegründung. Über seine Suchmaschine und andere Gratis-Dienste wie Gmail, Google Maps und YouTube sammle der Werbekonzern Echtzeitdaten über die Nutzer und «kategorisiert Menschen für seinen Werbeprofit».

Der Tech-Gigant erlaubt sich seit dem 1. März 2012 ausdrücklich, die Nutzerdaten aus den einzelnen Diensten zusammenzuführen, was die Google-Nutzer für den Konzern vollständig transparent macht und höhere Werbeeinnahmen verspricht.

Google missachte dabei europäisches Recht und nutze seine marktbeherrschende Stellung aus, kritisieren Datenschützer. Zu diesem Befund kamen offenbar auch die EU-Wettbewerbshüter. Google hat sich daher nach Informationen der «Financial Times» vom Wochenende bereiterklärt, die Anzeige von Suchergebnissen zu Gunsten von Rivalen wie Microsoft und anderen Suchmaschinen-Diensten zu verändern.

Wie Sie sich vor Googles Datenhunger schützen können, sehen Sie in der Bildstrecke.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Splash am 15.04.2013 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist leider nötig.

    Man kann heute niemandem mehr trauen. Auch seinen Angestellten nicht. Daher verstehe ich diese Überwachung. Wer seine Arbeit seriös erledigt, hat auch nichts zu befürchten. Leider ist der Mensch zunehmend schlechter. Liest man täglich in der Presse. Er MUSS überwacht sein.

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  • Mike N am 15.04.2013 19:57 Report Diesen Beitrag melden

    Datenschutz ade

    Datenschutz verlangen auch nur noch die, die nicht mit Internet und Computer aufgewachsen sind. Mir ist schon lange bewusst, dass Google fast alles über mich weiss. Dafür ist auch alles auf mein Nutzen eingestellt und mir wird das gezeigt (z.B. Werbung) was ich brauche. Natürlich gibt es auch mühsame Dinge (z.B. Spam) von Dritten, aber das muss nur richtig angegangen werden und gut ist.

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  • Kurt am 15.04.2013 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moderne sklaverei

    Hier wird skalverei betrieben und milliarden auf kosten der angestellten gemacht. Auch die kunden werden digital überwacht. Man muss den datenschutz verstärken.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike Glärnsicher am 18.04.2013 07:34 Report Diesen Beitrag melden

    na und?

    Was ist das Problem. Filmt micht doch. Ich mache ja nichts und ich bin nicht interessant. Ich bin nicht bereit den Kriminellen die Iphonehüllen zu bezahlen.

  • Leserin am 17.04.2013 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Soll verboten werden!

    Man wird überwacht ohne es zu Wissen bzw. zu wollen. Das aller letzte!

    • S. Lutz am 18.04.2013 23:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Sie werden nicht von Apple gefilmt

      Sie werden privat nicht von Apple gefilm, dafür ist eher Google zuständig.

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  • Sven Ammann am 16.04.2013 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jailbreak

    passt doch,das i phone ist auch ein Jail.

  • Roby am 16.04.2013 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top Sache

    Gut. Dann sehen mal die oberen Etagen wer arbeitet und wer nicht. Dann werden entlich die richtigen belohnt und nicht die Arschkriecher :-)

    • S. Lutz am 18.04.2013 23:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      grnau

      So sehe ich das auch.

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  • harroharry am 16.04.2013 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    haha

    Haha direktes filmen soll verboten sein? Was ist dann bei Burger King? Da hängen oben über jeder Kasse Kameras direkt auf die Kassen gerichtet. :) Direkter gehts nicht mehr