Foxconn

06. Mai 2011 12:04; Akt: 06.05.2011 14:35 Print

Unhaltbare Zustände bei iPhone-Hersteller

Die Arbeitsbedingungen beim Apple-Zulieferer Foxconn sind unmenschlich. Dies zeigt eine neue Studie aus Asien. Schweizer Hilfswerke stellen klare Forderungen.

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Archivbild aus einer Foxconn-Fabrik in China. Die iPhone-Herstellerin wird massiv kritisiert. Die Arbeiterinnen würden massiv unter Druck gesetzt. (Bild: Keystone)

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Am Samstag (7. Mai) finden in ganz Europa Aktionen statt, um auf die schwierigen Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Apple-Produkten aufmerksam zu machen. Anlässlich des Internationalen Aktionstages für faire Arbeitsbedingungen in der Computerindustrie fordern auch Schweizer Hilfswerke, Apple müsse seine Beschaffungsstrategie verbessern.

Der Vorwurf: Apple als wichtiger Auftraggeber von Foxconn kümmere sich nicht genügend darum, wie die Produkte hergestellt werden. «Apple ist ein Weltmarktführer in der Elektronikindustrie. Es ist höchste Zeit, dass Apple auch bei den Produktionsbedingungen einen Spitzenplatz einnimmt», sagt Chantal Peyer, Koordinatorin der Kampagne «High Tech – No Rights» von Brot für alle und Fastenopfer.

120 Mitarbeiter befragt

In einer gemeinsamen Medienmitteilung richten die beiden Hilfswerke konkrete Forderungen an Apple: Das Unternehmen solle den Lieferanten gerechte Preise bezahlen und ausreichende Lieferfristen einplanen. Dadurch könnten die Löhne erhöht und übermässige Überstunden vermieden werden. Des Weiteren solle Apple die Kommunikation verbessern und die Transparenz erhöhen: Konsumenten und Käuferinnen sollen erfahren können, wie die Produkte hergestellt werden.

«iPods, iPhones, iPads – innovative Produkte mit wundervollem Design bescheren Apple von Jahr zu Jahr grössere Gewinne», heisst es weiter in der Medienmitteilung. «Doch die Bedingungen, unter denen diese Produkte hergestellt werden, sind alles andere als fortschrittlich.» Dass es tatsächlich nach wie vor schlecht steht um die Foxconn-Fabriken in China, zeigt eine aktuelle Studie. Sie stammt von der Organisation SACOM aus Hongkong, die sich für Arbeitnehmerrechte einsetzt. Die Aktivisten haben 120 Foxconn-Mitarbeiter befragt.

Zahlreiche Selbstmorde

Im vergangenen Jahr haben sich mehrere Angestellte der Foxconn-Fabrik in Shenzhen das Leben genommen. Dies löste eine weltweite Welle der Empörung aus (20 Minuten Online berichtete). Ein Jahr später seien die Probleme ins Landesinnere verlagert, aber nicht gelöst worden, sagen die Kritiker. In der Fabrik in Shenzhen sei die Belegschaft abgebaut worden. Doch in den neu eröffneten Fabriken in Zhengzhou (Provinz Henan) und Chengdu (Provinz Sechuan) würden die Foxconn-Arbeiter unter unwürdigen Arbeitsbedingungen und militärischen Managementmethoden leiden.

«Zu wenig zum Leben»

Nach der Selbstmordserie vor einem Jahr habe der Apple-Lieferant Foxconn zwar die Löhne erhöht. Die Subventionen für Verpflegung und Unterkunft seien aber gleichzeitig gestrichen worden. Dadurch blieben die Löhne unter dem gesetzlichen Minimum und den Arbeitern somit immer noch zu wenig zum Leben.

Aufgrund der niedrigen Grundlöhne und der kurzen Lieferfristen seien die Arbeiterinnen und Arbeiter gezwungen, Überzeit zu leisten. Erschöpfung und ständiger Wechsel der Belegschaft seien die Folge. Auch die Arbeitssicherheit sei weiterhin ungenügend. Die Angestellten hantierten mit Chemikalien, ohne dafür ausgebildet zu sein oder eine ausreichende Schutzkleidung zur Verfügung gestellt zu bekommen.

Sinnloses «Militärtraining»

Demütigung und psychologischer Druck seien weiterhin an der Tagesordnung. In Chengdu müssten die Arbeiter bei der Einstellung während ein oder zwei Tagen in Reih und Glied ruhig stehen, wie im Militär. Von Zeit zu Zeit würden sie von den Vorgesetzen aufgefordert, sich nach rechts oder links zu drehen. Am Fliessband seien Gespräche verboten. Arbeiterinnen, die einen Fehler begehen, müssten ein Schuldbekenntnis verfassen und öffentliche Demütigungen über sich ergehen lassen.

Apple nimmt Stellung

20 Minuten Online hat Apple um eine offizielle Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten. Die Antwort traf schriftlich aus London ein, von der europäischen Firmenzentrale. In der Stellungnahme heisst es, Apple nehme seine soziale Verantwortung wahr und fordere von seinen Zulieferfirmen die Einhaltung hoher Standards. Die Partnerfirmen müssten sich zur Einhaltung von umfangreichen Verhaltensregeln verpflichten. Um diese Regeln auch durchzusetzen, betreibt Apple laut eigenen Angaben ein strenges Monitoring-Programm, man kontrolliere die Produktionsbedingungen und greife wenn nötig korrigierend ein.

Tatsächlich hat Apple in der Vergangenheit bereits einiges getan, um in den Zulieferbetrieben die Arbeitssicherheit und die Rechte der Arbeitnehmer zu fördern. Über die Firmen-Website sind die entsprechenden Bemühungen im Detail abrufbar.

Foxconn bestätigt Probleme

Foxconn ist laut eigenen Angaben der weltgrösste Hersteller von Elektronik und Computer-Bestandteilen. Zu den Abnehmern gehören neben Apple andere bekannte IT-Namen wie Nintendo und Dell. Angesprochen auf die jüngsten Vorwürfe, nahm laut «Guardian» ein Foxconn-Sprecher Stellung und räumte gewisse Missstände ein. Er könne nicht ausschliessen, dass Mitarbeiter schlecht behandelt würden. Foxconn arbeite daran, dies zu ändern.

Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP wollte das taiwanesische Unternehmen nicht direkt auf die jüngsten Vorwürfe eingehen, wie die «Deutsche Welle» online berichtet. In einem Statement von Foxconn heisse es: «Unsere Richtlinien und Praktiken werden regelmässig von unseren Kunden, deren Beratern, den Regierungsbehörden und unseren eigenen Teams geprüft. Unsere Firmenrichtlinien verlangen ausserdem, dass alle Mitarbeiter im Management und alle Vorgesetzten die Arbeiter mit höchstem Respekt behandeln. Wir haben formale Beschwerdeinstrumente, die die Mitarbeiter nutzen können.»

Protestvideo zum 7. Mai

In einem YouTube-Video wird Apples Verhalten aufs Korn genommen. In einem auf Englisch geführten Telefongespräch unterhält sich «Ms. Gerry» mit ihrem langjährigen Lover, «Mr. Apple». Es sei Zeit, in einen fairen Apfel (Apple) zu beissen, heisst es dazu auf der Website zum Aktionstag vom 7. Mai.

(dsc)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 7sleeper am 10.05.2011 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Schuldig oder nicht schuldig... egal....

    Ich weis gar nicht was ihr alle habt. Objektiv betrachtet hat doch Apple sowie au Dell etc gar nix verbrochen... schaut mal bei uns in die Baubranche. Apple stellt ein Produkt zur Ausschreibung bereit, die Firmen konkurieren und geben Offerten ab. Nur weil Foxconn ein zu günstiges Angebot unterbreitet ist da noch lange nicht der Auftraggeber schuld. Wie wäre das denn hier wenn jeder Bauunternehmer bzw. Architekt erst wissen will wieviel die Arbeiter einer gewissen Firma verdienen, da kämen wir nirgens hin. Es funktioniert genau gleich ohne infos über Firmen, der günstigste bekommt den Auftrag.

  • Thomas Ark am 06.05.2011 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    das blut der arbeiter klebt an apple

    apple macht milliardengewinne. an den händen von apple klebt aber auch blut, das blut der arbeiter aus china. apple ist mitschuldig an den katastrophalen zuständen. entweder verzichten sie auf einen teil des gewinns oder sie hören auf produkte zu verkaufen. natürlich müssen microsoft, dell & co. auch gerechtere preise an die zulieferer aus china oder anderen ländern zahlen. jeder muss etwas tun. was machen apple & co. eigentlich mit dem ganzen geld?

  • egal am 06.05.2011 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    bah..

    Jaja, zuerst einen Artikel über unhaltbare Zustände beim iPhone hersteller Foxconn/Apple, aber trotzdem an jeder Ecke Werbung für das iPhone machen und Apps dafür programmieren...

Die neusten Leser-Kommentare

  • elldhor am 26.05.2011 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Bewusster konsumieren!

    Man muss nicht immer ALLEN neuen Schnickschnack haben, dann hat man auch mehr Geld übrig für fair produzierte Produkte. Ich freu mich ja auch über faire Arbeitsbedingungen.

  • 7sleeper am 10.05.2011 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Schuldig oder nicht schuldig... egal....

    Ich weis gar nicht was ihr alle habt. Objektiv betrachtet hat doch Apple sowie au Dell etc gar nix verbrochen... schaut mal bei uns in die Baubranche. Apple stellt ein Produkt zur Ausschreibung bereit, die Firmen konkurieren und geben Offerten ab. Nur weil Foxconn ein zu günstiges Angebot unterbreitet ist da noch lange nicht der Auftraggeber schuld. Wie wäre das denn hier wenn jeder Bauunternehmer bzw. Architekt erst wissen will wieviel die Arbeiter einer gewissen Firma verdienen, da kämen wir nirgens hin. Es funktioniert genau gleich ohne infos über Firmen, der günstigste bekommt den Auftrag.

  • Kein Smartphone-Fan am 09.05.2011 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Nennt man das doppelt gemoppelt?

    Wenn die Produktionskosten der Geräte 1/4 zu tief liegen und die Verkaufspreise der Geräte 1/4 zu hoch?

  • Dominic Hanselmann am 08.05.2011 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    nur Apple???

    Wieso fällt immer der Name Apple, sobald der Name Foxconn irgendwo steht??? Foxconn beliefert auch viele andere Firmen wie z.B Dell etc... Ich habe das gefühl man versucht wann immer möglich Apple schlecht zu machen... (Neid???) Schaut doch mal unter welchen Umständen eure Kleider produziert werden (auch Designerklamotten), das ist kein Dreck besser als Foxconn... Aber wenn wir nicht bereit sind, mehr zu bezahlen wird sich das auch nicht ändern, chinas Zeit als "billig-produktions-land" sind vorbei, und wenn mans trotzdem versucht kommt eben leider das hier heraus.

    • PainfulRevenge am 10.05.2011 11:55 Report Diesen Beitrag melden

      alles nur "Verkaufsstrategie"

      hm, wenn ich den Artikel lese, steht doch da auch dass Foxconn ebefalls Dell und Nintendo und andere IT-Firmen beliefert... natürlich macht sich das besser wenn man in die Schlagzeile "iPhone-Hersteller" schreibt... alles verkommt langsam aber sicher zu Boulevard-Artikeln. es geht um Klicks und Auflagen, das bringt Geld. ;) ausserdem wird immer wieder auf die Billigproduktion der Kleider hingewiesen (wirklich genug), die meisten regen sich dann auf, und wenn das Shirt auf einmal 20 statt 10 Franken kostet sind das aber die ersten die laut schreien!

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  • Atyth am 08.05.2011 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Applesalat

    In einem Kopfsalat sollen ja bis zu 3 Liter für die Herstellung und den Transport stecken. In einem iPhone halt ein paar Deziliter Menschenblut. Und alle die jetzt apple verteidigen, der Materialwert eines Appleprodukt ist um ein x faches niedriger als der Verkaufspreis, wo geht also die gesamte Marge hin? In Apples hohle Hände. Ironischerweise habe ich diesen Kommentar auf meinem iPhone geschrieben.

    • PainfulRevenge am 10.05.2011 11:59 Report Diesen Beitrag melden

      Süchtig nach mehr!

      ich will hier auf keinen Fall Apple verteidigen, aber Apple ist zu 100% nur einer von wenigen die sich mit der Dummheit der Menschen eine goldige Nase verdienen. solange es genug Leute gibt die das Smartphone zu diesem Preis oder zu einem noch höheren kaufen - warum sollte Apple das Telefon billiger anbieten?! skrupellos werden die Herren doch automatisch sobald immer mehr Geld fliesst.. ich bin besessen von Zigaretten - die werden Herren von Geld und Macht..

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