Apple und das viele Geld

29. Januar 2012 14:08; Akt: 29.01.2012 15:30 Print

Die 100-Milliarden-Dollar-FrageDie 100-Milliarden-Dollar-Frage

von Lukas Egli - Die Computerbude schlägt Rekord um Rekord. Mittlerweile hat der iHersteller 100 Milliarden in der Kriegskasse. 20 Minuten Online wüsste ein paar zivile Investitionsmöglichkeiten.

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Bleibt Apple dem einjährigen Produkte-Zyklus treu, dann wird das iPad 3 in wenigen Wochen lanciert. Aus gut unterrichteten Kreisen heisst es, die Präsentation erfolge Anfang März. Traditionell ist es ein Mittwoch. Die Nanotechnologie ist da, um Tablets wasserdicht zu machen. Das stellen Hersteller wie Liquipel bei den Smartphones unter Beweis. Ob bereits das iPad 3 in den Genuss kommt, ist fraglich. Bezüglich Form und Abmessungen wird sich beim neuen Apple-Tablet nicht viel ändern. Inzwischen sind die ersten Bilder aus den chinesischen Produktionsbetrieben «geleakt». Ein hochauflösendes Display (Full HD) gilt als sicher. Das iPad 3 soll das erste Tablet mit Retina-Display werden. Das heisst, die einzelnen Pixel sind nicht mehr von blossem Auge zu unterscheiden. Bei gleichbleibender Bildschirmgrösse (9,7 Zoll) ist mit 2096 x 1536 Pixeln zu rechnen, das wären über 3 Megapixel. Das neu Display sei wirklich erstaunlich, verriet ein Apple-Mitarbeiter der «New York Times». Von welchem Zulieferer das Tablet-Display bezogen wird, ist nicht bekannt. Zu den wahrscheinlichsten «Kandidaten» zählen Sharp, Samsung oder LG. Laut Gerüchten setzt Apple in allen künftigen Mobilgeräten auf die Bildschirm-Technologie IGZO. Die IGZO-Displays haben eine höhere Auflösung bei geringem Energieverbrauch. Dank IGZO-Technologie könnte das iPad 3 nochmals minim dünner werden als das Vorgängermodell. Das iPad 2 ist mit 8,8 Millimetern um einen Drittel dünner als die erste iPad-Generation. Andere, plausible Spekulationen gehen von einem etwas schwereren und um einen Millimeter dickeren Tablet aus, weil das Retina-Display und der stärkere Akku mehr Platz beanspruche. Im iPad 3 wird ein schnellerer Prozessor werkeln. Um das hochauflösende Display ausnutzen zu können, muss die Leistung gegenüber dem iPad 2 (mit Dual-Core-Prozessor A5) deutlich erhöht werden. Ob ein Quad-Core-Prozessor (A6) kommt, ist offen. Mehr Leistung bedeutet einen höheren Stromverbrauch. Um nicht an Akku-Laufzeit zu verlieren, muss der Akku des iPad 3 ebenfalls leistungsfähiger werden. Die Rede ist von einer Verdoppelung der Ladekapazität auf 14'000 Milliamperstunden (mAh). Die Sprachassistentin Siri sollte an Bord sein. Sie würde die Steuerung des Geräts per mündlicher Sprache ermöglichen, allerdings wäre ein gegenüber dem iPad 2 verbessertes Mikrofon erforderlich. Genau das lassen einige «geleakte» Bestandteile zum iPad 3 vermuten. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird die gleiche, leistungsfähige 8-Megapixel-Kamera eingebaut, die im iPhone 4S zu finden ist. Eine weitere, etwas schwächere Kamera (in der Vorderseite) ist für Videochats/Telefonate gedacht. Auf 3G folgt LTE. Der neue Mobilfunk-Standard ermöglicht ein um Welten schnelleres mobiles Internet. LTE ist in Asien und Nordamerika auf dem Vormarsch, steckt hierzulande aber noch in den Kinderschuhen. Apple dürfte auf jeden Fall eine LTE-Version des iPad 3 planen. Wie 9to5mac vermutet, könnte Apple zunächst eine WLAN-Version und eine 3G-Version auf den Markt bringen, später würde das LTE-Modell folgen. Ob der Speicherplatz optional auf 128 Gigabyte erhöht werden kann, ist fraglich. Ob das für das iPad 2 gekaufte Zubehör weiterverwendet werden kann, ist offen. Das hängt von der Platzierung der Anschlüsse und Bedienknöpfe ab. Wann das iPad 3 in die Läden kommt, ist offen. Gut möglich, dass der Verkaufsstart in den USA und Europa gestaffelt erfolgt.

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Apple ist ein Heilsbringer. Niemand baut bessere und schönere Gadgets als der IT-Gigant aus Cupertino. Die Konsumenten auf der ganzen Welt lieben die Geräte: 37 Millionen iPhones und 15 Millionen iPads verkaufte Apple allein zwischen Oktober und Dezember 2011.

Apple hat im 4. Quartal 2011 seinen Umsatz schon wieder verdoppelt. Kein Wunder, hat auch die Börse ihre liebe Freude an der kalifornischen Computer-Bude mit den schicken Accessoires: Dank iRevolution resultierte ein Reingewinn von sagenhaften 13 Milliarden Dollar. Und das in nur drei Monaten! Astronomisch.

Zum Vergleich: Google, das ebenfalls als IT-Gigant gilt, machte in derselben Periode gerade mal soviel Dollar Umsatz wie der Konkurrent Gewinn.

Investoren würden jubeln

Mittlerweile sitzt der iHersteller auf einem Barvermögen von unvorstellbaren 100 Milliarden Dollar. Erwirtschaftet mit kleinem elektronischem Spielzeug. Der gefallene Eurozonen-Star Irland hat exakt so viel Schulden. Unglaublich.

Doch was tun mit dem immensen Schatz? Vergraben? Natürlich nicht! Wie wäre es mit der Übernahme eines Konkurrenten? Gewinnausschüttung an die Aktionäre? Nichtstun? Alles eher unwahrscheinlich, sagen Kenner. Am wahrscheinlichsten sei ein Aktienrückkauf, der den Aktienkurs weiter beflügeln würde. Investoren würden jubeln. Aber sind wir Investoren? Langweilig!

Nein, Apple könnte wirklich spannendere Sachen anpacken. Die kalifornische Bude könnte mit dem Betrag beispielsweise vier Mal die NEAT bauen, jenes teure Jahrhundertbahnprojekt, an dem wir Schweizer seit über einem Jahrzehnt werkeln. Apple könnte zwei Mal die Schweizer Grossbank UBS B”rsenkurs kaufen, eine der grössten Banken der Welt.

Tu doch was gegen die Armut, Apfel!

Oder Apple könnte die Gesamtschäden des verheerenden Tsunamis vor der Küste Japans vor einem Jahr begleichen – mit 100 Milliarden Dollar laut Versicherungsfachleuten die teuerste Katastrophe aller Zeiten. Oder Griechenland einen Drittel der Schulden abnehmen. Hélas, Steve Jobs' Erben würden in Athen unsterblich.

Aber halt, man soll ja nicht gleich alles auf einmal ausgeben, haben uns die Eltern eingebläut. Es ginge auch schon mit weniger Einsatz. Allein mit dem Quartalsgewinn von 13 Milliarden liesse sich schon Einiges bewirken auf der Welt. Zum Beispiel gegen die Armut.

An Apple a day keeps the famine away

Laut Uno leben weltweit noch immer mehr als 800 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze, die gemäss Vereinigten Nationen bei bescheidenen 1,25 Dollar am Tag liegt. In einem Apple-Store bekäme man dafür wohl nicht einmal ein weisses Kabel. Anderswo auf der Welt aber offensichtlich genug Trinkwasser, Brot oder Reis zum Überleben.

Angenommen, ein weiterer Quarter – 25 Cent – pro Person und Tag würde die grösste Not der Armen der Welt ein wenig lindern: Mit dem gigantischen Quartalsgewinn könnte Apple ein Vierteljahr lang etwas Leid aus der Welt schaffen. Darf man das sagen: An apple a day keeps the famine away?