«Inside Apple»

20. Januar 2012 09:25; Akt: 20.01.2012 10:54 Print

Im Kreml von Cupertino

von Daniel Schurter - Kontrollen wie beim Geheimdienst und Ingenieure, die auf «Dummy Positions» angestellt werden: Ein Journalist zeigt, wie der mächtigste Tech-Konzern der Welt seine Geheimnisse wahrt.

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One Infinite Loop. Die Adresse dürfte jedem Apple-Fan bekannt sein. In der kalifornischen Kleinstadt Cupertino steht der streng bewachte Apple-Hauptsitz. Der US-Journalist Adam Lashinsky hat - ohne Zustimmung von Apple - hinter die Kulissen geblickt. Das Interesse am wertvollsten Unternehmen der Welt ist riesig. Doch der US-Konzern legt grössten Wert auf Geheimhaltung. Nach aussen - aber auch gegenüber den Mitarbeitern. Jeder weiss nur so viel, wie er muss. Keine Informationen sollen ungewollt nach draussen dringen. Bilder aus dem Allerheiligsten gibt es praktisch keine. Im Firmenladen wird ein T-Shirt mit folgendem Slogan verkauft: «Ich habe den Apple Campus besucht. Aber das ist alles, das ich dazu sagen darf». Gleich an ihrem ersten Arbeitstag lernen neue Apple-Mitarbeiter, dass sie in einer einzigartigen Firma arbeiten - und auf sich gestellt sind. Wer den eigenen Computer ans Firmen-Netzwerk anschliessen will, muss sich die nötigen Informationen irgendwie selbst beschaffen. Über die Arbeit bei Apple wird nicht gesprochen, schon gar nicht ausserhalb des Firmengeländes. Diese Regel gilt es eisern einzuhalten. In einer nahe gelegenen Bar, einem beliebten After-work-Treffpunkt, lauschen Sicherheitsleute unauffällig mit. Gearbeitet wird in Teams in immer wieder wechselnder Zusammensetzung. Ein Badge ermöglicht Spezialisten Zutritt zu Räumen, in die nicht mal ihre Chefs reindürfen. In das hermetisch abgeriegelte Design-Lab von Jonathan Ive schaffen es nur die wenigsten. Apple-Übervater Steve Jobs galt als absoluter Kontrollfreak und hat die Firmenkultur entsprechend geprägt. In gemeinsamer Runde erlebten Apple-Mitarbeiter immer wieder komische Situationen: «Die Hälfte der Leute konnte dir nicht sagen, an was sie gerade arbeiten. Weil es ein geheimes Projekt war.» Viele Ingenieure werden in sogenannte «Dummy Positions» angeheuert. Das heisst, sie wissen bei Arbeitsantritt nicht, welche Aufgaben sie übernehmen sollen. Wenn in einem Gebäude neue Wände hochgezogen und Schlösser ausgewechselt wurden, wussten die Leute, dass etwas Grosses im Anzug war. Wurde man nicht informiert, sollte man auch nicht fragen. Ob sich seit Jobs' Tod im Oktober firmenintern viel geändert hat, ist zu bezweifeln. Nach aussen scheint Apple mehr Transparenz zu schaffen. Erst kürzlich wurden alle Zulieferbetriebe offengelegt. Der neue Apple-Chef Tim Cook ist vom alten ausgesucht worden. Zudem hatte Jobs gegenüber seinem Biografen gesagt, dass er die Geschicke des Unternehmens vorgespurt habe. Gerüchtehalber könnten Cooks Tage als Apple-Chef allerdings bereits gezählt sein. Mit Scott Forstall (Bild) wird ein anderer Jobs-Vertrauter als Nachfolger gehandelt. Steve Jobs hat über seinen Tod hinaus vorgesorgt. Fünf Autominuten vom jetzigen Hauptsitz entfernt, soll eine neue Zentrale entstehen. Ganz nach den Plänen des verschwiegenen Meisters.

Zum Thema
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Adam Lashinsky wird sich mit seinem Buch mächtige Feinde machen. «Inside Apple» heisst das 240-seitige Werk, das nächste Woche veröffentlicht wird. Lashinsky ist Redaktor des renommierten US-Magazins Fortune und schreibt seit Jahren über das Silicon Valley. Jetzt nimmt er sich den wertvollsten und erfolgreichsten Technologie-Konzern der Gegenwart vor.

In einer exklusiven Vorab-Story bei CNN Money gibt Lashinsky einen Vorgeschmack auf das Buch. Er schildert die extremen Sicherheitsmassnahmen, die Apple betriebsintern ergreift, um sich abzuschotten. Auf dem Firmengelände im kalifornischen Cupertino gibt es sogenannte «Lockdown»-Räume - ohne Fenster und mit geheimdienstähnlichen Zutrittskontrollen. Nur eine Handvoll Mitarbeiter darf ins Allerheiligste vordringen, das Design-Lab von Chefdesigner Jonathan Ivy. Viele neue Ingenieure wissen bei ihrem Arbeitsantritt nicht, welche Aufgabe sie übernehmen sollen. Neue Produkte werden in streng geheimen Teams erarbeitet, die vom Rest der Belegschaft abgeschirmt werden (siehe Bildstrecke).

Apple sei nicht nur das am meisten bewunderte US-Unternehmen, sondern auch das verschlossenste, schreibt er. Innovative Produkte wie das iPhone seien im Alltag allgegenwärtig, doch detaillierte Informationen über das Unternehmen und seine Funktionsweise gebe es praktisch keine. Und genau das sei die Strategie. Der im vergangenen Oktober gestorbene Firmengründer Steve Jobs hat das Unternehmen massgeblich geprägt und zu dem gemacht, was es heute ist. Ein auf absolute Geheimhaltung bedachter Konzern, der ein erfolgreiches Produkt nach dem andern entwickelt.

Verschlossene Türen

Der Apple-Übervater ist im vergangenen Oktober gestorben – ohne mit Lashinsky zu reden. «Inside Apple» ist denn auch unabhängig von der autorisierten Steve-Jobs-Biografie entstanden, die Walter Isaacson vom Time-Magazin verfasst hat (20 Minuten Online berichtete).

Aber auch unter dem neuen Apple-Chef Tim Cook blieben für Lashinsky die Türen des Unternehmens verschlossen. Der erfahrene Journalist verspricht trotzdem, Licht ins Dunkel zu bringen. Er hat zahlreiche Interviews geführt mit Apple-Partnern, Zulieferern und vielen ehemaligen Mitarbeitern. Einige haben ihm unter Zusicherung von Anonymität Auskunft gegeben.

«Apple lenkt die öffentliche Diskussion bewusst auf seine Gadgets – die es in einem Apple Store in der Nähe gibt», schreibt Lahinsky. Der Rest werde bewusst im Dunkeln gelassen. «Alle Unternehmen haben Geheimnisse. Doch bei Apple ist alles geheim.» Mit seinem Buch wolle er massgeblich dazu beitragen, das zugeknöpfte Unternehmen transparenter zu machen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco S. am 20.01.2012 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach wie schlimm

    Wir wissen nicht was bei Apple läuft? Oh je, das muss man sofort ändern, Im Ernst, wen kümmerst? Ich habe weder Lust noch Zeit mir anzuhören wie jede Firma arbeitet. Davon abgesehen, Apple macht's wohl richtig. Einfach mal die Produkte und Verkaufszahlen ansehen. Ich will übrigens nur deren Produkte, nicht die Firma kaufen ;-)

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  • Maurizio Scettino am 20.01.2012 15:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist normal!

    Ach, wie schlimm. Und bei anderen soll's besser sein? Wer's glaubt soll sich mal bei google bewerben. Da sitzt sogar eine Art Geheimdienst, welche alles überwachen. Da will einer Geld machen mit einem Buch und tischt Geschichten auf, welche es in jedem Unternehmen dieser Größe gibt.

  • Hans Berger am 20.01.2012 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Kontrollwahn

    Genau das macht Apple für mich immer unsympathischer.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Maurizio Scettino am 20.01.2012 15:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist normal!

    Ach, wie schlimm. Und bei anderen soll's besser sein? Wer's glaubt soll sich mal bei google bewerben. Da sitzt sogar eine Art Geheimdienst, welche alles überwachen. Da will einer Geld machen mit einem Buch und tischt Geschichten auf, welche es in jedem Unternehmen dieser Größe gibt.

  • jaja am 20.01.2012 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Neues

    Das das Design-Büro nicht öffentlich zugänglich ist ist in der offiziellen Biografie ersichtlich, scheint mir nicht in grosses Geheimnis zu sein. Viel Lärm um nichts wird's in dem Buch wohl geben....

  • Massimo am 20.01.2012 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Appletology ist wie Scientology

    Appletology ist wie Scientology eine Sekte. Apple kontrolliert und überwacht seine Techniker und Entwickler in einer paranoiden art und weise. Apple schart durch geschicktes Marketing seit Jahren Jünger zu einer art kritikloser Apple-Sekte zusammen. Apple schreibt vor, was Kult ist, welche Apps man installieren kann, wo man die Apps besorgen muss, wo man Musik runterladen darf, wer Apple-Apps veröffentlichen darf, welche Apps zensiert werden, welche Inhalte Apps haben dürfen, welche Preise gezahlt werden.

    • Gernot am 20.01.2012 15:44 Report Diesen Beitrag melden

      hahaha

      hahaha du bist lustig, übertreibst ja ganz gewaltig :-) Im Ansatz mag ja das meiste stimmen was du schreibst, aber ob das alles so schlecht ist? Wenn ich mir die Konkurrenz ansehen machen sie sehr viele Dinge um einiges besser.

    • Trebla am 20.01.2012 17:06 Report Diesen Beitrag melden

      abstruser Vergleich

      Neid ist eine schlechte Charaktereigenschaft.

    • Pomme Cherry am 22.01.2012 12:03 Report Diesen Beitrag melden

      @ F. Ukka Job

      Nein. Da bin ich ganz anderer Meinung. Meine Mutter, 73 jährig hat sich letzten Frühling ein iPhone gekauft und hatte mit gerade 10' Einführung alles selbst im Griff - sogar das Einrichten der Cloud im Herbst selbst gemacht ( unter Beobachtung ;-)) und DAS will was heissen!

    • F. Ukka Job am 22.01.2012 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ Pommes cherry

      Die Politik apples hat mit ihrer Mutter welche mit 73 ein iPhone bedienen kann nichts zu tun. Ps: es ist natürlich Toll dass ihre Mutter iCloud fast selbständig einrichten konnte. Herzliche Grüße

    • Carlos am 22.01.2012 18:24 Report Diesen Beitrag melden

      Lächerlicher Vergleich

      Und Androidismus ist weniger schlimm? Da kann man ja nur lachen... dabei sind es meist Android Smartphone User die fanatisch sind... Samsung und Co. betreiben doch genauso Raubbau an Fabrikarbeitern.. eigentlich nur eines: Lächerlich!

    • Pomme Cherry am 22.01.2012 21:03 Report Diesen Beitrag melden

      @F. Ukka Job

      Ich find grad ihren Urkommentar nicht mehr, glaub aber gelesen zu haben, dass sie am Ende geschrieben haben "Design vor Funktion" .... damit hätte es was zu tun oder?

    • Goblin am 23.01.2012 00:38 Report Diesen Beitrag melden

      Selbst WLAN erstellt!!

      Meine Mutter hat, mit ein bisschen anstupsen in die richtige Richtung, selbst mit Mac und Airport ein Wlan eingerichtet, mit korrekter WPA2 Verschlüsselung! War schwer beeindruckt! Es kann so einfach sein! Mit einem Windows System wäre das nie möglich gewesen, sorry.

    • R2-D2 am 23.01.2012 07:15 Report Diesen Beitrag melden

      @Massimo

      ..bin völlig deiner Meinung... und die meisten Kommentare bestätigen das ja leider genau. Kaum sagt man was gegen Apple geht es gleich in Richtung Blasphemie und entsprechend reagieren auch die Apple Fanboys... echt traurig und gleichzeitig genial was der angebliche iGod da geschafft hat....

    • Apple User am 23.01.2012 11:31 Report Diesen Beitrag melden

      Warum immer diese Diskussion?

      Apple stellt (momentan) konkurrenzlose Produkte her. Sie sind nicht konkurrenzlos wegen eines ominösen Applekultes, sondern weil Apple Innovationen fördert und diese dann in einer (subjektiv) an Perfektion grenzenden Benutzerfreundlichkeit auf den Markt bringt. Ergänzt durch ansprechendes Design und super Kundendienst. Der höhere Preis ist das Resultat. Verschwiegenheit (bei Innovationen) vorraussetzung. Und wenn man die Produkte einer Firma sehr mag, macht das noch keine Sekte.

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  • Martin am 20.01.2012 14:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Transparenz für die Konkurenz

    Transparenz für alle anderen ohne Ideen wäre natürlich Ideal. Ich finde die Apple Lösungen super und wohl die einzigen IT Lösungen mit Pfiff, sprich Style. Deshalb spricht Apple die Frauen an. Einfach cool und schön. Es macht halt Freude damit zu arbeiten. Aber am Schluss kann ja jeder selber wählen was sie / er kaufen will und mich hat Apple nicht gezwungen Apple Lösungen zu kaufen.

  • Big Apple am 20.01.2012 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    A la Scientology?

    Für mich tönt das alles sehr stark nach bekannten Mustern aus anderen Bereichen und grenzt schon fast an eine Sekte. Schade, denn die Produkte wären ja eigentlich gut.

    • Mathias am 20.01.2012 15:27 Report Diesen Beitrag melden

      Hat mit Scientology nichts zu tun!

      Was da abgeht ist das Normalste der Welt: Die Pharma oder die Autoindustrie - vor allem die deutsche - ist ähnlich rigide. Ein Designer z.B. spricht nie über seine Arbeit. Man weiss also nur, dass er Autos zeichnet und an Modellen baut im Studio, auf dem hermetisch abgeriegelten Werksgelände. Auch Dummy-Positions sind alltäglich v.a. im strategisch wichtigen Engineering. Denn man will ja nicht per Stellenbeschrieb bzw. im Recruiting verraten, woran man grade werkelt. Schliesslich gab es auch schon Fälle mit Fake-Bewerbern, die dann alle Eindrücke und Infos an die Konkurrenz rapportiert haben.

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