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23. Juli 2010 11:00; Akt: 23.07.2010 17:17 Print

iPhone 4: Es geht doch

von Manuel Bühlmann - 20 Minuten Online war es leid, sich auf die Testberichte anderer zu verlassen und hat sich auf Umwegen Apples jüngstes Sorgenkind besorgt - und etwas genauer unter die Lupe genommen.

(Video/Kommentar: Mathieu Gilliand und Debby Galka)
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Das iPhone 4 hat Apple in den vergangenen Wochen viel schlechte Presse gebracht. User beschweren sich über Empfangsprobleme, in den USA wurde deswegen schon Sammelklage eingereicht. Apple-CEO Steve Jobs sah sich gar gezwungen, kurzfristig eine Pressekonferenz einzuberufen. Dabei wies er darauf hin, dass auch andere Smartphones durchaus mit Empfangsschwierigkeiten zu kämpfen haben. Als Sofortmassnahme hat er sich dazu entschieden, den Kunden kostenlos eine Hülle mitzugeben und die Option zu bieten, während 30 Tagen gegen Rückgabe des vollen Kaufpreises das Smartphone wieder umzutauschen.

Welches Antennenproblem?

In einem ersten Test von 20 Minuten Online stellte sich heraus, dass das Antennenproblem eigentlich gar keines ist - zumindest hierzulande, wo die Carrier offenbar eine qualitativ höher stehende Mobilfunknetz-Infrastruktur unterhalten, als es etwa mit AT&T in den USA der Fall ist. Die Empfangsstärke nahm auch beim beherzten Drücken mittels dem Handballen auf die kritische Stelle am unteren linken Rand kaum merklich ab. Die Gesprächsqualität war tadellos. Auch das Surfen im Web übers Mobilfunknetz funktionierte flüssig und so gut wie verzögerungsfrei. Der Test wurde mitten im Herzen von Zürich durchgeführt, wo die Netzabdeckung sehr gut ist. Ob sich das Antennenproblem in ländlicheren Regionen stärker bemerkbar macht, wird sich erst zeigen.

FaceTime: Die billigere Art zu telefonieren

Am 7. Juni präsentierte Steve Jobs der Weltöffentlichkeit in gewohnt lässiger Manier das neuste Apple-Smartphone. Dabei stellte er FaceTime vor, mit dem die Videotelefonie übers WLAN-Netz unterstützt wird. Apple soll sich in Verhandlungen mit Netzbetreibern befinden, damit zu einem späteren Zeitpunkt auch übers Mobilfunknetz videotelefoniert werden kann. Im Test von 20 Minuten Online funktionierte der Dienst gut, führte allerdings beim ersten Gespräch nach zirka 50 Sekunden zu einem Unterbruch. In der Folge musste die Verbindung erneut aufgebaut werden. Beim Start der Videotelefonie wird die Verbindung ins Mobilfunknetz überflüssig. Der gesamte Datenverkehr findet übers WLAN statt, die üblichen Minutentarife entfallen.

Zu einer der augenscheinlichsten Neuerungen zählt neben der Frontkamera sicherlich das Display. Im direkten Vergleich mit den Vorgängermodellen fällt auf, dass Bilder und Schriften deutlich schärfer dargestellt werden. Dies wird aufgrund der verbesserten Auflösung 326 Pixel pro Inch ermöglicht. Die Kamera auf der Rückseite wurde um einen LED-Blitz erweitert und löst mit 5 Megapixel aus. Die Schweizer Preise für das iPhone 4 wurden bislang von keinem der drei Provider kommuniziert.

SKS nimmt Provider in die Pflicht

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) hält auch heute nach wie vor daran fest, dass es die Pflicht der Provider ist, die Kunden auf allfällige Empfangsprobleme hinzuweisen: «Wir haben Swisscom, Orange und Sunrise bis Ende Juli um Stellungnahme gebeten. Wir wollen wissen, wie an den Verkaufsstellen die möglichen Käuferinnen und Käufer informiert werden und welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen, wenn die technischen Schwierigkeiten zu gross sind.» Neben dem US-Verbraucherschutz ist auch die welsche Konsumentenschutz-Organisation Fédération Romande des Consommateurs zum Schluss gekommen, dass sie das iPhone 4 nicht empfehlen können.

Lieferengpässe wahrscheinlich - auch Journalisten müssen warten

In Nachbarländern ist von Lieferverzögerungen von bis zu neun Wochen die Rede. Auch hierzulande dürfte es nicht anders sein, die weltweite Nachfrage nach dem jüngsten iPhone ist offenbar gewaltig. Mit dem iPhone 4 hatte der US-Computerhersteller eigenen Angaben zufolge den erfolgreichsten Produktstart der Firmengeschichte hingelegt. Anfang der Woche vermeldete Apple den höchsten Quartalsumsatz seiner Geschichte. Im dritten Geschäftsquartal (Ende Juni) stieg der Gewinn auf unterm Strich knapp 3,3 Milliarden Dollar. In der Regel stellt Apple Schweiz den wichtigsten Medien jeweils ein paar Tage vor dem Markstart ein Testgerät zur Verfügung. Dieses Mal ist es allerdings anders: Ausgesuchte Medientitel erhalten erst am 30. Juli, also am Tag der offiziellen Markteinführung, die Möglichkeit, das iPhone 4 zu testen.

Apple hat heute mitgeteilt, dass die weissen iPhone-4-Modelle «erst später im Laufe des Jahres erhältlich sein» werden. In der Pressemitteilung ist zu lesen: «Weisse Modelle des neuen iPhone 4 von Apple stellen weiterhin eine grössere Herausforderung in der Produktion dar, als wir ursprünglich angenommen haben.»