Das neue iPad im Test

15. März 2012 02:00; Akt: 08.07.2012 15:23 Print

Apples messerscharfe Flunder

von Daniel Schurter - 20 Minuten Online konnte das iPad 3 vor dem Verkaufsstart ausgiebig testen. Wir verraten, warum das Apple-Tablet rockt und für wen sich der Kauf lohnt.

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Das neue iPad glänzt mit seinem gestochen scharfen Display. Aber auch bei den Apps und beim Betriebssystem hat Apple tüchtig nachgelegt. Das iPad 3 wird mit der aktuellen iOS-Version 5.1 ausgeliefert. Unter der Haube sorgt ein ARM-Prozessor für ausreichend Power. Der Arbeitsspeicher ist gegenüber dem iPad 2 verdoppelt worden. Auf der Rückseite ist die iSight-Kamera zu finden. Die Auflösung ist auf 5 Megapixel erhöht worden (gegenüber 0,9 Megapixel beim iPad 2). Bei der restlichen Ausstattung hat sich wenig getan. Es gibt keine normale USB-Schnittstelle oder einen Speicherkarten-Slot. Der Speicherplatz für Filme, Musik und andere Nutzerdaten beträgt wahlweise 16, 32 oder 64 Gigabytes - gleich viel wie beim iPad 2. Das Fotografieren mit dem knapp 25 Zentimeter langen Gerät mutet zunächst ungewohnt an. Auch bei difusen Lichtverhältnissen sind «Schnappschüsse» möglich. Bei selbst aufgenommenen Videos (in HD-Qualität, 1080p) werden Wackler und Erschütterungen von der Kamera-App automatisch ausgeglichen. Die maximale Akku-Laufzeit beträgt laut Apple bis zu zehn Stunden. Das wäre trotz höherer Leistung gleich lang wie beim Vorgängermodell. Im Testbetrieb hielt die iPad-«Batterie» gut durch. Die eigens für das iPad 2 entwickelten, magnetischen Falthüllen aus Kunststoff und/oder Leder können weiterverwendet werden. Das edle Gehäuse aus Aluminium kennt man vom Vorgängermodell. Auch der physische Home-Button ist geblieben. Das Gerät ist einen knappen Millimeter dicker und rund 50 Gramm schwerer und liegt weiterhin gut in der Hand. Der Benchmark-Test (ausgeführt mit der Geekbench-2-App) ergibt einen Wert von 761. Das neue iPad ist dank A5X-Prozessor etwas schneller als sein Vorgänger. Das iPad 2 kommt auf Werte um die 750. Der im iPad verwendete LTE-Standard (700, 2100 MHz) wird nur von Mobilfunk-Netzen in den USA und Kanada unterstützt. In der Schweiz gelten andere LTE-Standards. Nutzer des neuen iPads werden die hiesigen LTE-Netze daher nicht nutzen können. Apple hat die eigenen Apps der iLife-Serie mächtig aufgepeppt und an das hochauflösende Display angepasst. Apps von Drittanbietern werden automatisch auf das Retina-Display «hochgerechnet». Mit dem Bildbearbeitungs-Programm iPhoto wird die Fingerspitze zum Pinsel ... ... oder einem anderen Malwerkzeug. Fotos können von einem iOS-Gerät auf ein anderes «gebeamt» werden. Die iPhoto-App ist einfach zu bedienen. Praktisch ist die einblendbare «Hilfe»-Funktion. Bearbeitete Bilder können in Sozialen Netzwerken veröffentlicht werden. Mit der «Journal»-Funktion können Bilder-Webseiten erstellt und via iCloud veröffentlicht werden. Das Musikprogramm Garage Band ermöglicht neu auch Jam Sessions mit bis zu vier Teilnehmern. Nicht an Bord ist die vom iPhone 4S bekannte Sprachassistentin Siri. Es gibt nur eine Diktier-Funktion. So muss man lange Texte nicht auf der Tastatur tippen, sondern kann sie ins Mikrofon sprechen. Das funktioniert in unserem Test auf Englisch und Deutsch relativ gut. Das hochauflösende Display ist ein gewichtiges Kaufargument. Gefordert sind die Verlage, die ihre iPad-Magazine aufrüsten müssen. Das bedeutet grössere Dateigrössen - und längere Downloads. Bei einigen Publikationen müssen Hunderte Megabytes heruntergeladen werden. Eine schnelle Internet-Verbindung wird immer wichtiger.

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Der im vergangenen Oktober gestorbene Apple-Gründer Steve Jobs beschrieb einst die Philosophie, die in seinem «Baby» steckt. Er sagte sinngemäss: Technologie allein genügt nicht, um die Herzen höher schlagen zu lassen.

Während einer Woche konnte ich das neue Apple-Tablet für 20 Minuten Online testen. Wenn vor einer offiziellen Produkt-Lancierung ein Testgerät an Journalisten abgegeben wird, dann ist das mit strengen Regeln und absoluter Geheimhaltung verbunden. Das gilt natürlich auch für die Familienmitglieder, die in den Praxistest «eingebunden» wurden. Jetzt darf das Schweigen gebrochen werden, bevor das neue iPad am Freitag in den Verkauf kommt.

Um es kurz zu machen: Das Urteil fällt durchwegs positiv aus. Wer das neue iPad ausprobiert, will kaum mehr darauf verzichten. Mit dem messerscharfen Display und einem Arsenal von Power-Apps hat es sich in Kürze zum Lieblingsspielzeug und (fast) unverzichtbaren Freizeit-Tool gemausert. Ach ja: Nebenbei liesse sich damit auch ganz passabel arbeiten.

Brauchen wir das wirklich?

Der (moderne) Mensch lebt nicht von Luft und Liebe allein. Aber brauchen wir wirklich noch mehr «Unterhaltungselektronik» im Alltag und in der Freizeit? Die Antwort lautet - «jein». Das hat mit dem sanften Übergang ins sogenannte Post-PC-Zeitalter zu tun. Je länger, desto mehr werden herkömmliche Computer durch flexiblere (und sinnlichere) Touch-Screen-Geräte - sprich Tablets - abgelöst.

Apple hat diesbezüglich Erstaunliches geleistet. Als im Januar 2010 das erste iPad vorgestellt wurde, sah kaum jemand den unaufhaltsamen Eroberungszug des überdimensionalen iPhones voraus. Zwei Jahre später sind bereits Hunderttausende Apps speziell für das iPad entwickelt worden. Unzählige werden folgen, um die unterschiedlichsten Bedürfnisse abzudecken.

Das können auch Bedürfnisse sein, die wir noch gar nicht kennen. Neben dem Konsumieren von Filmen, Musik und anderen elektronischen Medien rückt bei der iPad-Nutzung immer mehr das kreative Schaffen ins Zentrum. Ein kleines Beispiel: Als unmusikalischer Mensch hätte ich das Komponieren mit Garage Band (5 Franken im App Store) gern den kreativeren Familienmitgliedern überlassen. Doch nach kurzer Angewöhnung konnte ich tatsächlich etwas Hörbares vorweisen. Die «Eigenkomposition» wurde flugs verwendet, um ein, ähm wackliges Ferienvideo aufzupeppen.

Ewige Nörgler

Natürlich haben sich auch die ewigen Nörgler zu Wort gemeldet, nachdem das neue iPad vor gut einer Woche präsentiert wurde (20 Minuten Online berichtete). Kritiker werfen dem US-Konzern vor, er verwalte schlicht den Erfolg der ersten beiden iPad-Modelle und habe keine grossen Überraschungen zu bieten.

Fakt ist: Apple hat bei den richtigen Stellen (sprich Display, Prozessor, RAM etc.) nachgelegt, ohne die bisherigen Stärken (Software) zu vernachlässigen. In Sachen Benutzerfreundlichkeit und Handling bleibt das iPad 3 unerreichbar gut - ja, wir sollten es iPad 3 nennen, auch wenn uns Apple aus unerfindlichen Gründen etwas anderes weismachen will. Dass die schlaue Sprachassistentin Siri nicht mit an Bord ist, fällt nicht weiter auf. Dafür gibts eine leistungsfähige Diktier-Funktion - für tippfaule Nutzer.

Ab 529 Franken

Die Konkurrenz schläft nicht, wie die Tablet-Präsentationen in diesem Frühjahr gezeigt haben. Doch Apple ist den anderen Herstellern mehr als nur einen Schritt voraus. Und der Abstand dürfte in diesem Jahr noch einmal grösser werden. Denn niemand aus der Android-Welt kann zurzeit ein ähnlich umfassendes «Tablet-Paket» anbieten.

Das neue Apple-Gadget hat allerdings auch seinen Preis. Das Topmodell mit 64 Gigabyte Speicher, WLAN und Mobilfunk-Modul kostet 859 Franken. Das günstigste Modell (16 GB, nur WLAN) gibt es für 529 Franken.

Oder doch das iPad 2?

Wer bereits ein iPad 2 besitzt, soll sich den Kauf gut überlegen und sollte das neue Tablet vorher ausgiebig testen. Anders sieht es für Besitzer des iPad 1 aus. Im Vergleich zum Ur-Tablet ist der Leistungssprung gewaltig.

Wem das aktuelle iPad zu teuer ist oder wer glaubt, auf die neuen Funktionen verzichten zu können, kann das iPad 2 ins Auge fassen. Nach der jüngsten Preissenkung ist das Vorgängermodell mit 16 Gigabyte Speicher und WLAN-Funktion für 429 Franken zu haben. In der Refurbished-Variante gibts das iPad 2 sogar noch günstiger, für 379 Franken.

Unverbesserliche können natürlich auch auf das iPad 4 warten. Zeitpunkt: offen. Wie sagte doch Steve Jobs' Nachfolger, der amtierende Apple-Chef Tim Cook: «Wir fangen gerade erst an. Sie werden noch viel von uns sehen in diesem Jahr.»

Freitag, ab 8 Uhr

In der Schweiz kommt das neue iPad am Freitag, 16. März, in den Verkauf. Apple öffnet seine Retail-Stores in Genf, Wallisellen und Zürich eine Stunde früher, um 08.00 Uhr. Es ist mit einem grossen Andrang zu rechnen. Auch wenn es kein Geheimtipp mehr sein dürfte: Das iPad 3 wird auch von diversen, von Apple autorisierten Resellern angeboten.

Die iSight-Kamera liefert hochauflösende Videos mit 1080p. Hier ein zugegeben ruckliges Demo-Video aus den Schweizer Bergen.

Ein Herz für Gamer

Und hier noch ein von Apple veröffentlichtes Werbevideo (auf Englisch). Darin wird unter anderem gezeigt, wie das Retina-Display funktioniert. Zudem wird auf die Grafikleistung eingegangen, die insbesondere auch für Game-Liebhaber interessant sein dürfte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lukas Wetzler am 15.03.2012 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Die Geschmäcker sind verschieden....

    Ich warte auf ein Tablet mit Win8. Weder Apple noch Linux kommt für mich in Frage. :-)

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  • Martin am 15.03.2012 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    Apple Fan

    O jeh hier hat ein richtiger Apple Fan geschrieben Niemand kann dem Ipad das Wasser reichen? Haha genau und der Santaklaus kommt an Ostern

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  • P. Luis am 16.03.2012 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    iPad3

    Lustig ist das der Retina-Display und der A5X Prozessor des iPad3 eine Produktion von Samsung ist. Ohne Samsung gäbe es kein iPad3.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • S.w. am 16.03.2012 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An alle Hater

    Ihr müsst zugeben: das iPad Ist das schönste Tablet der Welt.

  • S.w. am 16.03.2012 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ipad 3

    Sie haben zwar nicht viel verändert aber das Gerät ist trotzdem super wie immer bei Apple.

  • P. Luis am 16.03.2012 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    iPad3

    Lustig ist das der Retina-Display und der A5X Prozessor des iPad3 eine Produktion von Samsung ist. Ohne Samsung gäbe es kein iPad3.

    • Dublin am 18.03.2012 21:34 Report Diesen Beitrag melden

      @P.Luis

      Falsch. Ohne Samsung hätte halt ein anderer Produzent die Teile geliefert. Samsung ist nicht Entwickler von den Teilen, sondern nur Auftragsfertiger

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  • Joshua am 15.03.2012 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An alle Nörgler

    An alle Nörgler Wenn Ihr in einer Garage einen Computer mit 3-5 freunden baut und dan bei den allen andern Computerprodukten voraus liegt und: Die maus Den bekannten desktop ... Erfindet, dann reden wir wider. Ausserdem hat microsoft apple alles abgeschaut!!! Wer mir nicht glaubt soll mal die dokumentation von steve jobs anschauen.

    • Manuel kohler am 16.03.2012 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      LOL

      Na und Bill Gates hat Apple dafür 100milionen Doller gegeben, um sich wieder auf zubauen. Sonst gäbe es heute kain iphone usw ! also schau du erst mal richtig!

    • Martin am 16.03.2012 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt defimitiv nicht

      Alles? Ja klar :-) Übrigens hat Microsoft Apple einmal mit 150 Mio. Dollar gerettet. Ohne M$ gäbe es also keine iDevices mehr.

    • Manuel am 16.03.2012 08:02 Report Diesen Beitrag melden

      Und.....

      .....nicht zu vergessen hat Microsoft Apple vor dem aus gerettet.............

    • noob.fl am 16.03.2012 09:41 Report Diesen Beitrag melden

      geschischte die Zweite

      ... und Microsoft hat Apple mit 150 Millionen Dollar vor dem Bankrot gerettet... damals

    • noob.fl am 16.03.2012 09:45 Report Diesen Beitrag melden

      geschichte die dritte

      und by the way: Apple 1 lief mit der Basicvariante die Bill Gates Programmiert hat

    • Massimo am 17.03.2012 09:07 Report Diesen Beitrag melden

      Bibel von Apple

      Habe ich gelesen... und ja, das ist die Bibel von Apple... mehr nicht. Wenn du genau so denkst wie du schreibst, dann hat Apple das geschaft wo sie auch will.

    • Rene am 17.03.2012 17:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      aus gutem Grund

      wäre Apple dazumals Konkurs gegangen hätte MS gesplittet werden müssen - Monopol -> deshalb hat MS geholfen!

    • Michi am 22.03.2012 23:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Gerettet

      Microsoft hat sich selbst gerettet, da nur so Apple alle Klagen gegen sie fallen lies. Zudem währe das iPhone, iPad und MacBook Air genau auch rausgekommen, dann aber von NeXT statt Apple. Aber ein Apfel auf dem Phone sieht schon viel schöner aus, als ein Schriftzug.

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  • Gernot am 15.03.2012 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weniger ist mehr

    Wie sagte schon Antoine de Saint-Exupérie: "Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann". Apple praktiziert das seit Jahren und der Erfolg gibt ihnen recht. Und darum wird das neue iPad ein Riesenerfolg.