Herkulesaufgabe

24. August 2013 17:17; Akt: 24.08.2013 17:18 Print

Apples Wandel nach dem Tod von Steve Jobs

Tim Cook fiel als Nachfolger des Apple-Gründers Steve Jobs eine übergrosse Aufgabe zu. Der Jobs-Fixierte Apple-Konzern musste neu erfunden werden.

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Tim Cook (links) und sein verstorbener Vorgänger Steve Jobs. (Bild: Keystone)

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Als Tim Cook vor zwei Jahren die Apple-Spitze vom todgeweihten Gründer Steve Jobs übernahm, war das Vertrauen der Investoren noch ungebrochen. Apple kitzelte die Fantasie der Börse mit Milliardengewinnen, Beobachter malten sich ein stetes Feuerwerk von Innovationen aus, die immer weitere Branchen umkrempeln.

Zwei Jahre später muss Cook gegen eine Atmosphäre von Ernüchterung ankämpfen. Seinem Unternehmen wird vorgeworfen, nur Fortentwicklungen bisheriger Geräte herauszubringen, der Aktienkurs ist weit von seinen Rekordständen entfernt - und es ist immer noch kein Apple-Fernseher auf dem Markt.

Cook delegiert

Der US-Fernsehsender Fox News berichtete jüngst unter Berufung auf Verwaltungsratskreise, das Apple-Aufsichtsgremium wolle von Cook mehr Innovationen sehen. In dieser Stimmung wird der 52-Jährige bald das wohl wichtigste Produkt seiner bisherigen Karriere auf den Markt bringen: das neue Betriebssystem iOS 7 für iPhone und iPad mit den grössten Veränderungen seit dem Start des Apple-Handys 2007. Es dürfte das erste Aushängeschild der Ära nach Steve Jobs werden.

Doch im Gegensatz zu seinem Vorgänger und Übervater hat Cook nicht selbst alle Details bis hin zum Farbton der App-Symbole höchst persönlich festgelegt. Der neue Chef delegiere stattdessen, heisst es in Cupertino. Hinter den Kulissen stellte Cook die Weichen für einen neuen Apple-Konzern, in dem ein Team die Rolle des Produktvisionärs Jobs übernehmen soll - ein Experiment am lebenden Organismus, denn schliesslich muss der Konzern täglich gegen starke Rivalen wie Samsung und Google ankämpfen.

Cook setzte auf Chefdesigner Jony Ive als neuen starken Mann, indem er ihm auch die Verantwortung für das Aussehen der Software übertrug. Und mit überraschenden Neueinstellungen wie dem bisherigen Chef des Modelabels Yves Saint Laurent oder einem der Entwickler von Nikes Fitnessarmband FuelBand brachte er frisches Blut ins Apple-Hauptquartier.

Transparenz und Dividenden

Cook ist unverkennbar anders als sein Ziehvater Jobs und hat Apple in den zwei Jahren an der Spitze verändert. Zum einen sorgte die langjährige Nummer zwei für mehr Transparenz. Apple veröffentlichte erstmals eine Liste seiner Zulieferer und trat als erster Elektronikriese einer unabhängigen Organisation bei, die Kontrollen in chinesischen Fabriken durchführt.

Im Gegensatz zu Jobs ging Cook auch auf Investoren zu und teilt mit ihnen über Dividenden und Aktienrückkäufe im Gesamtvolumen von 100 Mrd. Dollar Apples Milliardenschatz . Damit öffnete er aber auch einen Türspalt: Aktionäre wie der berüchtigte Finanzhai Carl Icahn wollen immer noch mehr.

Fehlstart mit eigenem Kartendienst

Gleichzeitig bekam Cook mehrfach das «Mit Steve wäre so was nicht passiert«-Raunen der Apple-Fans zu hören. Vor allem als sich Apple ein blaues Auge mit dem verpatzten Start des eigenen Kartendienstes holte. Nutzer klagten über Fehler und den Mangel an Details.

Cook musste sich entschuldigen und den Einsatz von Konkurrenzdiensten empfehlen - eine demütigende Geste für den Chef eines Konzerns, der seinen Kunden stets Exzellenz verspricht. Die Fans hatten jedoch auch verdrängt, dass auch ein Steve Jobs sich für Fehler in Produkten wie der Antenne des iPhone 4 oder dem Dienst MobileMe entschuldigen musste.

Spekulationen über Innovationen

Trotz aller Skepsis, die Apple derzeit entgegenschlägt, wirkten Cook und seine Spitzenmanager beim jüngsten gemeinsamen Auftritt auf dem Entwicklerkongress WWDC im Juni äusserst entspannt. Nur Marketingchef Phil Schiller liess sich anmerken, wie sehr ihn die öffentliche Kritik trifft.

«Von wegen, die bringen keine Innovationen mehr», murmelte er, als er den seit Jahren erwarteten neuen Profi-Computer Mac Pro vorstellte, einen ungewöhnlich konstruierten glänzenden schwarzen Zylinder. Immer mehr wird über eine Computer-Uhr von Apple spekuliert, auch wenn die Markteinführung noch einige Zeit entfernt scheint.

Cook spielt unterdessen eine betont ruhige Hand. «Alles, was Apple so besonders gemacht hat, ist immer noch da», betont er und wiederholt nahezu gebetsmühlenartig, dass es weiterhin das Ziel sei, die besten Produkte zu bauen. Immerhin bringt Apple dabei nach wie vor Quartal für Quartal Milliarden an Gewinn in die Kasse. Und Cook versicherte in einem ungewöhnlich offenen Interview mit dem US-Magazin «Bloomberg Businessweek»: «Ich liebe es, Apple-Chef zu sein.»

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrick C. am 24.08.2013 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlende Innovation?

    Ich glaube nicht, das Apple weniger Innovativ ist als früher. Man muss auch sehen, dass z.B. zwischen iPhone und iPad mehrere Jahre vergangen sind. Man kann nicht erwarten, dass Apple jedes Jahr eine Branche umkrempelt. Zudem gab es auch mehrere Flops unter Jobs (Ping...)

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  • anti bern am 24.08.2013 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    vielleicht ist er berner

    neu erfunden? wurde es aber nicht. jobs hat einiges vorgelebt, nur scheint es unmöglich für den achfolger dies zu würdigen. vielleicht wollte er bloss geld verdienen?

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  • Fryke am 24.08.2013 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gelassen

    Wie ich dieses "wo bleibt die nächste Revolution" hasse... Selbst wenn man sie alle aufzählt ist tim Cook noch nicht zu spät dran: 1977 Apple II 1984 Macintosh 2001 iPod 2007 iPhone 2010 iPad Da darf schon mal ein Jährchen oder zwei vergehen. Also seht's etwas gelassener, nehmt euch ein Beispiel an Cook.

Die neusten Leser-Kommentare

  • MSCH am 26.08.2013 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Der Apfel von Apple

    Zeichen für Spott und dumme Sprüche. Nun, als Samsung 1938 gegründet wurde, war es ein, na was wohl? Genau, ein Lebensmittelladen. Also bitte, keine dummen Sprüche mehr über "Lebensmittel" aller Art ;-)

  • päddy am 26.08.2013 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Vergleicht doch mal Hersteller mit Hersteller und nicht Betriebsystem mit Hersteller. Also Apple mit Samsung oder HTC, nicht mit Android.....

  • Re A Der am 26.08.2013 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Klare Sicht voraus, Teil 2

    3. Appleprodukte werden nur von Ners, Dummies und anderen (Beleidigung) benutzt. Nun, googelt mal nach Adobe und den dazu passenden Videos aus dem Hause Adobe. Schon interessant, dass dort vornehmlich Applecomputer benutzt werden. Klar sind andere Computer heute genauso geeignet. Diese Liste könnte fast endlos weiter geführt werden. Aber seine wir Ehrlich. Zum Glück haben wir "noch" die Wahl, was wir kaufen und einsetzen. Böse gesagt, nur "Selbstverliebte" brauchen immer das Neuste und Innovativste Gadget aus dem Hause XYZ. Ich wünsche allen eine ruhige und friedliche Woche.

  • Re A Der am 26.08.2013 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Klare Sicht voraus, Teil 1

    Für alle, die Neu in der Welt der multimedialen Technik sind. Hier ein paar Fakten, die jetzt nur Apple betreffen. Diese Fakten widersprechen nicht dem Können und der Grösse anderer Firmen. 1. Apple stellt nicht nur iPhones her. Schaut mal im Produkteportfolio, was dort alles angeboten wird. Über Preise etc. soll hier jetzt nicht diskutiert werden. Es ist hinlänglich bekannt, dass dies viele als beleibten Grund zum "Motzen" nehmen. 2. Apple installiert nicht veraltete HW. Nur wird die Verbaute natürlich nicht Wöchentlich aktualisiert. Beispiel iMac 27", i7 CPU, NVIDIA GeForce GTX 675MX etc.

  • Kiwiki Mmhgt am 26.08.2013 00:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Apple klaut nicht

    Apfel