Apple-CEO Cook

10. Dezember 2012 10:57; Akt: 11.12.2012 10:19 Print

«Android ist wie ein Windows-PC»

von Daniel Schurter - Vom Hilfssheriff in Steve Jobs Schatten zum mächtigen i-Anführer: Tim Cook geht in die Offensive. Und lässt – neben viel PR-Blabla – tief blicken.

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Tim Cook hatte 2011 als Nachfolger von Steve Jobs kein einfaches Erbe anzutreten. Nun hat sich der 52-jährige Apple-Chef erstmals ausführlich über seine Arbeit geäussert, über das Engagement der Apple-Fans, die Konkurrenz und das Erfolgsrezept des Konzerns mit 80'000 Angestellten. «Ich fühle mich nicht berühmt. Wissen Sie, ich führe ein einfaches Leben. Was sich geändert hat, yeah, die Leute erkennen mich. Das erfordert gewisse Anpassungen, nachdem ich während Jahren das Privileg hatte, unerkannt zu bleiben. (...) Ob ich mich als schüchtern beschreiben würde? Nein, würde ich nicht sagen. Aber ich lege keinen Wert auf Bekanntheit.» «Ich liebe Apple zutiefst, und ich habe die beste Zeit meines Lebens. Aber wenn ich die Uhr zurückdrehen könnte, dann wäre Steve (Jobs, Anmerk. d. Red.) immer noch hier. Er war ein lieber Freund - und viel mehr als ein Chef. Aber ich liebe es, CEO von Apple zu sein. (...) Ich stelle mich immer besser darauf ein. Falls Sie Verbesserungs-Vorschläge haben, nur her damit!» «Mehr als jede andere Person, die ich in meinem Leben kennengelernt habe, war er (Steve Jobs) in der Lage, seine Meinung zu ändern. (...) Er konnte sich einer Sache absolut sicher sein - und im Bruchteil einer Sekunde (Cook schnappt mit den Fingern) hatte er eine völlig andere Sicht der Dinge. Zunächst fand ich das komisch. Dann realisierte ich, wie wertvoll diese Gabe war.» «Ich vermisse Steve jeden Tag. (...) Wenn man mit jemandem über eine so lange Zeit zusammenarbeitet, dann ist die persönliche Beziehung wirklich wichtig. Wissen Sie, ich will nicht mit Leuten arbeiten, die ich nicht mag. Das Leben ist zu kurz. Man schliesst Freundschaft. Das Leben hat zu wenig Freunde.» «Android ist (im Vergleich mit Apples iOS, Anmerk. d. Red.) mehr wie das Windows-PC-Modell. Das Betriebssystem kommt von Firma A. Dann nimmt Firma B Anpassungen vor und die Dienstleistungen («Service») kommen vielleicht nochmals von jemand anders. Ich denke, wir wissen, welche Kundenerfahrung («Customer Experience») daraus resultiert.» Er habe sowohl das Microsoft-Tablet Surface wie auch das Galaxy von Samsung ausprobiert, sowie einige andere, sagt Tim Cook. «Was ich festelle, für mich, ist, dass einige davon verwirrend sind, verschiedene Betriebssysteme mit mehreren Benutzeroberflächen. Dies führt weg von der Einfachheit. Wir denken, die Kunden wollen all den Wirrwarr beseitigt haben.» «Viele Leute dachten, Netbooks seien das coolste Ding aller Zeiten. Viele Firmen haben zum Hype beigetragen. Fakt ist: Zunächst boomte der Verkauf, doch was passierte dann? Alles brach ein, weil sie (die Netbooks, Anmerk. d. Red.) schrecklich waren. Es waren schwache Produkte mit einer unbrauchbaren Tastatur. Sie hatten zu wenig Power. Sie waren beschissen.» «Ich erhalte den ganzen Tag E-Mails von Kunden, hunderte, tausende pro Tag. Den Leuten ist Apple so wichtig, dass sie mir dies und das vorschlagen oder auch sagen, was ihnen nicht gefällt. Der Punkt ist: Sie nehmen sich Zeit, etwas zu sagen. Das liebe ich. Ich weiss nicht, ob das bei einer anderen Firma auch der Fall ist. Es sind nicht nur Leute aus den USA, sondern von überall auf der Welt. (...) Wenn ich mit anderen CEOs darüber spreche, dass ich tausende Kunden-Mails pro Tag erhalte, schauen die mich an, als hätte ich drei Köpfe.» «Das Leben ist manchmal kompliziert und unangenehm. Es ist unangenehm. Ich hasse Rechtsstreitigkeiten. Für uns geht es (im Streit mit Samsung) um Werte. In einer perfekten Welt würden alle ihre eigenen Dinge erfinden. Aber nach vielen (Verhandlungs-)Versuchen hatten wir schliesslich keine andere Wahl (als zu klagen, Anmerk. d. Red.)». Der Entscheid, Google Maps rauszuwerfen und auf eine eigene Karten-App zu setzen, sei nicht aus strategischen Überlegungen erfolgt, sagt Cook. «Wir haben uns gefragt, was wäre grossartig für die Nutzer. Wir wollten Turn-by-Turn-Navigation und Spracherkennung einführen (...) Aber die Wahrheit ist, wir haben unsere eigenen Erwartungen nicht erfüllt. Wir haben es verbockt. Nun stecken wir all unsere Energie rein, um es besser zu machen.» «Sehen Sie sich an, was Apple stark macht. Was wir tun - und was niemand anders tut, wie ich meine - ist die Integration von Hardware, Software und Dienstleistungen. Und zwar in einer Weise, dass dies die meisten Nutzer nicht mehr länger unterscheiden. (...) Wir konzentrieren uns auf sehr wenige Produkte. Das ist unser Geheimnis: Kleine Teams können gemeinsam erstaunliche Dinge erreichen.» «Kreativität und Innovation kann man nicht in Flussdiagrammen festhalten. (...) Es ist immer ein Zeichen dafür, dass etwas schief läuft, wenn man einen Vizedirektor für Innovation oder dergleichen hat. Dann hängt man besser ein Zu-verkaufen-Schild an die Tür. (...) In unserem Unternehmen ist jeder dafür verantwortlich, innovativ zu sein. Wir setzen uns auch entsprechend stark unter Druck.» «Kein anderes Unternehmen hätte getan, was wir (2012) getan haben. Nehmen Sie die letzten 60 Tage: Das iPhone 5, neue iPods, die vierte iPad-Generation, das iPad mini und das neue MacBook Pro - der beste Mac, den wir bislang herausgebracht haben. 80 Prozent unserer Einnahmen stammen von Produkten, die vor 60 Tagen noch nicht existierten.» «Die wichtigsten Dinge im Leben, ob privat oder beruflich, werden intuitiv entschieden. Man kann viele Informationen und Daten sammeln und Analysen betreiben, um die Intuition zu füttern. Aber am Schluss geht es immer um einen Entscheid aus dem Bauch heraus. Ich denke, das geht vielen Leuten so.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Tim Cook ist nicht nur der einflussreichste, sondern auch der bestverdienende CEO der Welt. Nun hat der 52-jährige Amerikaner, der als eher zurückhaltend gilt, mit einem Doppel-Auftritt überrascht. Zuerst meldete er sich Ende letzter Woche in einem 11-seitigen Interview im US-Wirtschaftsmagazin «Businessweek» zu Wort. Und wenige Stunden später präsentierte er sich dem Fernsehpublikum zur besten Sendezeit.

Die Botschaft (siehe auch Bildstrecke) richtet sich an die weltweite Fangemeinde und die Wall Street. Nach dem unaufhaltsam scheinenden Aufstieg von Apple zum wertvollsten börsenkotierten Unternehmen gab es in den letzten Monaten beunruhigende Turbulenzen. Die Aktie verlor innert Kürze massiv an Wert. Unsicherheiten bezüglich des wichtigen China-Geschäfts verunsicherten die Anleger. Dabei spielte es offensichtlich keine Rolle, dass Apple erneut vor dem profitabelsten Quartal seiner Geschichte steht.

Wann kommt der iFernseher?

Nebst den Börsenturbulenzen sind denn auch vermehrt Stimmen laut geworden, die den langsamen Niedergang des Apfel-Konzerns prophezeien. Nach dem Tod von Steve Jobs im vergangenen November sei der Zenit überschritten.

Jobs' Nachfolger gibt Gegensteuer. Zum einen kündigte Cook bei seinen öffentlichen Auftritten an, dass Apple im kommenden Jahr einen Teil der Mac-Produktion von China in die USA zurückholt – ein wichtiges Signal, dass bei der US-Industrie und den Konsumenten gut ankommen dürfte.

Zum andern gab er auch den Spekulationen Auftrieb, wonach das Unternehmen an einem eigenen Fernsehgerät arbeitet. Cook sagte, dass der TV-Markt ein Gebiet von grossem Interesse sei für Apple. Und offenbar sehen die Kalifornier, die schon mehrere bestehende Märkte völlig aufgemischt haben, viel Verbesserungspotenzial: Wenn er heute im Wohnzimmer den Fernseher betrachte, sagte Cook, fühle er sich 20 Jahre in die Vergangenheit versetzt. Angesichts solcher Äusserungen dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Apple den iFernseher ins Rennen schickt.

«Mehr Transparenz»

Abgesehen davon lässt uns Cook wissen, dass sich Apple treu bleibe und weiterhin «manisch danach strebe, die besten Produkte der Welt» herauszubringen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger will er die Produktion von iPhones, iPads und Macs nachhaltiger und transparenter gestalten. Dies betrifft in erster Linie die Zusammenarbeit mit den Lieferanten und Partnern – allen voran Foxconn. Apple werde die Arbeitsbedingungen weiter verbessern, verspricht Cook. Auch der Umweltschutz sei ein wichtiges Anliegen. Und: In diesem Bereich würde er es begrüssen, wenn die Konkurrenz Apple kopiere.

Cook macht aber auch klar, dass Apple seine Strategie der «Integration» konsequent weiterverfolgt. Konkret bedeutet dies: Apple konzentriert sich auf sehr wenige Produkte und versucht dabei, möglichst alle Aspekte des Geschäfts zu kontrollieren. Dies beginnt beim Abbau von Mineralien in den Minen und reicht über den Verkauf der Gadgets in eigenen Läden rund um den Globus bis zur Frage, welche Inhalte auf den iGeräten zensiert werden.

Lesen Sie in der Bildstrecke, was der Apple-Chef über die Kunden sagt, was er von der (Android-)Konkurrenz hält und wie er über seinen Vorgänger denkt. Cook nimmt auch nochmals zum Karten-App-Dessaster Stellung. «Wir haben es verbockt», gibt er zu und versichert, dass die Apple-Ingenieure mit Hochdruck an den Verbesserungen arbeiten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • WR am 10.12.2012 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Apple geräte:

    Apple geräte sind super einfach zu bedienen und wenn was nicht läuft kann man sich sogar online hilfe holen oder direckt einen sende bericht an apple senden damit die gleich ein update basteln können um das Problem zu beheben. Ich sebst besitze so einige Geräte mit dem Apfel logo und die Computer laufen seit 3J. Im dauer Einsatz ohne irgendwelche Probleme. Ich finde es einfach super wie die sich ins Zeug legen und uns kleine Geräte mit viel drin basteln. Früher war das Natel noch im Koffer mit ner Kurbel dran. Heute Iphone mit Netzwerk für den ganzen Planeten...

  • flobo am 10.12.2012 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn du ein iPhone hast...

    ... hast du eben nur ein iPhone.

  • R2D2 am 10.12.2012 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Wer nicht teilen kann wird geteilt

    Es ist nur eine Frage der Zeit bis Apple seine bisherige Strategie ändern wird (muss). Wer nicht teilen kann wird irgendwann geteilt. Wer alles selber kontrolieren will wird irgendwann kontrolliert und solte Apple seine Strategie nicht ändern dann wird das Unternehmen schon in naher Zukunft eines von vielen sein das untergehen wird. Apple sollte nicht die gleichen Fehler machen wie Revox, IBM, Compaq, Olivetti etc. die alle Ihre Geräte so "kontroliert" produziert hatten das sie letztendlich daran kaputt gescheitert sind. Der einzige Weg ist sich dem Markt zu öffnen, keine Bevormundung!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Patrick Hartmann am 11.12.2012 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    iTunes

    Leider geht es für mich auch mit der neuen Version von iTunes bergab. Ein ziemliches Ärgernis.

  • Andreas Hüsgen am 10.12.2012 23:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ach was!

    Nicht die Firma lenkt uns! Unser Konsum lenkt die Firma!

  • Bruno S am 10.12.2012 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch viel zu tun

    Ja der cook muss wirklich gas geben, sonst laufen die kunde Uf einmal weg. Cook miss was besonderes bringen und das sehr schnell. Z. B. Projektor im Händi.? Laden ohne Kabel? Händi als zahlungsmittel kompatibel auch mit der ch- post usw - usw. Supper schnelle sprachumsetzung auch in deutsch. Sehr gute antennen (empfangseinheit). Eingabe als variante mit stift?? Kommunikation mit anderen Geräte. Sehr hohe datensicherheit (beibehalten)

  • Stefan Schindler am 10.12.2012 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Dies oder das who cares...

    all diese Geräte sind in einem völlig freien Markt zu kaufen....Wie sich hier Leute ins Zeug legen um ein Produkt schlecht zu reden ist sagenhaft - jeder soll sich doch leisten was er will und Schluss - Punkt!

  • s.p. am 10.12.2012 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ,,liefere statt lafere"

    und trotzdem sind die lieferfristen von apple immernoch eine katastrophe und werdens auch bleiben. nach dem iphone 5 lässt man die kunden nun auch wieder beim neuen imac wochenlang warten und zockt sie mit überteuerten geräten ab... danke,dass es noch kompetentere firmen wie samsung gibt :)