Jobs Stellvertreter

18. Januar 2011 12:08; Akt: 18.01.2011 16:46 Print

Wer ist eigentlich dieser Tim Cook?

Während Steve Jobs gesundheitlich bedingter Auszeit lenkt Tim Cook die Geschicke von Apple. Die Anleger sind skeptisch.

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Chief Operating Officer Tim Cook (links) und CEO Steve Jobs an einer gmeinsamen Veranstaltung 2007.

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Kaum ein anderes Unternehmen ist in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit dermassen stark an eine Person geknüpft wie Apple. CEO Steve Jobs gilt als die treibende Kraft hinter den Erfolgen. Dringen Meldungen zu seinem besorgniserregenden Gesundheitszustand an die Öffentlichkeit, schlägt sich dies direkt im Aktienkurs um. Ein Teil der Anleger bekommt weiche Knie und stösst die Anteile ab.

Apple teilte in einer sehr kurz gehaltenen Pressemitteilung mit, dass sich Steve Jobs für unbestimmte Zeit aus dem Tagesgeschäft zurückziehen muss. Bei dem IT-Konzern ist man sich durchaus bewusst, dass es sich dabei um eine delikate Depesche handelt, die bei den Anlegern zu Panik führen und so denn Aktienkurs zum Zusammenbrechen bringen kann. Deshalb ist es wohl auch nicht als Zufall zu deuten, dass Apple die Pressemitteilung am Montag veröffentlichte – just an dem Tag, an dem in den USA der Martin Luther King Day gefeiert wird und die US-Börse geschlossen bleibt.

An der Börse in Frankfurt wurde die Apple-Aktie aber regulär gehandelt. Zwischenzeitlich sackte der Kurs um sieben Prozent von 262 Euro auf 237,25 Euro ab. Der Kursrutsch hat auch die Stimmung an der asiatischen Börse belastet, berichtet n-tv.de. An der Wall Street startete die Aktie des iPhone-Herstellers am Dienstag mit einem Abschlag von sechs Prozent in den Handel, erholte sich danach aber wieder etwas. Gegen 16 Uhr (MEZ) notierte der Titel des Börsenüberfliegers der vergangenen Jahre um 4,2 Prozent im Minus auf 333,98 Dollar. Am Abend wird Apple in den USA nach Börsenschluss die Quartalszahlen bekannt geben.

59 Millionen US-Dollar Salär

Steve Jobs starker Mann im Hintergrund ist der 50-jährige Tim Cook. Es ist nicht das erste Mal, dass er das Steuer übernehmen muss. Erstmals war er 2004 für zwei Monate eingesprungen. Damals musste sich der Apple-Gründer wegen seiner Bauchspeicheldrüse in Krebsbehandlung begeben. 2009 fiel Jobs infolge einer Lebertransplantation aus und Cook hatte ihn erneut während sechs Monaten auf der Kommandobrücke vertreten. In der Wirtschaftspresse wurde ihm ein guter Job attestiert.

Der ehemalige Compaq-Manager arbeitet seit 1998 für Apple. Er gilt als publikumsscheuer Workaholic, der nicht immer leicht im Umgang mit Menschen ist. Zu seinen ersten Handlungen zählte die Schliessung eigener Produktionswerke. Apple überlässt seither die Produktion mehreren Auftragsfertigern. Dazu zählt auch die umstrittene Firma Foxconn, die in jüngster Vergangenheit wegen einer Selbstmordserie unter den Mitarbeitern in der internationalen Presse für Schlagzeilen sorgte. Es war auch Cook, der dafür sorgte, dass die Lagerbestände von Monaten auf Tage reduziert wurden. Steve Jobs ist offenbar sehr zufrieden mit Cooks Leistung. Der studierte Ökonom und Maschinenbauingenieur kassierte alleine im vergangenen Jahr 59 Millionen US-Dollar Salär.

In der Pressemitteilung wurden keine konkreten Gründe für Jobs Auszeit genannt. Wie die «New York Times» aus gut unterrichteten Kreisen erfahren haben will, ist es die Spenderleber, die seinem Immunsystem zu schaffen macht. Wie lange Cook das Ruder übernehmen muss, ist offen. Jobs schreibt in der Mitteilung: «Ich liebe Apple sehr und hoffe, dass ich so schnell wie möglich zurück sein werde. In der Zwischenzeit würden es meine Familie und ich sehr schätzen, wenn unsere Privatsphäre respektiert würde.»

(mbu)