Fertig lustig

16. Februar 2012 15:57; Akt: 16.02.2012 17:26 Print

Apple geht gegen Schnüffel-Apps vor

Apps für iPhone und iPad konnten über Jahre ohne Vorwarnung auf das Adressbuch der Nutzer zugreifen und es unbemerkt kopieren. Nach Nutzer-Kritik greift Apple jetzt durch.

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Künftig wird der Zugriff von Apps auf Kontaktlisten im iPhone nur mit ausdrücklicher Zustimmung eines Nutzers möglich sein. (Bild: Keystone/AP)

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Bereits vor einem Jahr berichtete 20 Minuten Online über iPhone-Apps, die persönliche Daten ihrer Nutzer ausspionieren. Dass Apps ungefragt Nutzerdaten aus den Adressbüchern abgreifen, wurde von Apple zwar verboten, aber nicht technisch verhindert.

Nach dem neusten Daten-Skandal will Apple endlich durchgreifen. Der Konzern reagiert damit auf Kritik am heimlichen Kopieren von iPhone- Adressbüchern durch mindestens eine populäre App und spricht ein Machtwort.

Künftig wird der Zugriff auf Kontaktlisten nur mit ausdrücklicher Zustimmung eines Nutzers möglich sein. «Apps, die Kontaktdaten von Nutzern ohne deren vorherige Zustimmung sammeln oder übertragen, verletzen unsere Richtlinien», sagte ein Apple-Sprecher dem Online-Dienst «CNET» und dem «Wall Street Journal»-Blog «All Things Digital» am Mittwoch.

Vor allem Social-Apps betroffen

Das Online-Netzwerk Path war vor kurzem dabei erwischt worden, dass seine iPhone-App heimlich gesamte Adressbücher auf Server des Unternehmens hochlud. Path rechtfertigte sich damit, dass auf diese Weise die Suche nach Bekannten eines jeden Nutzers bei dem Netzwerk erleichtert werde. Nach einem Aufschrei in der Fachpresse entschuldigte sich Path und holt dafür jetzt eine Zustimmung ein.

Nach der Enthüllung untersuchten Experten mit Hilfe spezieller Programme die ausgehenden Datenströme bei anderen Diensten. Dabei entdecken sie weitere Apps, die in grossem Stil auf Adressbücher zuzugreifen und sie zum Teil sogar wie Path auf ihre Server zu kopieren scheinen - ohne dass es für den Nutzer ersichtlich ist.

Es sind meist Social-Media-Dienste, die tatsächlich solche Daten brauchen, damit man seine Bekannten bei ihnen finden kann. Allerdings wüssten auch die Nutzer gerne, wenn ihre gesamten Kontaktlisten irgendwo im Netz lagern, wenn auch verschlüsselt und sicher, wie die Anbieter versichern.

Laute Kritik an Apple

Entsprechend wurde Kritik auch an Apple immer lauter, weil der Konzern den App-Entwicklern keine technischen Schranken gesetzt habe. Schliesslich sind viele Menschen betroffen: Path hatte Ende vergangenen Jahres rund 300 000 Nutzer - und das iOS-Betriebssystem, mit dem die iPhones und iPads sowie der iPod touch laufen, mehr als 200 Millionen.

In einer künftigen Version der Software werde - wie bereits bei Geoinformationen üblich - der Zugriff von Apps auf Kontaktlisten grundsätzlich nur mit Zustimmung des Nutzers möglich sein, sagte der Apple-Sprecher «CNET». Wenige Stunden davor hatten auch US-Kongressabgeordnete von dem Unternehmen offiziell Aufklärung gefordert.

Im vergangenen Jahr stand Apple bereits in die Kritik als bekannt wurde, dass iPhones und iPads dauerhaft alle Aufenthaltsorte ihrer Nutzer speicherten (20 Minuten Online berichtete). Dem Konzern zufolge sind die Informationen notwendig, damit Ortungsdienste reibungslos funktionieren; sie seien aber durch einen Softwarefehler länger als geplant gespeichert worden. Inzwischen werden die Daten nach einer Woche gelöscht und verschlüsselt gelagert.

(sda/owi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simon M. am 17.02.2012 00:45 Report Diesen Beitrag melden

    Closed System?

    Wieso ist ein geschlossenes System nochmal besser als ein offenes? Und wieso ist es so toll wenn Apple jede App kontrolliert und zensiert aber solche Sachen trotzdem reinlässt dem User aber nichts sagt und ihm falsche Sicherheit vorgaukelt? Und wie war das noch mit der Sicherheitslücke im App Store und dem Entdecker dem sie daraufhin zum Dank die Entwicklerlizenz enzogen haben? Bei Android ist es wenigstens bekannt das man aufpassen muss und es wird auch nicht verschwiegen sondert hilft dem User dank den Permissions sogar. Zudem gibts hunderte Apps welche sich um solche Sachen kümmern.

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  • Android-Boy am 16.02.2012 18:26 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gut !

    Ich bin ja sonst kein Apple-Fan aber das finde ich mal eine gute Aktion !

  • Alfons am 16.02.2012 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Apple rulez!

    Kritik hier, Kritik da. Alles nur gegen Apple. Wie sieht's eigentlich mit Android aus? Viren und Co. verseucht und keinen juckts.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anthares am 19.02.2012 20:26 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig

    Der Schnüffler geht gegen Schnüffler vor....Interessant ^^ Apple beteribt das Datensammeln in einer schon fast zwanghaften Form. Die werden nur gegen externe Schnüffler vorgehen. Die eigenen Spionagetools wird Apple nun besser tarnen.

  • OrhanAnkara am 17.02.2012 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe nicht ganz ..

    Was meint man da genau; verstehe nicht was und wie da etwas kopiert wird. Kann mir jmd. das bitte erklären

  • Nick Cound am 17.02.2012 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    Nun...

    ...wo ziemlich alle möglichen Nutzerdaten von solchen Apps bereits heruntergeladen wurden, kann man natürlich langsam dagegen vorgehen. Der Schaden jedoch ist längst angerichtet.

  • Simon M. am 17.02.2012 00:45 Report Diesen Beitrag melden

    Closed System?

    Wieso ist ein geschlossenes System nochmal besser als ein offenes? Und wieso ist es so toll wenn Apple jede App kontrolliert und zensiert aber solche Sachen trotzdem reinlässt dem User aber nichts sagt und ihm falsche Sicherheit vorgaukelt? Und wie war das noch mit der Sicherheitslücke im App Store und dem Entdecker dem sie daraufhin zum Dank die Entwicklerlizenz enzogen haben? Bei Android ist es wenigstens bekannt das man aufpassen muss und es wird auch nicht verschwiegen sondert hilft dem User dank den Permissions sogar. Zudem gibts hunderte Apps welche sich um solche Sachen kümmern.

    • Jan am 18.02.2012 09:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Closed vs open

      @Simon Die Sache ist nicht so einfach. Closed system kann für ein mobiles Gerät ein Vorteil sein, z.B. Apple. Bei Apple bedeutet closed, dass HW, Systemsoftware (iOS) und einige Apps von Apple kommen. Andererseits werden die meisten Apps von registrierten Apps-Entwicklern (ausserhalb Apple) gegen Bezahlung entwickelt und nach einer strengen Kontrolle im Apples Appstore landen. Damit nicht jede App viele redundante Funktionalität entwickeln muss, gibt es public API für manche Apps, z.B. Kontakte. Auf diesem Weg konnte bis jetzt auch Missbrauch getrieben werden, meist von den Social Apps.

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  • Massimo am 16.02.2012 22:17 Report Diesen Beitrag melden

    Apple wusste ja schon lange bescheid.

    Und Apple behauptet nichts davon gewusst zu haben? Dabei hat Apple selber schon vor Jahren gesagt, dass es nicht erlaubt sei Daten herunterzuladen aber nichts dagegen unternommen. Und Papier ist geduldig, Apple wird sich diese Adressen sicher auch schon alle heruntergeladen haben, rein zur Informationszwecken...