Mac Pro im Test

04. März 2014 11:25; Akt: 04.03.2014 12:42 Print

Ein Ferrari auf dem Schreibtisch

von T. Bolzern - Der Mac Pro ist ein kompakter Kraftprotz. Doch kann man den Rechner an seine Grenzen bringen? Ein Schweizer Filmemacher hat den Power-Rechner zum Glühen gebracht.

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Weinkühler, Reiskocher oder der Abfalleimer von Darth Vader: Apples neuer Power-Rechner hat nach der Veröffentlichung viele Übernamen bekommen. Das Design ist Geschmackssache. Bei den technischen Daten kann der Mac Pro aber trotz geringer Grösse (21,5 cm Höhe, 16,7 cm Durchmesser) richtig klotzen. In unserem Testgerät steckt ein Intel Xeon E5-Chip mit 3,0 GHz und acht Prozessorkernen, 32 GB Arbeitsspeicher und zwei AMD-Fire-Pro-D700-Grafikkarten mit je 6 GB VRAM. Zusammengefasst: Ein schnelles Ding. Doch bringt man den Zylinder-Mac zum Glühen? Er hat es versucht: Der 31-jährige Filmemacher Sergio Herencias arbeitet in Au ZH für die Firma Guave Motions. Aktuell nutzt er einen älteren Mac Pro mit 6-Kern-Prozessor (3,3 GHz) und 32 GB RAM. Der Filmemacher arbeitet gerne mit seiner Red Epic-X Kamera, die 5K-RAW-Videomaterial mit einer Auflösung von 5120 x 2560 Pixeln liefert. Ein grosser Datenstrom für die Realtime-Videobearbeitung. «Mit meinem jetzigen Mac komme ich dabei oft an Grenzen, muss rendern oder die Qualität herunterschrauben», sagt er. Als er erstmals das 5K-Videomaterial von der Red-Kamera ins Schnittprogramm Final Cut X (optimiert für den neuen Mac Pro) lädt, gerät der Profi ins Staunen: «Das Playback funktioniert einwandfrei und ohne zu ruckeln», sagt Herencias. Auch ein Render-Test geht zügig: Der neue Mac Pro braucht für die gleiche Aufgabe nur halb so viel Zeit wie Herencias alter Rechner. Sein Fazit: «Der Mac Pro ist ein Ferrari auf dem Schreibtisch». Dabei bleibt er leise: Selbst bei voller Auslastung über mehrere Minuten bleibt der Zylinder-Mac flüsterleise.

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Fehler gesehen?

Im Vorfeld hat der Mac Pro von Apple bereits viele Übernamen erhalten: Wegen seines Äusseren wurde die leistungsstarke Maschine – wenig schmeichelhaft – als Flaschenkühler, Reiskocher oder gar als Abfallkübel von «Star Wars»-Bösewicht Darth Vader bezeichnet.

Unter der Haube schlummert aber viel Technik. Das Testmodell, das uns Apple zur Verfügung gestellt hat, verfügt über einen 3,0-GHz-Intel-Xeon-E5-Chip mit acht Prozessorkernen, 32 GB Arbeitsspeicher, 512 GB Solidstate-Speicher und zwei AMD-Fire-Pro-D700-Grafikkarten mit je 6 GB VRAM. Viel Power für den kleinen Zylinder-Mac mit 16,7  Zentimeter Durchmesser und 21,5 Zentimeter Höhe. Die üppige Ausstattung schlägt aufs Gewicht: Mit rund fünf Kilogramm ist der Computer für seine Grösse ausserordentlich schwer.

Das erste Urteil des Profis

Doch wie testet man eine solche Power-Maschine am besten? Einer der es wissen muss, ist der 31-jährige Filmemacher und Motion Designer Sergio Herencias. Vor sechs Jahren hat er die Firma Guave Motion in Au ZH mitgegründet. Sein Unternehmen ist spezialisiert auf Motion Design, 3-D-Animation, Visual Effects und 5K-Filmaufnahmen.

Zusammen mit seinen Arbeitskollegen produziert er Werbeclips, Kurzfilme und Musikvideos. Sein erster Eindruck vom Mac Pro ist positiv: «Was das Aussehen angeht, hat Apple seine Arbeit korrekt gemacht: Der Mac Pro ist ein Designerstück», sagt Herencias. So etwas würde er sich gerne auf den Schreibtisch stellen, so der 31-Jährige.

Filmmaterial wie «Spider Man»

In der Ecke von Herencias Studio steht sein ganzer Stolz: Eine Red Epic-X. Die Kamera gehört zum Industriestandard und das gleiche Modell wurde verwendet, um Hollywood-Blockbuster wie «Spider Man» oder «Der Hobbit» abzudrehen. Der Grund: Die Kamera liefert 5K-RAW-Videomaterial mit einer Auflösung von 5120 x 2560 Pixel. Ein grosser Datenstrom für die Realtime-Videobearbeitung. «Mit meinem jetzigen Mac komme ich dabei oft an die Grenzen und muss die Auflösung herunterschrauben oder zwischendurch ganze Sequenzen rendern – das raubt Zeit», sagt Herencias.

Viel warme Luft – und sonst?

Als er das 5K-Videomaterial von der Red-Kamera in das Schnittprogramm Final Cut X (optimiert für den neuen Mac Pro) lädt, gerät der Profi ins Staunen: «Das Playback funktioniert einwandfrei und ohne zu ruckeln», resümiert er. Erst als Herencias während der Wiedergabe mehrere Effekte über den Clip legt und gleichzeitig noch Farbkorrekturen vornimmt, überspringt das Playback einige Frames. Ein Blick in die Aktivitätsanzeige zeigt: Alle Prozessorkerne und auch die Grafikkarten sind optimal und gleichmässig ausgelastet.

Selbst bei voller Auslastung während mehrerer Minuten bleibt der Mac Pro flüsterleise. Deutlich zu spüren ist allerdings die warme Abluft, die durch den mittleren Teil des Computers gezogen wird, dabei die Technik kühlt und oben wieder ausgestossen wird.

Für Profis mit Anschluss

Der Mac Pro ist für professionelle Anwender gedacht. Er unterstützt bis zu drei 4K-Displays oder bis zu sechs Thunderbolt-Screens. Verzichten müssen die Anwender hingegen auf ein optisches Laufwerk. Mit den zahlreichen Ports (Thunderbolt, USB 3.0) dürfte es aber kein Problem sein, bei Bedarf entsprechende Peripherie anzuschliessen.

Ein zweiter Test führt Herencias mit den Programmen Adobe After Effects durch. Er rendert einen rund 40 Sekunden langen Clip, der mit rechenintensiven Partikelfiltern belegt ist. Der Mac Pro braucht dafür rund vier Minuten. Anzufügen ist, dass die von Herencias verwendete Adobe-Software noch nicht auf den Mac Pro optimiert wurde. Trotzdem: Sein älterer Mac (3,33 GHz Intel Xeon, 32 GB RAM) braucht für den gleichen Task mehr als doppelt so lange.

Ein Mac mit vielen PS

Sein Fazit: «Der Mac Pro ist ein Ferrari auf dem Schreibtisch – und für professionelle Anwender gedacht», sagt Herencias. Ein solcher Bolide mache nur dann Sinn, wenn man ihn auch ausreizen kann. Mit einem Ferrari wolle man ja schliesslich auch nicht die ganze Zeit in der 30er-Zone herumschleichen, resümiert er.

Das von 20 Minuten getestete Mac-Pro-Modell kostet in der vorhandenen Konfiguration rund 7600 Franken. Der Preis für das Modell mit 3,7 GHz Quadcore-Prozessor, 12 GB RAM, 256 GB SSD-Festplatte und zwei AMD Firepro D300 Grafikkarten startet bei 3399 Franken. Bei der Bestellung muss man allerdings etwas Geduld mitbringen: Laut Apple ist der Mac Pro erst ab April versandfertig.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marc Sinnvo am 04.03.2014 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Hallo Nörgeler

    ihr müsst ihn ja nicht kaufen, genau so wenig wie ihr einen Bugatti mit 1001 PS kaufen müsst. So ne sinnlose diskussion wieder, ist hier der "Besten der Besten Besserwisser Stammtisch"?

  • Sushi am 04.03.2014 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    Mac Pro

    Also ich persönlich könnte mit einem Mac Pro nichts anfangen. Weder vom OS her noch von der Hardware her. Daher: Nicht für mich geeignet. Mit Windows und einigen netten R.O.G. Komponente hingegen schon. Jeder Mensch hat ja andere Bedürfnisse. Finde es jedoch krank wenn jemand einen Mac Pro kauft, nur wegen dem Apple Logo und schlussendlich nur auf Facebook und Youtube herum gammelt. Ja liebe Leute, solche gibts auch....

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  • SusanneH am 04.03.2014 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Unser Name dafür

    Blumenvase!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • hans gwüsst am 05.03.2014 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    achja?

    Nur mal um fest zu halten: Sie vergleichen hier einen nagelneuen Mac Pro mit wahrscheinlich dem zweit neusten, oder? Ist der zweit neueste nicht um die 3-4 Jahre alt? Und Sie sind jetzt begeistert dass der neue rund doppelt so schnell ist? Wow, was für eine Entwicklung! (Achtung, Ironie!) Vergleichen Sie die Tasks mit einem High End PC und der Mac Pro wird locker in die Knie gezwungen, auch beim Preis :)

  • Rudolf Häni am 05.03.2014 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    4000 Fr. sind zu viel

    Ich habe kürzlich an meinem Institut einen Rechner bestellt mit 2 Xeon E5 desselben typs mit 288 GB RAM und einem 9 TB Raid. Der kostete um die 8000 Fr. Das ist mehr als doppelt so viel computer... Aber der Apfel rechtfertigt halt alles!

  • Mathias Häcki am 05.03.2014 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    8 Core besser als 12-er für Videoschnitt

    Nettes Design, leistungstechnisch nix neues aber schlechter Upgradebar und wesentlich teurer als Alternativen. Der 12 Core ist übrigens für Videoschnitt schlechter als der 8 Core ;) Der 12 Core macht nur bei AE Sinn. Anbei ein Link zu einem "echten" Test

    • Mathias Häcki am 05.03.2014 08:21 Report Diesen Beitrag melden

      link

      Da der Link scheinbar gelöscht wurde.. Schaut bei Slashcam_de nach ;)

    • Dani M. am 05.03.2014 08:34 Report Diesen Beitrag melden

      tja der Link

      denkst Du wirklich Apple Käufer informieren sich und wollen objektive Infos? Dass die Grafikkarte hier am meisten ausmacht und man durch ein Upgrade den Rechner günstig länger auf hohem Niveau halten könnte interessiert doch keinen bei Apple. Was solls gönn den Uninformierten doch den Spass.

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  • Hans am 05.03.2014 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für uns lohnt es sich!

    Seit anfangs Februar werkelt bei uns in der Videobearbeitung der neue Mac Pro 2,7 GHz 12-Core mit 30 MB L3-Cache und 64 GB Arbeitsspeicher. Er ist mit einer 1 TB Flash-Speicher auf PCIe Basis bestückt und ist mit zwei AMD FirePro Grafikkarten auf mit jeweils 6 GB GDDR5 VRAM ausgerüstet. Für die schnellen und sichere Datenverwaltung verwenden wir zwei externe Thunderbolt RAID Systeme (12 TB und 8 TB). Mein Fazit: Er ist nicht billig aber für uns lohnt sich diese Investition. Wir haben bei Videoproduktionen eine grosse Zeitersparnis.

  • grasi pascalito am 05.03.2014 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ferrari? wenn schon opel

    ferrari? Dieser Mac pro?Ich glaube ihr habt noch nie einen richtig guten gamer pc gesehen!!!