Privatsphäre

09. Juli 2010 14:54; Akt: 09.07.2010 16:59 Print

Thür kritisiert Apple

Die neue umstrittene Datenschutzrichtlinie von Apple ruft nicht nur in Deutschland den Staat auf den Plan.

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Hanspeter Thür: Kunden sollen aufpassen.

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Auch hierzulande kritisiert der Eidg. Datenschützer Hanspeter Thür die Sammelwut des Computer- und iPhone-Herstellers. «Diese mehrseitige Datenschutzrichtlinie sagt auf den Punkt gebracht ganz klar, dass der Nutzer im Rahmen der Benützung von Apple-Produkten Daten hinterlässt und diese Daten von Apple ausgewertet, weitergegeben, benutzt werden können wie Apple das will», sagte Thür am Freitag in einem Beitrag von Schweizer Radio DRS.

Mehrere Bürger hätten sich in den vergangenen Wochen beim Eidg. Datenschützer gemeldet, die befürchten, dass mit den geänderten Datenschutzrichtlinien der Persönlichkeitsschutz nicht mehr gewährleistet sei, schreibt Thür in einer Stellungnahme. Die Änderungen betrafen unter anderem die Speicherung standortbezogener Daten sowie die Zusendung interessenbezogener Werbung.

Thür: Apple geht sehr weit

Apple sammelt bei weitem nicht nur Name, Adresse und Telefonnummer. Auch E-Mail und Kreditkartennummern müssen die Kunden beim Kauf von Produkten preisgeben. Zudem erhebt Apple Daten wie Beruf, Sprache, Postleitzahl, individuelle Geräte- Identifizierungsmerkmale sowie Ort und Zeitzone, wo Apple Produkte verwendet werden. Auch die Kundenaktivitäten auf der Webseite, dem MobileMe-Dienst, im iTunes Store und von anderen Produkten und Diensten werden gemessen. «Diese Daten werden miteinander verknüpft», schreibt der Konzern, und könnten an Dritte weitergegeben werden.

Der Eidg. Datenschützer ist der Auffassung, dass sich Apple damit sehr weitgehende Freiheiten für die Bearbeitung, Auswertung und Weitergabe der Daten an Dritte einräume. Dennoch sind ihm die Hände gebunden. Denn: «Wir haben Vertragsfreiheit in der Schweiz. Jeder, der ein solches Produkt kauft, gibt seine Einwilligung in diese Bestimmungen, die ganz klar formuliert sind», sagte Thür am Radio. Es sei «niemand gezwungen, ein entsprechendes Produkt zu kaufen oder eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen», schreibt der Datenschützer in der Stellungnahme. Thür kann nur an die Selbstverantwortung der Leute appellieren: Er hoffe, dass mit zunehmender Sensibilisierung der Kunden der Markt zu Gunsten von datenschutzfreundlichen Produkten spielen werde.

Kritik des Konsumentenschutzes

Auch die Stiftung von Konsumentenschutz (SKS) kritisiert die neuen Datenschutzrichtlinien von Apple: Im Gegensatz zur EU sei es in der Schweiz leider gestattet, dass ein Vertragspartner sich alle Rechte herausnehme und den anderen ganz stark benachteilige, sagte SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder zu Radio DRS. Hier fordere der SKS schon lange Änderungen. In Deutschland fordert Justizministerin Sabine Leutheusser- Schnarrenberger unlängst, dass Apple offenlege, welche Daten erfasst, wie lange sie gespeichert und wofür sie verwendet würden. Es wäre undenkbar, wenn Apple tatsächlich Persönlichkeits- oder gar Bewegungsprofile seiner Nutzer erstellte, sagte sie dem Magazin «Spiegel».

(sda)