Jobs' letzte Geheimnisse

27. Oktober 2011 23:18; Akt: 28.10.2011 12:31 Print

Vom «Stinktier» zum WeltverbessererVom «Stinktier» zum Weltverbesserer

von Daniel Schurter - Wegen mangelnder Körperhygiene wurde Steve Jobs einst in die Nachtschicht versetzt: Anekdoten aus dem bewegten Leben des kürzlich verstorbenen Apple-Gründers.

Bildstrecke im Grossformat »
Das Steve-Jobs-Buch bietet unerwartet tiefe Einblicke in das bewegte Leben und Schaffen des am 5. Oktober verstorbenen Apple-Gründers. Der renommierte US-Autor Walter Isaacson berichtet detailversessen und schonungslos - wie es sich Jobs gewünscht hatte. 20 Minuten Online präsentiert einige skurrile Ereignisse und lustige Episoden ... Den ersten Computer-Terminal sah Jobs als Bub bei einem Besuch bei der Nasa. Sein Vater nahm ihn in ein Forschungszentrum der US-Weltraumbehörde mit, das ganz in der Nähe ihres Wohnortes in Kalifornien lag. Er habe sich richtiggehend in diesen Computer verliebt, erinnerte sich Jobs später. In seinen Jugendjahren konsumierte Jobs exzessiv Drogen. Er selbst beschreibt diese Experimentierphase als «eine der tiefgreifendsten Erfahrungen», die er je gemacht habe. Im Alter von 15 Jahren rauchte er Marihuana, später folgten LSD und andere Substanzen, um das Bewusstsein zu erweitern. Seine Eltern bezahlten Steve auf sein Drängen hin ein teures College. Doch der junge Mann brach die Schule ab und fand beim Computerhersteller Atari einen 5-Dollar-pro-Stunde-Job. Weil sich die anderen Arbeiter über Jobs' mangelnde Körperhygiene beklagten, wurde er schliesslich in die Nachtschicht versetzt. Als junger Bursche machte Jobs einen siebenmonatigen spirituellen Trip nach Indien, wo er sich eine Glatze rasieren liess. Sein Aussehen änderte so radikal, dass ihn seine Eltern bei der Heimkehr am Flughafen nicht erkannten. Später bekannte er sich zum ZEN-Buddhismus. Das Bild zeigt ihn Jahrzehnte später als Apple-CEO. Nachdem Apple vom Garagen-Startup zu einer richtigen Firma heranwuchs, war es an der Zeit, jedem Angestellten einen Firmenausweis auszustellen. Mitgründer Steve Wozniak (Bild, 2011) erhielt vom ersten Apple-Präsidenten den Ausweis Nr. 1, Jobs die Nr. 2, was ihn sehr erzürnte. Schliesslich fand man einen Kompromiss und Jobs wurde ein Apple-Badge mit der Nummer 0 ausgestellt. Lange bevor der Apple II veröffentlicht wurde, baute Wozniak die «Blue Box». Mit dem Gerät konnte man heimlich Gratis-Ferngespräche führen. Die beiden Witzbolde Wozniak und Jobs nutzten die Blue Box, um den Vatikan anzurufen. Wozniak gab sich als US-Politiker aus und verlangte, den Papst zu sprechen - was nicht gelang. Die Apple-Gründer prüften auch Firmennamen wie Matrix, Executek oder Personal Computers Inc. Der Firmenname Apple wurde schliesslich von Jobs vorgeschlagen. Er machte gerade eine Fruchtdiät und half auf einer Apfel-Farm aus. «Apple klang lustig, spirituell und nicht einschüchternd.» Ausserdem würde man so im Telefonbuch vor Atari (einem damaligen Konkurrenten) stehen. Vom Apple-Logo gab es zwei Entwürfe: Jobs entschied sich für die Variante mit dem herausgebissenen Stück, weil der ganze Apfel einer Kirsche zu ähnlich gesehen hätte. In Apples frühen Jahren wählte Jobs persönlich die neuen Angestellten aus. Er suchte begabte und gleichzeitig rebellische Leute. Beim Bewerbungsgespräch stellte Jobs Fragen wie «Sind Sie noch Jungfrau?» oder «Wie viel mal haben Sie schon LSD genommen?». Das Bild stammt aus dem Jahr 2002, als sich der Apple-Gründer längst nicht mehr um Bewerbungen kümmern musste. Der Singer-Songwriter Bob Dylan und die Folksängerin Joan Baez waren wichtige Personen im Leben des Apple-Gründers. Mit Baez hatte Jobs im Alter von 27 Jahren eine Liebesbeziehung, sie war damals 41. Dylan galt Jobs als Vorbild, er verehrte das künstlerische Schaffen des Musikers, das sich mehrmals wandelte. 1984 wurde Jobs bei San Francisco von der Polizei angehalten, weil er viel zu schnell fuhr. Der Beamte warnte ihn, dass er beim nächsten Tempoexzess ins Gefängnis müsse. Doch der übelgelaunte und ungeduldigte Jobs wollte nicht hören und forderte den Polizisten auf, er solle ihm nur schnell die Busse ausstellen. Als der Cop ausser Sichtweite war, trat Jobs erneut heftig aufs Gaspedal. Digitale Animationsfilme waren ursprünglich nur Mittel zum Zweck, als Jobs die Firma Pixar für 5 Millionen Dollar von George Lucas kaufte. Die am Computer hergestellten Kurzfilme sollten vor allem Werbung für die verwendete Hard- und Software machen. Später wurde aus Kinofilmen wie «Finding Nemo» ein Bombengeschäft. Steve Jobs erhielt als erste aussenstehende Person eine Kopie des noch unveröffentlichten U2-Albums «How to Dismantle an Atomic Bomb». Leadsänger Bono wollte unbedingt in einem iPod-Werbespot auftreten, zudem sollte Apple einen schwarzen MP3-Player herausbringen. Jobs lehnte zunächst ab, weil diese Farbe nicht funktioniere. Kurze Zeit später lenkte der Apple-Chef doch noch ein. Links im Bild ist Jobs Frau Powell Jones zu sehen, die er 1991 heiratete. Im Garten ihres Hauses in Palo Alto pflanzte sie Sonnenblumen - die dem Chef-Designer Jonathan Ive als Inspiration für den iMac (mit rundem Fuss und Ständer) dienten. Bevor Apple 2007 das erste iPhone auf den Markt brachte, arbeiteten zwei voneinander unabhängige Entwicklerteams an verschiedenen Prototypen. Das P1-iPhone sah wie ein klassischer iPod aus und wirkte ziemlich schwerfällig. P2 verfügte über einen Touchscreen, einige Entwürfe hatten aber auch eine Tastatur. Jobs Beziehung zum gleichaltrigen Microsoft-Gründer Bill Gates war lange Zeit von Misstrauen und Faszination geprägt. Die beiden rivalisierenden Titaten seien von Geburt an unfähig gewesen, sich gegenseitig Respekt zu zollen, schreibt Isaacson. Erst spät, wenige Monate vor Jobs' Tod, fanden sie den Draht zueinander. Das hielt Jobs nicht davon ab, im Schlusskapitel noch einmal richtig über Microsoft und Gates herzuziehen. Vielleicht wäre das iPad nie geboren worden, wenn nicht ein Microsoft-Angestellter das Maul zu weit aufgerissen hätte. Bei einem privaten Fest sprach der Mann zum wiederholten Male über ein Tablet, mit dem Microsoft die Welt verändern werde. Jobs ärgerte sich masslos und beschloss, ein besseres Produkt - ohne Schreibstift - entwickeln zu lassen. «Fuck it, let's show him what a tablet can really be.» Von Barack Obama hielt Jobs nicht viel. Der US-Präsident könne sich nicht durchsetzen, weil er davor zurückschrecke, Leute zu beleidigen oder ihnen auf den Schlips zu treten. Als Jobs' Frau ein Treffen mit Obama einfädelte, wollte der Apple-Chef zunächst nicht. Erst nach längerem Zureden lenkte er ein. Dann versuchte er, Obama zu belehren, was in der US-Wirtschaft schief laufe. 2009 musste Jobs wegen der Lebertransplantation eine längere Auszeit nehmen. Im Spital verweigerte er zunächst die medizinische Maske, die er tragen sollte: Ihm gefiel das Design der Maske nicht. Kaum fähig zu sprechen, verlangte er von den Ärzten, sie sollten ihm fünf verschiedene Masken-Typen zeigen, um dann die passendste auswählen zu können.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Brutal ehrlich war er. Steve Jobs sagte den Leuten ins Gesicht, was er von ihnen und ihrer Leistung hielt. Das machte ihn charismatisch und inspirierend - aber auch zu einem richtigen Arschloch, wie Jobs' Biograf Walter Isaacson schreibt.

Seit kurzem ist das monumentale Werk über den Apple-Gründer auch auf Deutsch erhältlich. 42 Kapitel umfasst das Buch mit dem simplen Titel «Steve Jobs» - und es enthält einigen Zündstoff. Der 1955 geborene Jobs erzählte dem wenige Jahre älteren Isaacson mit entwaffender Offenheit aus seinem Leben - und der renommierte Autor hielt sich beim Schreiben nicht zurück. Schonungslos und gleichzeitig liebevoll porträtiert er den Mann, der bei all seinem Schaffen nach Perfektion strebte. Das Buch erzählt auch viele unbekannte und skurrile Anekdoten (siehe Bildstrecke).

Jobs habe ihm freie Hand gelassen und ihn vielmehr ermuntert, ohne Rücksicht auf bekannte Namen zu berichten, schreibt Isaacson. Jobs habe ihm gesagt, er werde das Buch erst später lesen. Ob er das vor seinem Tod am 5. Oktober geschafft hat, ist offen.

«One More Thing»

In der Regel hätten Biografen das letzte Wort, schreibt Isaacson im letzten Kapitel. Aber das sei die Biografie von Steve Jobs. Und so gibt der Autor die persönlichen Gedanken des Mannes wieder, den er in mehr als 40 langen Gesprächen befragte. Es ist das Vermächtnis eines Mannes, der sich als wahrer Unternehmer verstand und die Geschicke seiner Firma weit über seinen Tod hinaus zu beeinflussen versuchte. Dies tat Jobs, indem er die richtigen Leute auswählte und ihnen seinen Perfektionsdrang und die Liebe zum Detail einimpfte. Zudem ist davon auszugehen, dass er strategisch weitreichende Entscheidungen traf.

Tatsächlich kann es Jobs aber auch in seinen «letzten Worten» nicht lassen, einem seiner grössten Widersacher, Bill Gates, und dessen Microsoft-Imperium ans Bein zu pinkeln. Gates sei ein gewiefter Geschäftsmann gewesen, aber kein Innovator, der grossartige Produkte entwickeln wollte. Und auch CEO Steve Ballmer werde Microsoft nicht weiter bringen, orakelt Jobs.

«Stärkeres Erbe»

Der Apple-Übervater verehrte zeitlebens die beiden Gründer von Hewlett-Packard. Diese Männer hätten ein grossartiges Unternehmen aufgebaut «und sie dachten, sie hätten es in gute Hände gegeben». Doch nun werde die Firma zerschlagen und zerstört. «Ich hoffe, ich habe ein stärkeres Erbe hinterlassen, sodass das bei Apple nie passieren wird.»

Die Biografie «Steve Jobs» ist seit Donnerstag (als eBook) auch auf Deutsch erhältlich. Die deutsche Fassung kostet in Apples iBooks-Store 25 Franken. Merkwürdigerweise schlägt die italienische Version lediglich mit 15 Franken zu Buche.


Welche Episoden aus der Steve-Jobs- Biografie finden Sie speziell erwähnenswert?

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

  • Dbt123 am 31.10.2011 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Apple, Kult oder nicht?

    Klar, andere Geräte sind auch sehr gut, wenn nicht sogar besser. Das Problem ist nur, dass Apple einfach Kult ist. Man muss sehr sehr lange suchen bis man jemanden findet, der den Namen iPhone, iPod oder iPad nicht kennt. Für Steve Jobs spricht auch seine Liebe zum Detail. Kaum ein Smartphone kommt an die Eleganz und Schönheit eines iPhones heran. Der Vorteil an IOS ist auch, dass es sehr einfach zu bedienen ist, was auch Steve zu verdanken ist. Aber wer Apple nicht gut findet muss es ja auch nicht kaufen.

    • Dani am 04.11.2011 11:24 Report Diesen Beitrag melden

      es gibt sie also doch noch

      normale Applekunden. Was mich jedoch an dem Applekult stört ist, dass es für die Entwicklung ein Rückschritt war. Kurzzeitig hatten Handys kaum noch Buttons. Und über einen Stift für das Handy lästert man auch nur wenn man noch nie einen verwendet hat. Hoffentlich kommen die Entwickler nun wieder zu Vernunft und produzieren wieder Handys die in allen Lagen zweckmässig sind - nicht nur um daran rumzuspielen.

    • Marc am 19.11.2011 08:22 Report Diesen Beitrag melden

      Stift?!?

      Wer braucht bitte einen Stift am Handy? Mein Nokia N900 hatte einen wirklich erbärmlichen Touchscreen, trotzdem habe ich ihn nie mit dem Stift bedient, obwohl dieser Mitgeliefert wurde, taugt einfach nichts. Selbst auf Stift-bedienung ausgelegte Pocket PCs konnte man besser mit dem Finger als mit de Stift bedienen.

    einklappen einklappen
  • R.b am 30.10.2011 02:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welt verändert? Ja bestimmt!

    Ich bin mir nicht sicher, dass dies digitalisierung eine verbesserung sein soll.. Wenn ich daran denke, was mit der jugend so abgeht...games, handy, tv, 3d und schlussendlich wird nicht mehr komuniziert. Ich denke die welt ist nicht bereit dafür!

    • Adrian am 31.10.2011 14:07 Report Diesen Beitrag melden

      Entwicklungen

      Das ist der Lauf der Zeit.... Früher ritt man auf Kutschen über Pässe - heute fährt man mit Autos durch Tunnel. Ist das eine Verbesserung wenn man an die ganzen Verkehrstoten, Tunnelbautoten, Umweltverschmutzung, etc. denkt? Wohl kaum, doch es macht unser Leben einfacher, lebenswerter und wir haben mehr Zeit für anderes. So ist es auch mit der digitalen Revolution. Wie alles Entwicklungen hat auch diese ihre Vor- und Nachteile, es sollte jeder seinen Vorteil daraus suchen und den Kindern einen verantwortungsbewussten Umgang damit lehren....wie mit dem Auto.

    • Dani am 04.11.2011 11:32 Report Diesen Beitrag melden

      an Adrian

      ob das Leben wirklich einfacher geworden ist? Das will der Treadopener doch damit sagen. Ich glaube es nämlich auch nicht so recht. Dass die ganze Welt nun gegeneinander im Marktwettkampf ist wird der Umwelt sicher schaden. Mitbekommen tuts keiner weil man lieber auf das Handy schaut, dass weit weg produziert wurde und dann hierher transportiert wurde. Macht es das Leben wirklich bequemer wenn ich für jeden Käse eine App habe und damit rumspiele? Wenn das ihr leichtes Leben ist.

    einklappen einklappen
  • orakel am 28.10.2011 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Welt veränert aber nicht verbessert!!!

    Es wird eins zu eins bei den Kunden aufgezeigt. PC "freunde" sind offen für alles und beharren nicht um alles auf der Welt das nur ihres Produkt das beste ist. Appleanhänger sind wie eine Sek... sie beharren darauf das nur ihres das beste ist und glauben es auch, sie sehen nicht links oder nach rechts nur gerade aus. Es ist erstaunlich was Job vollbracht hat, grossen Respekt!!! Eine bessere Welt ist es nicht (vielleicht auch das Gegenteil) aber er hat viel für die Veränderung getan.