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Marktforschung
28. Mai 2010 07:06; Akt: 11.08.2010 23:15 Print
Was Sie über das iPad wissen müssen
von Henning Steier - Ab heute ist Apples Tablet-PC offiziell in der Schweiz erhältlich. 20 Minuten Online liefert alle Details zum Start und hat zwei Expertinnen gefragt, ob der Hype um den Rechner berechtigt ist.

Hype-Zyklus: Tablet-PCs der neuen Generation wie das iPad befinden sich noch am Anfang.
In den USA hat Apple seit Anfang April über eine Million iPads verkauft und Kunden haben bereits über 12 Millionen Apps aus dem App Store sowie mehr als 1,5 Millionen eBooks aus dem neuen iBookstore heruntergeladen. Zahlen, die Jackie Fenn, Vice President des renommierten Marktforschungsinstituts Gartner, im Unterschied zu Apple-Fans oder auf neue Erlösquellen hoffenden Medienmanagern kalt lassen.
Jackie Fenn, Vice President Gartner
Fenn kennt sich aus mit dem Rummel um neue Produkte und Technologien, denn sie hat bereits 1995 den so genannten Hype-Zyklus entwickelt. «Dank ihm kann man Technologien bewerten», erläutert die Gartner-Beraterin im Gespräch mit 20 Minuten Online, «auf der
Vom Gipfel durchs Tal auf den «Pfad der Erleuchtung»
Fenn will ihr Modell «nur als Orientierungshilfe» verstanden wissen; es gilt mittlerweile aber als Branchenstandard, obwohl ihm Kritiker neben irreführender Namensgebung unter anderem vorwerfen, wenig aussagekräftige Prognosen zuzulassen. Dass es trotzdem so beliebt ist, dürfte auch an den prägnanten Bezeichnungen für die typischen Phasen einer Technologie wie «Gipfel der überzogenen Erwartungen», «Tal der Enttäuschungen» und «Pfad der Erleuchtung» liegen.
Am Beispiel des Internets lässt sich das Ganze veranschaulichen: Zunächst wurde es unter-, dann stark überschätzt, was zum Zusammenbruch vieler Dotcom-Unternehmen führte. Heute ist der Hype vorbei und das Netz wächst langsamer, aber stetig. Jackie Fenn hatte dank des Hype-Zyklus-Modells bereits ein halbes Jahr vor dem Platzen der Dotcom-Blase davor gewarnt.
Jedes Jahr im Spätsommer veröffentlicht Gartner seine Hype-Zyklen. Im vergangenen Jahr waren es 79. Tablet-PCs sind allerdings schon auf dem «Pfad der Erleuchtung» zu finden. «Solche Rechner gibt es bekanntlich schon länger und daher hatten wir sie dort eingeordnet», erklärt Jackie Fenn. Die neue Generation dieser Computer, zu denen auch das iPad gehört, ordnet sie kurz vor dem «Gipfel der überzogenen Erwartungen» ein, wenngleich Gartner dies noch nicht offiziell getan hat. Ein iPad hat sich die studierte Computerlinguistin noch nicht gekauft: «Ich kann es noch bis zur nächsten Version aushalten, die bestimmt verbesserte Funktionen mitbringen wird.»
Marktstart acht Wochen nach den USA
Wem die aktuellen Versionen reichen, dem dürfte der der heutige offizielle Marktstart hierzulande gelegen kommen. Das WLAN-Modell mit 16 Gigabyte Speicher kostet 649 Franken. Die teuerste Version schlägt mit 1049 Franken zu Buche. Sie verfügt über 64 Gigabyte Speicher und kann sowohl übers WLAN als auch übers Mobilfunknetz ins Internet gehen. Das iPad-WLAN-Modell ist mit 32 Gigabyte Speicher für 779 Franken und mit 64 Gigabyte für 899 Franken erhältlich. Das WLAN + 3G Modell kostet mit 16 Gigabyte Speicher 799 und mit 32 Gigabyte 929 Franken.
Orange bietet seine iPad-SIM-Karte für zehn Franken an. Mit «Internet everywhere PrePay für das iPad» bezahlt der Kunde jeweils fünf Franken pro Tag - vorausgesetzt, er befindet sich innerhalb der Landesgrenze. Ein Tag zählt von Mitternacht bis Mitternacht. Bei einem Datenübertragungsvolumen, welches fünf Gigabyte pro Monat überschreitet, behält sich Orange das Recht vor, die Übertragungsgeschwindigkeit zu reduzieren. Die Swisscom hat drei Prepaid-Tarife für Apples Tablet-PC im Angebot: Die Micro-SIM-Karte für das iPad kostet 19,90 Franken und kommt bereits mit 20 Franken Guthaben zum Kunden. Für ein Datenvolumen von 100 Megabyte pro Kalendertag werden fünf Franken fällig, wer 19 Franken zahlt, hat für 30 Tage 300 Megabyte zur Verfügung. Vielsurfern bietet der Provider für 39 Franken zwei Gigabyte, die innert 30 Tagen genutzt werden können. Bei Sunrise gibt es keinen Preisplan für das iPad, die Kunden können alle bestehenden Preispläne nutzen.
Durchwachsenes Testergebnis
Im Test von 20 Minuten Online konnte das iPad durchaus überzeugen: Das Surfen im Internet, das Spielen von Games und das Anschauen von Videos machen auf dem Rechner grossen Spass. Ein echtes Manko ist allerdings die fehlende Unterstützung von Flash. Das Anschauen vieler Web-Videos und animierter Webseiten im Browser wird dadurch unmöglich. Dass die WLAN-Version ohne GPS auskommen muss, ist ebenfalls nicht nachvollziehbar. Weitere Mängel sind eine fehlende USB-Schnittstelle, der bescheidene Speicherplatz und die nicht vorhandene Kamera.
Das iPad auf seine vermeintlich rückständige Ausstattung zu reduzieren, ist laut Carolina Milanesi, Lead Analyst Apple bei Gartner, allerdings zu kurz gedacht: «Ich erinnere mich noch gut ans erste iPhone; damals gab es das Nokia N95 und dies hiess: HSDPA versus Edge, aber was die Benutzeroberfläche anging, lag das Apple-Smartphone um Längen vorn», sagte sie im Gespräch mit 20 Minuten Online. Apple habe den
Ob Windows 7 oder Android erste Wahl der Hersteller sein werden, wagte sie nicht zu sagen. Was der grösste
Kleiner Markt
Seit längerem gibt es Gerüchte um einen Tablet-PC von Google. Zuletzt machte CEO Eric Schmidt Schlagzeilen, weil er Mitte April entsprechende Pläne des Suchmaschinisten bestätigt haben soll. Das Unternehmen schwieg allerdings dazu. Mit dem Nexus One hatte das Unternehmen Anfang des Jahres das erste Android-Handy auf den Markt gebracht, welches auch von Google selbst verkauft wurde. Allerdings hat die Firma den
Verglichen mit dem Handy- oder PC-Geschäft ist das ein kleiner Markt, auf dem laut Milanesi die fünf wichtigsten Hersteller Apple, HP, Acer, Lenovo und Nokia sein werden. «Der finnische Weltmarktführer hat sich im Netbook-Markt mit dem teuren und spät gestarteten Booklet 3G überschätzt, das wird ihnen bei einem Tablet-PC nicht noch einmal passieren. Schliesslich haben sie mit dem auf dem diesjährigen Mobile World Congress vorgestellten Betriebssystem Meego und dem Ovi Store gute Voraussetzungen.»
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