Datenschutz-Gau

20. April 2011 17:22; Akt: 20.04.2011 21:12 Print

iPhone und iPad überwachen BesitzeriPhone und iPad überwachen Besitzer

Sicherheitsexperten schlagen Alarm: Apple-Smartphones erstellen heimlich ein Bewegungsprofil und speichern es in einer geheimen Datei. Betroffen sind ältere und neue Geräte mit 3G-Funktion.

Bildstrecke im Grossformat »
Apple sorgt für negative Schlagzeilen bezüglich Datenschutz: Das iPhone und das iPad speichern fortlaufend den Aufenthaltsort des Nutzers in einer unverschlüsselten Datei. Daraus lässt sich ein Bewegungsprofil erstellen. Dies haben britische Sicherheitsexperten am Mittwoch publik gemacht. Die Forscher stellen ein kostenloses Tool zur Verfügung, mit dem die versteckten Daten angezeigt werden können. Der «iPhone Tracker» kann im Internet heruntergeladen werden. Das Open-Source-Programm wird auf dem Apple-Rechner installiert. Inzwischen gibt es auch eine Windows-Version. Nach dem Aufstarten sucht das Programm in den Tiefen des Betriebssystems nach der Datenbank, die auf dem Gerät und dem Computer gespeichert ist. Wird das Tool fündig, zeigt es die Geodaten auf einer Weltkarte an. Die gespeicherten Daten können Monate zurückreichen und zeichnen die Bewegungen des Geräte-Besitzers nach. Vereinzelt sind falsche Standorte angezeigt. Das ist auf die Methode zurückzuführen, mit der das Gerät den Standort bestimmt. Die Standortbestimmung erfolgt über Triangulation, das heisst das Gerät bestimmt fortlaufend die Distanz zu den nahegelegenen Mobilfunk-Antennen. Um persönliche Daten zu schützen, wurde das Tool absichtlich mit einer Ungenauigkeit versehen. So kann etwa eine eifersüchtige Partnerin oder ein Privatdetektiv die genauen Aufenthaltsorte des «Opfers» nicht bestimmen. Dies liesse sich allerdings mit anderen Programmen erreichen, warnen die Forscher. Update: Apple hat inzwischen reagiert und das Problem mit einem System-Update behoben.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Diese Nachricht ist Wasser auf die Mühlen von Paranoikern, sie betrifft iPhone- und iPad-Besitzer rund um den Globus und dürfte Datenschützer ziemlich beunruhigen. Zwei IT-Sicherheitsexperten haben herausgefunden, dass die Apple-Geräte fortlaufend den Standort des Besitzers erfassen und die Daten ungefragt in einer versteckten Datei speichern. Diese unverschlüsselte Datei mit dem Bewegungsprofil wird jeweils auch auf den Computer des Users übertragen, wenn die beiden Geräte synchronisiert werden. Dies berichtet die Online-Ausgabe der britischen Zeitung «The Guardian».

Umfrage
Vertrauen Sie Apple?
26 %
55 %
19 %

In der per Zufall entdeckten Datei werden die geografischen Koordinaten zum Teil im Minutentakt gespeichert, also die Orte, an denen sich der User gerade aufhält. Hinzugefügt wird jeweils ein Timestamp, also die genau Zeitangabe. Dies kann zu gewaltigen Problemen führen. Etwa dann, wenn Drittpersonen das iPhone oder den Backup-Computer stehlen oder sich Zugriff darauf verschaffen.

Seit Juni 2010

Apple ermögliche jedem, der Zugang zum Gerät habe, detaillierte Informationen über die betroffene Person zu gewinnen. «Ob eifersüchtige Ehefrau oder Privatdetektiv.» Das Auswerten der unverschlüsselten Daten sei mit einem einfachen Programm möglich, warnen die beiden Forscher Pete Warden und Alasdair Allan. Die Sicherheitsfachleute haben ihre alarmierenden Erkenntnisse am Mittwoch an einem Kongress in den USA präsentiert. Hinsichtlich einer weiteren Befürchtung geben sie Entwarnung: Anscheinend wird die geheime Datei nur lokal gespeichert, also nicht auch noch ungefragt an Apple übermittelt.

In einigen untersuchten Fällen erstrecke sich das gespeicherte Bewegungsprofil über ein ganzes Jahr, heisst es. Die Forscher haben herausgefunden, dass das heimliche Speichern der persönlichen Geo-Daten im Juni 2010 losging. Dies sei mit einem zu jenem Zeitpunkt erfolgten Update für Apples mobiles Betriebssystem iOS 4 zu erklären, heisst es.

Android ist nicht betroffen

Gemäss den Erkenntnissen der Forscher handelt es sich um ein reines Apple-Problem. Man habe auch auf Android-Smartphones nach einem vergleichbaren Tracking-Programm gesucht, sei aber nicht fündig geworden. Es gebe keine Belege dafür, dass ein anderer Handy-Hersteller eine vergleichbare Funktion in seine Geräte integriert habe.

Datenschützer reagierten laut «Guardian» entrüstet auf die Enthüllung. Dies sei eine beunruhigende Entdeckung, wird etwa Simon Davies, der Direktor von Privacy International, zitiert. Die Information über den eigenen Standort sei eines der sensibelsten Elemente im Leben jedes Menschen. Die Existenz solcher Geo-Daten sei eine reale Bedrohung für die Privatsphäre. Dass der Nutzer nicht darüber informiert werde und keine Kontrolle habe, zeuge von der Ignoranz der Entwickler.

Auch iPads sind betroffen

Die beiden Forscher haben weiter herausgefunden, dass die geheime Datei auch auf neue Geräte kopiert wird. Falls der Nutzer also sein altes iPhone durch ein neues ersetzt, wird das Bewegungsprofil mithilfe der Daten-Synchronisierung automatisch «gezügelt».

Laut den Sicherheitsexperten steht zweifelsfrei fest: Das iPhone und das iPad mit 3G-Funktion speichern die Daten ohne Zustimmung des Users. Wie der «Guardian» weiter berichtet, hat Apple bislang keine Stellungnahme abgeben. So bleibt (vorläufig) auch die Frage unbeantwortet, warum ein solches Bewegungsprofil gespeichert wird - und ob man die Funktion deaktivieren kann. Auch auf eine Anfrage von 20 Minuten Online wurde bislang nicht reagiert.

Über den Zweck der verheimlichten Funktion kann nur spekuliert werden: Zum einen wird vermutet, dass Apple die Geo-Daten für zukünftige Features braucht - nur welche? Zum andern könnte es aber schlicht ein dummes «Versehen» sein. Die Tatsache, dass die geheime Datei auf neue iPhones und iPads transferiert wird, beweist allerdings, dass es sich nicht um ein zufälliges Daten-Sammeln handelt.

Tool downloaden

Auf einer Website stellen die Sicherheitsexperten ein kostenloses Tool zur Verfügung. Der iPhone-Tracker macht das heimlich gespeicherte Bewegungsprofil sichtbar. Apple-User können das Open-Source-Programm herunterladen. Auf der Website findet sich auch eine Anleitung, wie die versteckte Datei ohne das «iPhone Tracker»-Tool gefunden werden kann.

(dsc)

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

  • ley fox am 25.04.2011 22:39 Report Diesen Beitrag melden

    Verstecken unmöglich!

    Als sie uns einsperrten sagten sie es sei zu unsrem besten! Als wir fragten wie lange es noch dauern würde sagten sie nicht mehr lange... Als wir raus wollten war die Tür verschlossen! egal ob es unsere bewegungen speichert es hat sowiso überall kameras! Niemand kann sich davor verstecken... nur sind die menschen zu naiv... & wer das zitat nicht begreifft muss auch keinen dummen komentar ablifern...

  • Rene Probst am 23.04.2011 20:53 Report Diesen Beitrag melden

    Rene

    was mich etwas beunruhigt ist die tatsache, dass die daten teilweise nie betretene oder befahrene standorte und nie erfolgte bewegungsmuster anzeigen und dabei dutzende bis hunderte kilometer weit abseits liegen. problematisch wird dies im privaten oder geschäftlichen bereich, wenn aufgrund dieser standortdaten falsche annahmen gemacht werden und streit entsteht, und erst recht wenn solche daten in rechtsfällen als beweismaterial aufgeführt werden. natürlich ist es lustig, eigene wege zu verfolgen, aber dafür kann ich ein gps-app runterladen & die trips bewusst dekorieren & veröffentlichen.

  • Digi Tal am 22.04.2011 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    Alles offenlegen

    .. aber jeder will so ein Teil haben weil es geil ist.. selber schuld! Vorschlag: gebt den Konzernen per Mail bekannt was ihr esst, trinkt, v..lt, kifft, und die Namen der Familienmitglieder, Schuhnummern, Kragenweite, BH-Grösse etc. - dann müssen die nicht suchen siondern habenes schon... hi hi hi