Internet-Mobbing

27. April 2011 16:26; Akt: 27.04.2011 19:30 Print

Facebook-Drohung: «Ich mach dich kalt!»

von Oliver Wietlisbach - Nach einer Morddrohung im Internet prahlte der Täter auf seiner Facebook-Pinnwand mit der Verurteilung. Nun droht ihm ein zweites Strafverfahren.

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(Quelle: Facebook)

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«Was denkst du, wie lange du noch sicher bist? Du bist die erste, die ich zur Strecke bringe!», schrieb Mario S.* nach der Abstimmung zur Minarett-Initiative auf Facebook. Im sozialen Netzwerk kochten die Emotionen hoch und mindestens einer wusste nicht, wo die Grenze liegt. «Mario S. drohte, mich kalt zu machen», sagt Bettina Meyer (Name geändert). Sie hatte sich in der öffentlichen Gruppe «Kann dieses Minarett mehr Fans als die SVP haben?» gegen rassistische Parolen wie «dreckiges Muslimschwein» oder «Entfernt das Ungeziefer!» aufgelehnt. Sie habe den Leuten, die sich im Ton vergriffen, «den Spiegel vorgehalten», sagt Meyer. Besonders derb darauf reagierte Mario S.: «Jetzt finde ich dich. Du hast keine Ahnung, zu was ich im Stande bin. Ihr werdet bluten!»

Umgehend nach dieser massiven Drohung erstattete Meyer im Mai 2010 Anzeige, zumal auf Facebook weitere Morddrohungen von Mario S. kursieren. Einer anderen Frau drohte er an, sie und ihre Familie zu zerstückeln und zu verbrennen. Gegenüber 20 Minuten Online macht Mario S. vorausgehende Provokationen gegen ihn geltend. «Ich weiss, ich müsste bremsen, aber mein Temperament ist mit mir durchgegangen. Es liegt in meiner Natur, dass ich ausraste, wenn ich provoziert werde.» Die Polizei liess sich nicht zweimal bitten, durchsuchte seine Wohnung und fand eine CO2-Pistole vom Typ Walther CP99. Die zuständige Staatsanwaltschaft St. Gallen verfügte die Vernichtung der beschlagnahmten Waffe. Mario. S. wurde der Drohung schuldig gesprochen und zur Bezahlung einer bedingten Geldstrafe von 7000 Franken verurteilt, die während einer zweijährigen Probezeit ausgesetzt worden ist.

Täter prahlt auf Facebook

Ganz offenbar verfehlte der Schuldspruch bei Mario.S. seine beabsichtigte Wirkung gänzlich. Im Internet prahlte er mit seiner Verurteilung. Er veröffentlichte gar ein Foto des Gerichtsbescheids auf seiner Facebook-Pinnwand und liess seine Freunde wissen: «Immer wenn mir so etwas passiert, werde ich noch schlimmer und setze noch eins obendrauf.» Zudem teilte er mit, sich spätestens bis Februar dieses Jahres wieder eine Waffe zu besorgen. Es folgten weitere Wortgefechte zwischen Mario. S. und Meyer auf Facebook, die Meyer als Drohung empfand. Sie reichte kurz vor Weihnachten 2010 eine zweite Anzeige ein. Nur Tage später meldete sich ein anonymer Anrufer aus einer Telefonkabine bei ihrem Mann und drohte: «Wenn ich du wäre, würde ich besser auf deine Schlampe aufpassen.» Die Staatsanwaltschaft St. Gallen bestätigte gegenüber 20 Minuten Online, dass ein entsprechendes Strafverfahren beim Untersuchungsamt Uznach hängig ist, bis zu einer Verurteilung aber die Unschuldsvermutung gelte.

Kreuzritter gegen den Islam

Mario S. präsentiert sich auf Facebook als Anhänger unzähliger christlicher Gruppierungen, scheint es aber mit der christlichen Toleranz selbst weniger genau zu nehmen. Er bezeichnet sich selbst als «modernen Kreuzritter╗, als «christlichen Fanatiker», der gegen den «Abschaum» kämpfe. Die Drohungen seien nicht gegen Einzelpersonen gerichtet gewesen, sondern allgemein gegen Atheisten, die Gott verspotten.

Er scheint sich als Held zu sehen, der die Schweiz vor dem Islam rettet. «In muslimischen Ländern werden Christen verfolgt. Ich bin nur gegen extreme Islamisten, die Christen bekämpfen», so Mario S.. Er habe nichts gegen Muslime in der Schweiz, aber gegen deren Verbreitung.

«Bis aufs Blut provoziert»

Massiv beschimpft und bedroht wurde Frau Meyer nicht nur von Mario S., auch David H.* beteiligte sich an den Hasstiraden. Da Meyer ihn bei Facebook wegen rassistischen Äusserungen gemeldet hatte, schrieb er auf der Pinnwand der Gruppe «Ich schäme mich nicht für das Resultat der Minarett-Initiative!»: «Der Grosschotzschlampe würde ich empfehlen, ihre dreckige Fresse zu halten. So eine primitive, dreckige, verlogene Person wie die ist, wird ihre Strafe bekommen. Nicht hier im Facebook, nein, sondern im realen Leben, verlass dich drauf!»

Seine Ausfälligkeiten erklärt David H. damit, dass er von den Linken «bis aufs Blut gereizt» worden sei. So haben ihn Linke etwa als Sodomist diffamiert oder eine «Fan»-Seite erstellt, um sich über ihn lustig zu machen (siehe Bildstrecke). Anscheinend wurde auch ein Brief an die Behörden verschickt, in dem ihm häusliche Gewalt gegen seine Frau unterstellt worden ist. Deren Masche sei es, so David H., «in Gruppen über einen ‹herzufallen›, mit niveaulosen Bemerkungen und Provokationen, bis einem der Kragen platzt.»

Anonyme Briefe an den Arbeitgeber

Im Fall von Frau Meyer blieb es nicht bei Beschimpfungen und Drohungen im Internet. Als ob die Morddrohung und der anonyme Anruf nicht gereicht hätten, wurde sie kurz darauf bei ihrem Arbeitgeber angeschwärzt. Ihr Vorgesetzter erhielt einen Brief zugespielt, in dem sie beschuldigt wurde, während der Arbeitszeit Facebook zu nutzen. «Den genauen Inhalt der E-Mail habe ich nie gesehen, aber als ich die Stelle kündigte, wurde ich mit dem Vorwurf konfrontiert.» Die Denunziation habe das Vertrauen des Arbeitgebers in ihre Person bestimmt nicht gefördert, glaubt Meyer, die inzwischen an einem anderen Ort arbeitet.

* Die Namen sind der Redaktion bekannt.

Haben Sie im Internet ähnliche Erfahrungen gemacht? Sind Sie auch auf Facebook beleidigt, belästigt oder bedroht worden? Und nimmt das soziale Netzwerk seine Verantwortung wahr, um Cyber-Mobbing einzudämmen?

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike Schmid am 26.04.2011 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Beide Seiten

    Interessant, dass angeblich praktisch nur rechte Kreise solchen Quatsch machen. Wer's glaubt wird seelig. Das geht munter hin und her.

  • Sägi nöd! am 05.05.2011 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alles Menschen sind Extremisten.

    Es gibt auch ganz normale Moslems und Christen. Ich selber bin auch Moslem. Ja ich bete jeden Tag, esse kein Schweinefleisch und trinke keinen Alkohol. Aber ich gehe jeden Tag arbeiten, ich bezahle meine Steuern, ich würde niemals irgend einer Person grundlos schaden zufügen wollen. Ich halte mich an die Gesetze in der Schweiz und verabschäue Steinigungen oder die Christenverfolgung und dergleichen. Aber in den Augen von David H. und Mario S. bin ich Abschaum, verursache nur Probleme und soll beseitigt werden. Denkt mal anders als nur schwarz und weiss. DANKE!

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  • Beate Mayer am 26.04.2011 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Das wurde von linker Seite ausgelöst!

    Mir wurde mein Facebookprofil auch gelöscht, da von linksextremen Multikultianhänger einen Massenaufruf gegen mein Profil gemacht worden ist! Nicht ein einziges mal habe ich irgendetwas geschrieben, dass gegen die Nutzungsbedingungen verstossen hat oder gar ausfällig war! Es reicht schon, wenn man schreibt " alle kriminellen Ausländer gehören ausgeschafft" um den Missmut der linken Anhänger zu ernten! Dieser Zustand auf FB wurde von linker Seite aus gestartet!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • felix schwaibold am 11.05.2011 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    nur den echten namen sollte erlaubt sein

    Alkohol bei Coop erst ab 18 Jahren Coop erhöht die Alterslimite für den Alkoholkauf generell auf 18 Jahre. Es ist der erste grössere Verkäufer von Alkohol, der einen entsprechenden Schritt ergriffen hat. Bei Denner ist dies im Moment kein Thema. Der Entscheid, der ab 2. Juni in Kraft tritt, wurde von der Geschäftsleitung von Coop gefällt. So soll in allen COOP-Verkaufsstellen die Alterslimite für den Kauf von Wein, Apfelwein und Bier auf 18 Jahre angehoben werden. Das Personal werde an der Kasse den Ausweis verlangen. Begründet wurde der Schritt von Coop mit der aktuell uneinheitlichen Situation in den Kantonen. Bis heute gilt in den meisten Schweizer Kantonen für Wein, Apfelwein und Bier die Alterslimite 16 Jahre und für Aperitifs, Spirituosen und Alcopops 18 Jahre. Bei Denner ist ein Schritt wie bei Coop im Moment kein Thema, wie Sprecherin Anita Daeppen sagte. Denner sei sich der Verantwortung als Verkäufer von alkoholischen Getränken bewusst und halte die gesetzlichen Vorgaben strikte ein. Laut der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme handelt es sich bei Coop um den ersten grösseren Verkäufer von Alkohol, der einen entsprechenden Schritt getan hat.

    • andy k am 23.05.2011 11:24 Report Diesen Beitrag melden

      Danke

      Diesen Bitrag finde ich gut. Danke!

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  • Lebowski am 08.05.2011 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Rettet das Internet

    Ich bin der Meinung das Mobbing zum Internet dazu gehört, dadurch das Leute jetzt für sowas verurteilt werden wird eine Grenze überschritten die ich nicht gutheissen kann. Natürlich gibt es Inhalte die nicht "schön" sind (z.B. anschauen von Kinderpornografie, Exekutionsvideos, Tierpornografie, Rechts- / Linksradikale Websites u.s.w.) aber dennoch sollte das alles straffrei sein solange es "nur" im Internet ist.. die Uploader von illegalen Inhalten sollten natürlich weggesperrt werden aber das geschiet dann auch im "echten" Leben. Ich bin immernoch für einen "Internet-Führerschein"...

    • hans meier am 27.05.2011 10:50 Report Diesen Beitrag melden

      was für ein blödsinn

      Einerseits soll niemand wegen Rechtsvergehen im Internet verurteilt werden, weil damit "eine Grenze überschritten wird", andererseits bist du für einen "Internet-Führerschein"? Du forderst hier, dass das Anschauen von u.A. Kinderpornografie straffrei ist? Hallo? Geht's noch? Da geh ich jetzt nicht weiter drauf ein. Zum Mobbing: Internet ist im Prinzip ein Kommunikationskanal wie jeder Andere auch, ein grosser Teil der Kommunikation und somit auch ein Teil unseres Lebens verlagert sich immer mehr ins Internet. Wenn Mobbing zum Internet dazugehört, was ist mit Mobbing per Telefon, per SMS?

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  • Tommy am 05.05.2011 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    So unnötig ist Facebook

    Wie sich Menschen über etwas aufregen, das eigentlich niemand wirklich braucht. Ich versteh bis heute nicht, für was Facebook nützlich sein soll...

    • Pascal B. am 19.05.2011 15:13 Report Diesen Beitrag melden

      Facebook=Wirtschaftskraft

      Um das Konsumverhalten der Gesellschaft und vers. Gruppen auszuloten, natürlich!! Da lässt sich viel Geld verdienen...

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  • Sägi nöd! am 05.05.2011 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alles Menschen sind Extremisten.

    Es gibt auch ganz normale Moslems und Christen. Ich selber bin auch Moslem. Ja ich bete jeden Tag, esse kein Schweinefleisch und trinke keinen Alkohol. Aber ich gehe jeden Tag arbeiten, ich bezahle meine Steuern, ich würde niemals irgend einer Person grundlos schaden zufügen wollen. Ich halte mich an die Gesetze in der Schweiz und verabschäue Steinigungen oder die Christenverfolgung und dergleichen. Aber in den Augen von David H. und Mario S. bin ich Abschaum, verursache nur Probleme und soll beseitigt werden. Denkt mal anders als nur schwarz und weiss. DANKE!

    • justin am 05.05.2011 18:36 Report Diesen Beitrag melden

      @ säg nöd

      genau das meine ich ja. alle denken nur schwarz oder weiss. und weil ich nicht zu einer von beiden gruppen gehören will und einfach mich informiere werde ich von beiden seiten blöde angemacht. vor allem aber von der linken seite aus. und deshalb finde ich diesen beitrag also dieser artikel, mehr als einseitig geschrieben

    • Maggy Ritz am 07.05.2011 12:31 Report Diesen Beitrag melden

      Hi ihr Zwei

      Ich denke bunt und gerne "1:1". Keine Gruppe ist ohne Rand und in allen sind alle Farbtöne vertreten. Gibts nicht ebenso viele Wahrheiten wie Menschen? Lasst euch von keinem Kriminellen erschrecken.

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  • Giselle Baumgartner am 03.05.2011 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    Verblüffend tiefes Niveau

    Hab mir die Seite "Kann dieses Minarett mehr Fans als die SVP haben?" angeschaut. Relativierung der Verbrechen von Bin Laden, Sympathiebekundungen für den Revolutionären Aufbau, Meldeaufrufe gegen die Faschisten auf der Gegenseite. Insgesamt ein verblüffend tiefes Niveau, das glücklicherweise nicht repräsentativ für Facebook im allgemeinen ist.

    • justin am 05.05.2011 12:58 Report Diesen Beitrag melden

      @giselle

      das ist es ja. beide seiten sind genau gleich. das einer aus den reihen tanzt und stalkt hat mit dem menschen selber zu tun. und im übrigen ist das opfer hier auch eine die den täter selber oft provoziert hatte. ich befürworte das verhalten des täters in keinster weise, aber man muss den tatsachen aufmerksamkeit schenken. diese frau "machte" sich zum opfer indem sie selber jeden der anders dachte als sie als faschist und rassist abstempelte. war nur eine frage der zeit das sie an den falschen geriet. ausserdem ist dieser bericht extrem einseitig geschrieben...

    • eri sund am 06.05.2011 07:57 Report Diesen Beitrag melden

      nievau

      nein zum glück nicht. gibt auch gute, interessante und hilfreiche seiten.

    • Maggy Ritz am 07.05.2011 12:35 Report Diesen Beitrag melden

      DrüberReden

      Gute Arbeit, Madame Baumeister und Monsieur Justin. Und jetzt die hieb- und stichfesten Beweise ZEIGEN.

    • Giselle am 09.05.2011 10:23 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte schön:

      Zum Beispiel den Gedenkaufruf zur "Ermordung" von Ulrike Meinhof, der heute gerade die Seite ziert?

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