Markenschutz

25. November 2010 12:35; Akt: 25.11.2010 13:32 Print

Facebook vergisst ein paar Pornoseiten

von Henning Steier - Das soziale Netzwerk ist beliebt und wertvoll. Davon wollen viele Websites profitieren. Einige Erotikanbieter sind den Anwälten wohl bislang entgangen.

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So wird auf YouPorn für seekbang.com geworben.

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«Seekbang.com wird dir helfen, flachgelegt zu werden», heisst es in der Anzeige neben einem Clip von Pornodarstellerin Ariel Spinner auf YouPorn. Über dem Bild einer aufreizend drapierten Frau in Lolita-Optik ist auf blauem Hintergrund vom «Facebook of Sex» die Rede. Andere Banner auf YouPorn werben für eine Seite, die den Namen des weltgrössten sozialen Netzwerkes in der Domain enthält, facebookofsex.eu. Eine weitere Website, die aus der Bekanntheit der Community Kapital schlagen möchte, ist fuckbook.de/ms – die optischen Anleihen sind unverkennbar.

Facebook hat mittlerweile 500 Millionen Mitglieder. Das entspricht den addierten Einwohnerzahlen der USA, Grossbritanniens, Frankreichs und Deutschlands. Technologieunternehmen wie Google, Microsoft und Nokia zählen laut den Marktforschern von Interbrand schon seit längerem zu den wertvollsten Marken der Welt. Facebook hat den Sprung unter die Top 100 noch nicht geschafft, was sich aber mit der weiter wachsenden Popularität und einem Börsengang ändern dürfte.

Keinen Spass verstanden

Vom 2004 gegründeten Start-up hat sich Facebook zu einem Unternehmen mit mehr als 1700 Angestellten entwickelt. Offizielle Geschäftszahlen veröffentlicht man nicht. Schätzungen gehen von etwa 800 Millionen Dollar Jahresumsatz aus. Eine Website, die statt auf Erotik auf Humor setzt und von Facebook profitieren möchte, ist lamebook.com. Auf der Seite sind lustige Bilder und Status-Updates von Facebook zu finden. Die Macher des sozialen Netzwerkes verstehen aber augenscheinlich in diesem Fall keinen Spass und haben die Lamebook-Betreiber wegen Verletzungen des Markenrechts verklagt.

Facebook ging aber noch weiter. Unter anderem wurde für einige Stunden in der Nacht auf Dienstag die Fan-Page von Lamebook entfernt. Aus der Community heraus konnte man nicht mehr auf Lamebook verlinken. In Status-Updates konnte man den Namen der Seite nicht benutzen. Lamebook zeigt auf seiner Seite einen Screenshot, der belegen soll, dass ein gewisser Kevin «Knock Knock» schrieb, eine Natalie «Whos there?» frage, woraufhin Kevin «Lame» antwortete, was Facebook zu dieser Botschaft veranlasst haben soll: «Wenn ich du wäre, würde ich diesen Witz nicht beenden.»

Seitenbetreiber schweigen

Hinter Lamebook stecken zwei Grafikdesigner aus Austin, Texas: Jonathan Standefer und Mattew Genitempo. Auf eine vor einer Woche gestellte Anfrage zum Rechtsstreit mit Facebook haben sie nicht reagiert. Auch interessiert hätte uns, warum die Macher unlängst eine Präventiv-Klage gegen Facebook angestrengt haben. Ein Sprecher des sozialen Netzwerkes liess 20 Minuten Online ausrichten: «Wir sind enttäuscht darüber, dass es nach Monaten der Zusammenarbeit nun auf einen Prozess hinausläuft. Die Website ist ein unlauterer Versuch, von Facebooks Ruf und Popularität zu profitieren.» Man werde weiterhin alles daran setzen, die eigene Marke zu schützen.

Dass es Facebook damit ernst ist, bekamen unter anderem schon die Betreiber der Lehrer-Community Teachbook.com zu spüren, die verklagt wurden. Ein Urteil steht noch aus. Der Name des Start-ups Placebook wurde präventiv in TripPlace geändert, nachdem Facebook sich gemeldet hatte. Und Faceporn.com ist vorerst nicht mehr erreichbar. Laut den Betreibern soll es einen Relaunch geben. Wann, ist nicht bekannt. Warum Facebook nicht gegen die eingangs erwähnten Erotik-Sites vorgeht, war nicht zu erfahren. Auch deren Betreiber wollten sich auf Anfrage nicht äussern.

Markenschutz für halben Namen

Ein weiterer Schritt Facebooks, die eigene Marke zu schützen, wurde gestern bekannt: Das US-Patentamt hat dem kalifornischen Unternehmen eine vorläufige Bescheinigung («Notice of Allowance») ausgestellt. Inhalt ist der Schutz des Wortes Face in den USA. Der Antrag des sozialen Netzwerkes wurde für Telekommunikationsdienstleitungen, Chat-Räume und andere computerbasierte Mitteilungsformen bewilligt. Unklar ist bislang, ob Apple von der Entscheidung des Patentamtes betroffen ist. Der iPhone-Hersteller hatte kürzlich einen Mobil-Chatdienst mit dem Namen FaceTime eingeführt.