Keynote

06. Oktober 2010 19:43; Akt: 12.10.2010 11:56 Print

Auf Kritik von Datenschützern reagiert

von Henning Steier - Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat drei Neuerungen vorgestellt: Nutzer können alle Daten herunterladen, leichter Apps im Auge behalten und Gruppen-Chats starten.

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Mark Zuckerberg: Neuigkeiten für Facebook im Gepäck.

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Mark Zuckberg liess es sich nicht nehmen, persönlich die Vorstellung dreier Neuerungen des weltgrössten sozialen Netzwerkes zu leiten: Eine Funktion, die er «Download Your Information» nannte, ist die erste: «Man klickt eine Schaltfläche an, dann erhält man eine E-Mail, wenn alle Daten in einem Zip-File zusammengefasst wurden, das man anschliessend herunterladen kann», erläuterte Produktmanager David Recordon. Die Funktion wird im Laufe des Tages für alle Mitglieder verfügbar sein. Recordon gibt im Video einen kurzen Überblick.

Aus Sicherheitsgründen muss man sein Passwort und Captchas, also in Bildern versteckte Buchstaben, eingeben, bevor man den Download starten kann. «Wir haben uns überlegt, ob wir die Funktion überhaupt einführen sollen, weil wahrscheinliche viele versuchen werden, sie zu missbrauchen», sagte Mark Zuckerberg. Facebooks Entwickler hätten weitere umfangreiche Sicherheitsfunktionen integriert, sagte der Facebook-CEO, ohne diese näher zu beschreiben - aus nahe liegenden Gründen. Man habe ausführlich diskutiert, ob der Datenexport überhaupt für viele Nutzer interessant sei. Das müsse nun der Test zeigen. Die neue Funktion erinnert an Googles im September 2009 gestartete Data Liberation Front. Auf der Webseite werden nicht nur Tipps gegeben, wie man seine eigenen Daten bei Google importieren kann, sondern auch, wie man sie von dort wieder entfernt. Ausserdem wird Usern geraten vorab zu überprüfen, ob man auf Seiten Daten exportieren kann und was das kostet.

Apps besser im Blick

Ein neues Dashboard soll die genutzten Apps übersichtlicher anzeigen und das Mitglied schneller informieren, welche Berechtigungen es den Anwendungen eingeräumt hat. So soll verhindert werden, dass Apps auf Daten zugreifen, ohne dass ein Nutzer dies weiss. Darüber hinaus sieht man, wann zuletzt eigene Daten von welcher App abgefragt wurden. Über die Seite können Applikationen direkt gelöscht oder Einstellungen geändert werden.

Damit geht Zuckerberg einen Schritt weiter als Anfang Juni auf der D8-Konferenz: Damals hatte er eingeräumt, dass es im Laufe der Zeit für die User zu kompliziert geworden sei, die Einstellungen zur Privatsphäre zu verwalten. «Bislang hat bereits die Hälfte der Nutzer mindestens einmal die Datenschutz-Einstellungen verändert: Für mich ist das ein Signal, dass wir es richtig machen und den Leuten die Kontrolle geben, die sie wollen.» Prominente Stimmen der amerikanischen Tech-Community wie Leo Laporte, Jason Calacanis oder Peter Rojas, aber auch die deutsche Verbraucherschutzministerium Ilse Aigner hatten ihre Facebook-Accounts gelöscht, um gegen die aus ihrer Sicht laxe Handhabe des Datenschutzes zu protestieren. Beispielsweise waren nach einem Umbau der Seite plötzlich Fotos für alle Nutzer sichtbar, weil die Standardeinstellung entsprechend geändert worden war.

Bestätigt hatte sich Zuckerberg wohl auch durch eine Gruppe von Aktivisten um die beiden kanadischen Webdesigner Joseph Dee und Matthew Milan gefühlt. Sie hatte Gleichgesinnte dazu aufgerufen, Facebook für immer zu verlassen und ihre Accounts zu löschen. Sie proklamierten den 31. Mai zum «Quit Facebook Day» und rechneten mit einem Massenexodus, zumal ihr Anliegen wiederum dank Blogs den Weg in die Mainstream-Medien fand. Es kam aber ganz anders: Nur etwas mehr als 36 000 User machten am Ende bei der Aktion mit, was bei damals rund 450 Millionen Mitgliedern 0,008 Prozent entsprach.

Gruppen statt Listen

In der heutigen Keynote präsentierte Produktmanager Justin Shaffer, ehemaliger Chef des von Facebook übernommenen Unternehmens Hot Potato, als vierter Redner neue Funktionen für Gruppen - unter anderem die Möglichkeit, mit allen Mitgliedern derselben zu chatten. Ausserdem wird es private Gruppen geben, zu denen beispielsweise nur Familienmitglieder Zugang haben. So soll es leichter werden, unter anderem Fotos nur mit einem ausgewählten Kreis an Nutzern zu teilen. «Ausserdem kann man eine Gruppe als Mailing-Liste verwenden, wenn man gerade nicht auf Facebook ist», erklärte Shaffer. Gruppen sollten die Freundeslisten nicht ersetzen, sagte Zuckerberg, man habe ganz einfach festgestellt, dass nur fünf Prozent der Nutzer letztere anlegen.

Im Vorfeld der Medienkonferenz war unter anderem über die Integration von Skype und ein Redesign der Seite spekuliert worden. Die Gerüchte haben sich demnach nicht bewahrheitet.