«Dzulham Sinaga»

25. Januar 2011 13:43; Akt: 25.01.2011 13:58 Print

Facebook-User jagen einen Pädophilen

Rasend schnell verbreitete sich via Twitter die Meldung über ein Facebook-Profil mit kinderpornographischem Inhalt. Der Zugang des angeblichen Täters ist mittlerweile gesperrt. Doch die Jagd geht weiter.

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Ein Screenshot des angeblichen Facebook-Profils. Inzwischen kann die Seite nicht mehr aufgerufen werden.

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20 Minuten Online erhielt heute Morgen eine E-Mail mit verstörendem Inhalt. Ein Leser warnte vor einer ekelerregenden Mitteilung. Auf Facebook präsentiere sich ein Pädophiler, hiess es. Als «Beweis» war ein Foto beigefügt. Auf einem Screenshot ist der Facebook-Account einer Person zu sehen, die Dzulham Sinaga heissen soll. Das Bild ist nichts für schwache Nerven und wegen seines kinderpornographischen Inhalts illegal: Es zeigt einen pädophilen Täter in eindeutiger Pose mit einem minderjährigen Mädchen.

Vor weniger als 20 Stunden waren die ersten Meldungen über das öffentlich einsehbare Facebook-Profil bei Twitter aufgetaucht. Die Reaktionen fielen heftig aus. In zahlreichen Tweets und Retweets macht seither ein öffentlicher Aufruf die Runde, man solle Facebook auffordern, das entsprechende Profil zu sperren. Dies kann jeder Facebook-Nutzer tun, indem er auf einen entsprechenden Link («Diese Person melden/blockieren») drückt. Zum gleichen Zweck wurde in der Folge auf Facebook auch eine Protest-Gruppe ins Leben gerufen. Sie heisst «Signalé le pédophil Dzulham Sinaga» und zählt inzwischen 1325 Mitglieder.

Facebook nimmt Stellung

Das besagte Profil kann inzwischen nicht mehr aufgerufen werden. 20 Minuten Online hat Facebook um eine Stellungnahme gebeten. Von der Medienstelle in Deutschland heisst es lediglich, Facebook äussere sich «bislang nicht zu dem von Ihnen angesprochenen Strafverstoss auf der Plattform». Und weiter: Im Allgemeinen sei Facebook zurückhaltend bezüglich Statements zum Thema Straftaten und Strafverfolgung. Facebook lösche umgehend alle Inhalte, die gegen die Nutzungsbedingungen verstossen. Dies betrifft Inhalte, die «verabscheuungswürdig, bedrohlich oder pornografisch sind, zu Gewalt auffordern oder Nacktheit oder Gewalt enthalten».

Ein eigenes Team arbeite daran, fragwürdige Inhalte so schnell wie möglich zu identifizieren. Zudem gelte immer der Aufruf an alle Facebook-User, entsprechende Inhalte zu melden, «oder besser noch: aktiv dagegen vorzugehen und selbst eine entsprechende Gruppe oder Aktion zu starten». Darüber hinaus habe Facebook technische Lösungen entwickelt, damit bestimmte Namen/Schlagwörter nicht verwendet werden können.

Ein Hoax?

Wie ein kanadischer Blogger auf troisriviers911.com berichtet, haben bereits mehrere Personen die Polizei verständigt. So seien etwa in der kanadischen Stadt Trois-Rivières die Ermittlungen aufgenommen worden. Ob der angebliche Täter aus dieser Ecke der Welt stamme, ist hingegen fraglich. Dürfte es sich doch bei Dzulham Sinaga um einen Fantasienamen handeln.

Gleichzeitig stellt sich auch die Frage, ob es sich bei dem Facebook-Profil nicht um einen üblen Scherz oder eine bewusste Irreführung handelt. Solche Falschmeldungen, die in Windeseile über verschiedene Kanäle weiterverbreitet werden, nennt man Hoaxes. Tatsächlich muss bezweifelt werden, ob ein richtiger Pädophiler öffentlich auf Facebook in Erscheinung treten würde. Das eindeutig kinderpornografische Bild könnte verwendet worden sein, um mit einem gefälschten Facebook-Account für weltweites Aufsehen zu sorgen.

Die Twitter-Meldung habe ihren Ursprung in Frankreich. Das hätten seine Recherchen ergeben, schreibt der kanadische Blogger. Dies deckt sich auch mit den Abklärungen von 20 Minuten Online. Schliesslich ist dem besorgten Blogger beizupflichten, wenn er sich an einem Nebeneffekt stört, den die alarmierende Pädophilen-Meldung hat: Durch die Verbreitung im Internet dürfte der (unverpixelte) Screenshot auch in Hände gelangen, die sich nicht an der widerlichen Abbildung stören.

(dsc)