Durch die Hintertür

08. Juni 2011 07:26; Akt: 08.06.2011 09:40 Print

Facebook führt Gesichtserkennung ein

von Daniel Schurter - Im grössten sozialen Netzwerk wird jedes Foto automatisch gescannt. Wer nicht von «Freunden» markiert werden will, muss die entsprechende Funktion deaktivieren.

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Die automatische Gesichtserkennung kann in den Facebook-Einstellungen ausgeschaltet werden. (Screenshot: 20 Minuten Online)

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Klammheimlich hat Facebook hierzulande eine heikle Funktion aktiviert: die automatische Gesichtserkennung. Facebook selbst nennt sie harmlos «Fotos: Markierungen vorschlagen» – allerdings dürfte sie vielen Nutzern unangenehm sein - wer will schon vom System automatisch auf allen Bildern markiert werden, die von Freunden ins soziale Netzwerk hochgeladen wurden.

Die Funktion war bereits im Dezember 2010 für Nutzer in den USA eingeführt worden. Nun sind auch alle anderen Facebook-Länder davon betroffen – insgesamt an die 700 Millionen Nutzer. Die Sophos-Sicherheitsexperten finden kritische Worte in ihrem Firmen-Blog «Naked Security».

Schon im Frühjahr hatten sie Facebook einen offenen Brief geschrieben. Darin forderten die Sicherheitsexperten, dass die Privatsphäre der Nutzer besser geschützt werden müsse. Das Veröffentlichen von persönlichen Informationen im sozialen Netzwerk dürfe nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Betroffenen erfolgen.

Es droht Missbrauch

Wie das aktuelle Beispiel zeigt, ist Facebook alles andere als einsichtig. Wer die Funktion nicht von eigener Hand deaktiviert hat, dessen Gesicht wird automatisch erkannt und kann auf den Bildern markiert werden.

Natürlich ist die automatische Gesichtserkennung nützlich, wenn man die Bedenken bezüglich Datenschutz und drohendem Missbrauch beiseite schiebt. Schliesslich dient die Funktion der (noch) besseren Vernetzung mit den Freunden. Sobald ein Nutzer Bilder ins soziale Netzwerk hochlädt, vergleicht Facebook die darauf abgebildeten Gesichter mit der Datenbank.

Gefahren lauern

Wird jemand erkannt, schlägt das System vor, das Gesicht zu markieren. Das heisst, das Bild wird mit dem entsprechenden Namen und Profil verknüpft. Immerhin: Facebook hat mehrfach verlauten lassen, dass sich nur Freunde gegenseitig auf Fotos «taggen» können. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass dadurch hochsensible Informationen gespeichert werden.

Angesichts der immer wieder vorkommenden Hacker-Angriffe sind die Nutzerdaten alles andere als sicher. Zum Problem könnte die Verknüpfung von Bild und Namen auch ausserhalb von Facebook werden. Schon heute existiert Software, um in den Weiten des Webs gezielt und vollautomatisch nach einem einzelnen Gesicht zu suchen. Solche Programme scannen automatisch alle gefundenen Bild-Dateien und prüfen sie auf die gesuchten biometrischen Daten.

Funktion deaktivieren

Die automatische Gesichtserkennung kann in den Privatsphäre-Einstellungen im Facebook-Profil deaktiviert werden. Sie findet sich im Bereich «Inhalte auf Facebook teilen» und heisst «Freunden Fotos von mir vorschlagen». Im Popup-Menü kann die Funktion gesperrt werden (siehe Bild).

Wer auf einem Foto eines Freundes markiert wird, erhält laut Facebook jeweils eine Mitteilung. Stört man sich an der Markierung, kann man sie löschen und damit angeblich rückgängig machen. Dass die Daten-Verknüpfung trotzdem irgendwo im allmächtigen Facebook-Gedächtnis gespeichert bleibt, muss fast angenommen werden.

Google beschwichtigte

Der Schweizer Datenschützer, Hanspeter Thür, hat sich wiederholt kritisch geäussert zur elektronischen Gesichtserkennung. In Zusammenhang mit Googles Online-Dienst Street View waren Befürchtungen wegen des Datenschutzes laut geworden. Der Suchmaschinen-Konzern musste mehrfach dementieren, dass die Gesichtserkennung bei Street-View-Aufnahmen geplant sei.

Hingegen verfügt Googles Bildbearbeitungs-Software Picasa über eine Funktion, um Gesichter von Bekannten zu erkennen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jugendarbeiterin am 08.06.2011 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    nicht so einfach

    Viele (besonders Jugendliche) haben keine Ahnung, wie sie ihre Angaben schützen können - und vor allem finden Freunde es cool, schräge Fotos auf's Netz zu stellen - also sollte dies schon nicht verharmlost werden... Ich bekomme in meinem Arbeitsumfeld so einiges mit - auf Facebook kann man auch gut Menschen blossstellen, die man nicht so mag... Bevor man entsprechend reagieren kann, sind die Fotos schon um die halbe Welt gereist...

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  • John am 08.06.2011 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    oder so?

    Irgendwann sucht die Polizei mit dieser Funktion nach den Hooligans von den Fussballspielen.

  • Roger am 08.06.2011 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach keine Bilder ins Nezt stellen

    Jeder selber schuld, der Bilder ins Internet stellt. Keiner weiss, dass seine "Freunde" mit diesen Bildern alles machen. Aber es ist mal wieder wie immer. Die Menschen überlegen erst, wenn etwas passiert ist, und dann wird auch noch so richtig herum gemozt. Stellt doch einfach keine Bilder ins netz, dann habt ihr das Problem nicht. Selbstverantwortung ist das Zauberwort. Aber eben...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • John am 08.06.2011 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    oder so?

    Irgendwann sucht die Polizei mit dieser Funktion nach den Hooligans von den Fussballspielen.

  • I know am 08.06.2011 22:08 Report Diesen Beitrag melden

    Vieleicht so?

    Ich sehe eine schöne Person, mache ein Foto und Facebook sagt mir den Namen. Ist doch alles i.o?

    • Matthias am 09.06.2011 14:10 Report Diesen Beitrag melden

      Nur Freunde

      Die Funktion ist ja nur auf Freunde beschränkt

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  • N. Teignung am 08.06.2011 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    Sicher, dass du nicht auf Facebook bist?

    Schliesslich kann jeder unter deinem Namen ein superfantasievolles Profil eröffnen, vielleicht auch mit Bildern von dir bestücken, andere in deinem Namen blöd anmachen, Käufe oder Schulden produzieren etc. etc. Es lohnt sich, mal nachzusehen.

  • momus am 08.06.2011 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    In Facebook bin ich ein Hund.

    zum Glück gibs in NY einen Hund, der genau denselben Vorname und Namen hat wie ich - ich sag allen, sie sollen mich doch als Freund hinzufügen :-) - Schützt mich allerdings nicht vor Autotagging... ich kenn den Hund persönlich nicht... aber ich bin mir sicher, der hätte sich selbst auch keinen FB-Account gemacht.

  • momus am 08.06.2011 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Kann man nun getaggt werden, wenn man nicht bei FB ist oder nicht? Ich will doch nicht einen Account anlegen, um alle drei Wochen die versehentlich verlorenen Sicherheitseinstellungen wieder und wieder einzustellen - das ist Nötigung. Ich weiss ich bin ein FB-Profil ohne dass ich dort angemeldet bin - FB schickt mir regelmässig Mails ob ich nicht beitreten möchte und ob eine Handvoll Leute nicht per Zufall kenne (klar kenn ich die, die haben auch meine E-M,ail in FB eingetippt)... und nein ich bestätige FB meine Existenz nicht indem ich noch anklicke, dass ich die Mail in Zukunft nicht mehr möchte...