Neue Funktion

02. Mai 2012 18:45; Akt: 10.05.2012 21:54 Print

Facebook sucht Organspender

Das weltgrösste soziale Netzwerk will seine Nutzer zum Spenden von Körperteilen bewegen. Der Direktor von Swisstransplant spricht von einer gefährlichen Gratwanderung.

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Noch steht die neue Funktion den Schweizer Facebook-Nutzern nicht zur Verfügung. (Bild: Colourbox)

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Es gibt zu wenig Organspender - die Wartelisten sind lang. Traurige Konsequenz: Täglich sterben Menschen, weil sie nicht rechtzeitig eine neue Niere oder ein anderes lebenswichtiges Körperteil erhalten. Das könnte sich mit Hilfe von Facebook ändern. Das weltgrösste soziale Netzwerk ermutigt seine mehr als 900 Millionen Nutzer neuerdings zur Organspende.

Mark Zuckerberg kündigte am Dienstag im US-Fernsehen an, dass sich die Facebook-Nutzer in den USA und Grossbritannien ab sofort als Organspender registrieren lassen können. Wer registriert sei, könne dies in der Facebook-Zeitleiste (Chronik) kundtun. Ob und wann dies auch für Schweizer Facebooker möglich sein wird, ist offen. Angeblich soll die Funktion in den kommenden Wochen und Monaten auf weitere Länder ausgeweitet werden. Im deutschsprachigen Hilfebereich wird der Organspenderstatus bereits erklärt.

«Gefährliche Gratwanderung»

Bei der nationalen Stiftung Swisstransplant, die hierzulande die Transplantationen koordiniert und überwacht, stösst die Facebook-Initiative nicht nur auf Begeisterung. Swisstransplant-Direktor Franz Immer spricht von einer gefährlichen Gratwanderung. Zum einen sei es sehr zu begrüssen, wenn in sozialen Netzwerken für Organspenden geworben werde und Menschen ihre Meinung in ihrem Freundes- und Familienkreis kommunizieren. Zum andern bestünden Bedenken wegen des illegalen Organhandels. «Wir wollen nicht, dass sich wildfremde Leute im Internet treffen und sich schliesslich dank Social Media eine Niere oder gar einen Teil einer Leber durch einen Lebendspender zukommen lassen.»

Das grösste Problem sei der Mangel an sogenannten Leichenspenden, sagt der Swisstransplant-Direktor - es mangle an Leuten, die sich bereit erklären, ihre Organe nach einem ärztlich festgestellten Hirntod für eine Transplantation zur Verfügung zu stellen.

Spenderkarte mitführen

Während Organspender in den USA in einem zentralen Register erfasst sein müssen, gibt es in der Schweiz kein solches Verzeichnis. Hierzulande gilt es eine unterschriebene Spenderkarte mitzuführen und so den eigenen Willen bezüglich Organspende kundzutun. Wenn keine Erklärung vorliegt, werden die Angehörigen gebeten, im Sinne des Vestorbenen zu entscheiden. Die Spenderkarte gibts bei www.swisstransplant.org oder unter der Gratis-Telefonnummer 0800 570 234.

Laut Erhebungen entscheiden sich bis zu 40 Prozent der Bevölkerung überhaupt nicht - weder für noch gegen die Organspende. Bei den anderen zwei Dritteln mangelt es häufig an der Kommunikation. Sprich: Die Leute teilen ihren Entschluss nicht ihrem persönlichen Umfeld mit. «Hier kann die Initiative von Facebook einen wichtigen Beitrag leisten, indem der Wille gefasst und kommuniziert wird», betont der Swisstransplant-Direktor.

Privates enthüllt

Mark Zuckerberg sagte am Dienstag, er sei durch seine Freundschaft mit dem verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs auf die Idee gekommen. Jobs hatte vor seinem Tod eine Lebertransplantation erhalten. Der Facebook-Chef, der sein Privatleben streng abschirmt, enthüllte im TV-Interview einige persönliche Details. So erzählte er von den Abendessen mit seiner Freundin Priscilla Chan, bei denen die Organspende-Initiative Formen angenommen habe. «Sie studiert jetzt Medizin», sagte Zuckerberg. «Sie wird Kinderärztin, darum drehen sich unsere Gespräche beim Abendessen oft um Facebook und die Kinder, die sie trifft.»

Die Initiatvie hat offenbar bereits einiges ausgelöst. In Kalifornien stieg die Zahl der Online-Registrierungen für Organspender in Kürze um 1300 Prozent an, wie US-Medien berichteten.

Mit Material der Nachrichtenagentur AP

(dsc)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich finde die Diskussionen beinahe lustig - wären sie nicht derart todernst. Grundsätzlich wird jede Aktion von Facebook verteufelt - wie jede Aktion eines (offensichtlichen) Grosskonzerns von Grund auf verteufelt wird. Unabhängig davon, welche Ziele hinter einer Tat stehen - und welche Auswirkungen dies haben wird. Ich würde es begrüssen, wenn die pauschalen Aussagen endlich der Vernunft und der kritischen Auseinandersetzung weichen würden... – whoever

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • bennn am 03.05.2012 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Hirntod? :)

    Es ist schon komisch. Den Zustand "Hirntod" gibt es seit es Organtransplantationen gibt. Es sind schon oftmals Leute wieder aus ihrem "Hirntod" wiederauferstanden! Von daher würde ich meine Innereien auch nicht spenden wollen. Ob mit oder ohne Facebook Organspenderstatus, meine Organe gehören mir! =)

  • sambu toki am 02.05.2012 23:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin froh

    Ich glaube da geht etwas Juristisch nich...da haben die wohl wieder einmal etwas zu Essen die Juristen. Habe ich Glück kein Facebook Konto geöffnet zu haben...ich bin nicht an diesen Vertrag gebunden.

  • Martin am 02.05.2012 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Platz für sowas!

    Auf FB sollte es verboten werden, Organspender zu suchen! Das ist etwas, was sich jeder gut überlegen sollte. Ich finde das den falschen Ort dafür! Aber zum Glück bin ich nicht Mitglied in diesem Verein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • terra am 03.05.2012 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    organspende nein danke

    ich hab schon einmal erlebt was ein spendeausweis bewirkt.... einen verwandten von mir haben sie ziemlich schnell fuer hirntod erklaeren wollen nur um an die organe zu kommen obwohl er jetzt wieder bei bester gesundheit ist. ich empfehle jedem das organspenden einem fammillienmitglied entscheiden zu lassen.

  • bennn am 03.05.2012 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Hirntod? :)

    Es ist schon komisch. Den Zustand "Hirntod" gibt es seit es Organtransplantationen gibt. Es sind schon oftmals Leute wieder aus ihrem "Hirntod" wiederauferstanden! Von daher würde ich meine Innereien auch nicht spenden wollen. Ob mit oder ohne Facebook Organspenderstatus, meine Organe gehören mir! =)

  • Britt am 03.05.2012 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bünzli

    Und einmal mehr liest mann in den Kommentaren das typische Muster der "Bünzlischwitzer" ich bin überzogen dass falls das im FB kommt alles Legal abläuft und wer weiss, vielleicht ist gerade so ein negativ "denker" mal froh, Hilfe über das FB zu erhalten! Ich finde dies eine super gute Idee und vorallem sicher auch Sinnvoll!!

  • whoever am 03.05.2012 00:08 Report Diesen Beitrag melden

    Verteufelung und Pauschalaussagen

    Ich finde die Diskussionen beinahe lustig - wären sie nicht derart todernst. Grundsätzlich wird jede Aktion von Facebook verteufelt - wie jede Aktion eines (offensichtlichen) Grosskonzerns von Grund auf verteufelt wird. Unabhängig davon, welche Ziele hinter einer Tat stehen - und welche Auswirkungen dies haben wird. Ich würde es begrüssen, wenn die pauschalen Aussagen endlich der Vernunft und der kritischen Auseinandersetzung weichen würden...

  • sambu toki am 02.05.2012 23:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin froh

    Ich glaube da geht etwas Juristisch nich...da haben die wohl wieder einmal etwas zu Essen die Juristen. Habe ich Glück kein Facebook Konto geöffnet zu haben...ich bin nicht an diesen Vertrag gebunden.