Facebook

04. Juni 2010 17:51; Akt: 07.10.2010 08:45 Print

Datenschutz-Diskussion lässt User kalt

Während Politik, Medien und die Tech-Elite nicht müde werden, Facebooks Datenschutzbestimmungen zu kritisieren, bleibt die breite Masse dem sozialen Netzwerk treu.

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Im Kreuzfeuer der Kritik: Facebook-CEO Mark Zuckerberg

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Wer sich in den vergangenen Monaten vor allem in einschlägigen Blogs über Facebook informierte, konnte schnell das Gefühl kriegen, die Tage des Social-Media-Giganten seien gezählt. Prominente Stimmen der amerikanischen Tech-Community wie Leo Laporte, Jason Calacanis oder Peter Rojas deaktivierten unter lautem Getöse ihre Accounts, ebenso wie zahlreiche Angestellte von Google.

Die Medien nahmen das Thema auf und berichteten über immer neue Probleme mit Datenlecks. Schliesslich schaltete sich auch noch die Politik ins Geschehen ein, und das sowohl in den USA als auch auf dem Alten Kontinent: Während US-Senatoren wie der New Yorker Charles Schumer eine Änderung der sogenannten «Instant Personalization» forderten, mit der Dritt-Webseiten auf die Facebook-Daten eines Besuchers zugreifen können, verkündete die deutsche Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, sie werde gleich ganz aus Facebook austreten. «Ich werde meine Mitgliedschaft beenden,» schrieb sie am 3. Juni in einer offiziellen Mitteilung. «Als Verbraucherschutzministerin kann und will ich es nicht akzeptieren, dass ein Unternehmen wie Facebook gegen das Datenschutzrecht verstösst und die Privatsphäre seiner Mitglieder ignoriert.» Das Thema sei für sie damit aber noch nicht erledigt: Sie werde so lange nicht ruhen, bis sich der Datenschutz entscheidend verbessert.

CEO wirkt hilflos

Gegenüber diesem Sperrfeuer der Kritik wirkt Facebook-CEO Mark Zuckerberg seltsam hilflos. Als er am 2. Juni an der D8-Konferenz, einem der wichtigsten Anlässe der Tech-Welt mit Gästen wie Steve Jobs (Apple) oder Steve Ballmer (Microsoft), von zwei Reportern des «Wall Street Journal» zu diesen Themen befragt wurde, drückte sich der 26-Jährige um eine klare Antwort, schien überfordert zu sein. Im Laufe des Gesprächs bildeten sich immer mehr Schweisstropfen auf seiner Stirn, gegen Ende musste er sich sogar seines Kapuzenpullis entledigen. Er räumte zwar ein, dass es im Laufe der Zeit für die User zu kompliziert geworden sei, die Privatsphären-Einstellungen zu verwalten. Als Gegenmassnahme habe man aber die Einstellungen übersichtlicher gestaltet. Und: Bislang habe bereits die Hälfte der Facebook-Nutzer mindestens einmal die Datenschutz-Einstellung verändert: «Für mich ist das ein Signal, dass wir es richtig machen und den Leuten die Kontrolle geben, die sie wollen.»

User bleiben Facebook treu

Dabei hat er eigentlich nur wenig Grund zur Sorge: Die überwältigende Mehrheit der User scheint keine Probleme damit zu haben, wie Facebook mit ihren Daten umgeht. Eine Gruppe von Aktivisten um die beiden kanadischen Webdesigner Joseph Dee und Matthew Milan hatte Gleichgesinnte dazu aufgerufen, Facebook für immer zu verlassen und ihre Accounts zu löschen. Sie proklamierten den 31. Mai zum «Quit Facebook Day» und rechneten mit einem Massenexodus, zumal ihr Anliegen wiederum via Blogs den Weg in die Mainstream-Medien fand. Es kam aber ganz anders: Nur etwas mehr als 36 000 User machten am Ende bei der Aktion mit, was bei aktuell rund 450 Millionen Mitgliedern fast schon lächerliche 0,008 Prozent ausmacht. Noch unbedeutender wird diese Zahl, wenn man sich vor Augen führt, dass der Dienst im Jahr 2009 täglich weit über eine halbe Million Neuanmeldungen verzeichnete.

Diskussion hinterlässt Spuren

Auch wenn solche Zahlen eine deutliche Sprache sprechen, geht die konstante Berichterstattung nicht ganz spurlos an der Community vorbei: Während es lange Zeit zum guten Ton gehörte, sein Facebook-Profil mit dem echten Namen zu beschriften, häufen sich seit einiger Zeit die Fantasienamen im Netzwerk. Auch wenn das letztendlich nur einen sehr löchrigen Schutz vor neugierigen Augen bietet, gibt es den betreffenden Usern doch zumindest das Gefühl von ein bisschen mehr Anonymität.


Was ist ihre Meinung zur Privatsphäre bei Facebook? Lassen Sie es uns im Talkback wissen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manuel Kast am 04.06.2010 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    Internet

    Also grundsätzlich kann man sowieso sagen, was im Internet ist, ist nicht mehr privat! ich finde diese diskusion vollkommener schwachsinn. Wer nicht will das seine Daten, Fotos usw betrachtet werden, soll sie einfach bei sich behalten. und wer bereit ist, das risiko ein zu gehen, dass ein fremder seine Fotos sieht, soll zu facebook. Heutzutage werden eh fast alle freundschaftsanfragen einfach bestätigt, ohne dass man die person kennt.

  • El Bi am 04.06.2010 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Facebook ein niemmand

    Leider ist es als Jugendlicher heute so das man Facebook haben muss. Es wird von jedem erwartet das man ihn im Facebook findet. Klar man bei Facebook sein MUSS keiner, aber wer will sich schon selber ausschliessen? Die Idee hinter Facebook ist gut, jedoch sollte so ein mächtiger Dienst der wohl fast mehr Daten über die Bevölkerung hat nicht von einer ausländischen, gierigen Firma kontroliert werden sondern eher von einer internationaler Organisation wie der UNO oder so..

  • Sandro Norana am 04.06.2010 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Milliardenfirma - Keine Ahnung von nicht

    Zuckerberg stammt aus einer wohlhabenden Familie. Facebook klaute er von anderen Studenten. Sein IQ scheint dennoch nicht gerade hoch zu sein... Aber dennoch.. jeder FB-User ist ein Ziel für Datensammler.

Die neusten Leser-Kommentare

  • SJ am 09.06.2010 03:56 Report Diesen Beitrag melden

    ????

    Was ist Facebook??

  • surtic am 07.06.2010 07:06 Report Diesen Beitrag melden

    Datenschutz-Diskussion-laesst-User-kalt

    "Die überwältigende Mehrheit der User scheint keine Probleme damit zu haben" Sorry 20min aber, dass ist doch mal wirklich übertrieben und falsch. Ihr wisst genau wie alle anderen dass die meisten User gar keine Ahnung haben was abgeht. Desweiteren kann man auch in FB aktiv sein ohne zu viel Daten von sich Preis zugeben. Ich werde auch noch länger in FB aktiv bleiben, da ich so zu vielen alten bekannten gut in Kontakt bleiben kann. Jaja es gibt Email usw. doch ist dies sehr umständlich für die meisten Nutzer. Meine Hoffnung liegt in den jungen SocialNetwork Projekten die sich dem Datenschuz

    • kundus am 08.06.2010 11:04 Report Diesen Beitrag melden

      Voreilig

      Ehm 20min. habt ihr eine Umfrage gemacht? Die meisten haben keine kontrolle über ihre Daten auf FB. Doch nicht alle sind so gedankenlos und lassen jeden User auf das Profil und sammeln Freunde wie Sonnenstrahlen im Sommer! Und wie sieht es eigentlich mit Google aus? Die wissen mehr über jeden einzelnen User (ob FB oder nicht) als man sich erdenken kann.

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  • Rolf Raess am 06.06.2010 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Der einzige, wirkliche Datenschutz

    ist die Sammler (Staat, Polizei, Zoll, und private Abzocker etc.) mit Daten zumüllen. Echte oder falsche Daten können Verwendung finden und erst wenn sie im Datenmüll versoffen sind, haben wir Ruhe. Zuerst versauen sie natürlich noch unser Steuergeld, siehe Schengen-Computer-System - soll ich weinen oder lachen? ;-(

  • Stefan Bosshard am 05.06.2010 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    überflüssig

    Ich habe noch nie begriffen, für was Facebook gut sein soll und welchen Sinn Facebook haben soll. Deshalb war ich auch noch nie Mitglied von Facebook und werde es auch in Zukunft nie werden. Damit löst sich das Datenschutzproblem von selbst.

  • Mathias am 04.06.2010 23:40 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe auch keinen Bock....

    ...den ganzen Müll vom Zuckerberg brav durchzulesen und immer wieder in meinen Datenschutzeinstellungen nachzusehen, ob die Häkchen noch am richtigen Ort sind. Und ich mache mir wegen meiner Privatsphäre auch keine Sorgen, nur weil ich zum Beispiel in der Paprikachips-Fangruppe bin. Vielleicht sind die Facebook-User viel cleverer als Ihr alle dachtet. Ich jedenfalls lade weder verfängliche Bilder hoch, noch publiziere ich heikle Daten. Was meine engsten Freunde wissen müssen, wissen sie auch ohne Facebook. Das klappt alles prima. Und die Cumuluskarte haben wir ja auch alle. So what?

    • Reto am 07.06.2010 10:00 Report Diesen Beitrag melden

      sehr recht

      Super genau so sollte es auch sein :)

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