IQ-Tests und Co

06. November 2009 10:14; Akt: 17.11.2009 10:26 Print

Facebook kämpft gegen Abzocker

von Henning Steier - Das Community-Portal hat erneut grosse Werbenetzwerke gesperrt. Sie lockten Mitglieder mit betrügerischen Anzeigen auf ihre Seiten. Ausserdem räumte das soziale Netzwerk ein, dass der Kampf gegen Betrüger noch lange nicht vorbei ist und rief seine User zur Mithilfe auf.

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Facebook hat erneut ein Werbenetzwerke, die Nutzer mit Abzocker-Anzeigen bombardierten.

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Wie 20 Minuten Online berichtete, hat Facebook immer wieder mit Anzeigen für dubiose Web-Angebote zu kämpfen. So warb der Anbieter Bobmobile für einen angeblichen IQ-Test, der sich als Abo-Falle fürs Handy entpuppte, wenn man das Kleingedruckte übersah. Buongiorno trommelte für sein Gewinnspiel, bei dem Nutzer angeblich ein MacBook absahnen konnten. Auch hier schloss man ein teures Abonnement ab, wenn man nicht aufpasste.

Nun hat Nick Gianos vom Entwicklerteam im Developers-Forum geschrieben, dass man seit der Einführung der neuen Nutzungsbestimmungen für Anzeigen im Juli kürzlich zwei grossen Werbenetzwerken den Zugriff auf die Seite verwehrt hat - damit sind es insgesamt vier. Seit Juli habe man ausserdem über 100 Anwendungen entfernt, weil diese die Regeln für Werbung verletzt hätten, so Gianos weiter. Mehr als die Hälfte der Tools hatte monatlich über eine Million Nutzer. 70 Prozent der Facebook-Mitglieder nutzen Applikationen.

«Betrügerische Anzeigen sind ein grosses Problem im Netz», schreibt Gianos, «der Kampf gegen sie dauert schon lange und ist noch lange nicht vorbei.» Der Entwickler wies daher auf ein eigens eingerichtetes Web-Formular hin, über das Nutzer verdächtige Anzeigen melden können. Ob Facebook selbst mehr Mitarbeiter einsetzen will, um die Werbung vor ihrer Veröffentlichung zu prüfen, wurde bislang nicht bekannt.

Schwere Flash-Lücke

Eine grosse Lücke hat Facebook ebenso wie MySpace immerhin kürzlich geschlossen. Sie war vom niederländischen Programmierer Yvo Schaap entdeckt worden. Mit einigen Flash-Anwendungen konnte man alle Daten eines anderen Facebook-Nutzers einsehen, erläuterte Schaap auf seiner Webseite. Am einfachsten sei es, wenn ein User zur selben Zeit wie sein Ausspäher bei Facebook angemeldet war oder die automatische Login-Funktion nutzte. Wie der Web-Entwickler schreibt, machte er Facebook und MySpace umgehend auf die Sicherheitslücke aufmerksam. Die Portale schlossen sie daraufhin.

Erst kürzlich war mit Sanford Wallace einer der bekanntesten Spammer verurteilt worden. Facebook bekam von einem Gericht in San Jose eine Entschädigung von 711 Millionen US-Dollar zugesprochen. Sam O'Rourke aus der Rechtsabteilung des Unternehmens schrieb aber im Firmen-Blog, man rechne allerdings damit, einen Grossteil der Summe nicht zu bekommen. O'Rourke sieht das Urteil vor allem als Abschreckung für Spammer. Denn das Gericht hatte die Staatsanwaltschaft aufgefordert, weiter gegen Wallace zu ermitteln. Am Ende könnte für Wallace eine Gefängnisstrafe herausspringen, so O'Rourke weiter. Wallace und seine Komplizen hatten Nachrichten an Millionen Facebook-User über E-Mail-Adressen verschickt, die sich die Spammer illegalerweise besorgt hatten. Die Mitteilungen enthielten Links zu Webseiten, deren Betreiber die Cyberkriminellen für jeden Klick bezahlten.

Auch wegen seiner unpräzise formulierten Datenschutzbestimmungen wurde Facebook oft kritisiert. Auf Druck der kanadischen Datenschutzbeauftragten Jennifer Stoddart hatte das Portal daraufhin kürzlich neue Regeln ins Netz gestellt, zu denen sich die User noch bis heute Abend äussern können.


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