Kooperation

13. Oktober 2010 21:14; Akt: 26.10.2010 15:44 Print

Menschen sollen Computer schlagen

von Henning Steier - Microsoft und Facebook arbeiten noch enger zusammen. Die Suchmaschine Bing zeigt nun auch Ergebnisse, die Freunden gefallen. Der Datenschutz soll darunter nicht leiden.

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Bing: Links die neue Trefferliste mit Freundesergebnissen, rechts die alte

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«Die Suche wird besser - durch Freunde», sagte Yusuf Mehdi zu Beginn der Veranstaltung in San Francisco, «wir haben unsere Zusammenarbeit mit Facebook im Jahr 2006 begonnen, als das soziale Netzwerk schätzungsweise 50 Millionen Nutzer hatte und nun erreicht unsere Kooperation eine neue Qualität». Wie das geschehen soll, erläuterte Microsofts Senior Vice President Online Audience Business unter anderem an diesen Beispielen: «Wenn ich mit meiner Frau den Film «Inception» sehen möchte oder mich frage, wo man im Netz die besten Möbel kaufen kann, kommen die besten Antworten nicht von Websites, sondern von Leuten, die mich kennen.» Oder wie es im Beatles-Song heisst: «With a little help from my friends».

Wir seien sei auf dem Weg vom Web der Dokumente zum Netz der Menschen. Im Zentrum stehe Facebook mit seinen 500 Millionen Mitgliedern, die Informationen teilten, erläuterte Qi Lu, President Online Services Division bei Microsoft. 50 Prozent der Menschen holten vor einer Entscheidung den Rat von Freunden ein, heisst es dazu passend im Bing-Blog, ohne dass präzisiert wird, woher Microsoft diese Zahl hat, daher ist sie wohl nur als Trendwert zu sehen.

Diesem folgend können sich Bing-Nutzer nun in den Suchergebnissen Treffer anzeigen lassen, die von Freunden mit dem Gefällt-mir-Button markieren Seiten basieren. In der klassischen Liste erscheinen beispielsweise Bars in Zürich weit oben, die gut und oft bewertet wurden. Nun können Ergebnisse prominent auftauchen, die von Freuden gemocht wurden. Voraussetzung ist, dass der Nutzer bei Facebook eingeloggt oder noch ein Cookie des sozialen Netzwerkes aktiv ist, wenn er Bing besucht und zustimmt.

Freunde von Freunden finden

Vier Prozent der Suchanfragen drehten sich um Menschen, sagte Mehdi und präsentierte dazu passend eine zweite Neuerung: Zu eingegebenen Namen passende Treffer aus Facebook-Profilen. Diese werden beispielsweise von Bing vorgeschlagen, weil Freunde mit ihnen befreundet sind. Wer mag, kann den Treffern direkt über Bing eine Nachricht schicken oder ihnen einen Freundschaftsanfrage schicken. Um die Privatsphäre der Facebook-Mitglieder zu schützen, sollen nur Inhalte und Profile angezeigt werden, die Nutzer für die Öffentlichkeit freigegeben haben. Aus diesem Grund können Freunde auch nicht sehen, wonach man mit Bing gesucht hat.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg war ebenfalls auf der Medienkonferenz zugegen und lieferte unter anderem einen kurzen Rückblick auf die Zusammenarbeit mit Microsoft. «Wir hatten damals erst sieben statt 50 Millionen Nutzern, als unsere Kooperation begann», sagte er grinsend an Yusuf Mehdi gewandt. Microsoft sei der ideale Partner für solche Neuerungen. Schliesslich seien die Redmonder bei der Websuche der Underdog und für solche hätte er ein Herz. Laut aktuellen Zahlen von Net Applications verzeichnete Google im September weltweit rund 83 Prozent aller Suchanfragen, Bing hingegen 3,3 Prozent. Yahoo kam auf 6,3 und Baidu auf knapp fünf Prozent.

1,6 Prozent für 240 Millionen US-Dollar

Microsoft und Facebook arbeiten in vielen Bereichen eng zusammen. Beispielsweise basiert die kürzlich eingeführte Ortungsfunktion Places auf Bing Maps und Suchanfragen auf Facebook werden von Bing ausgeführt. Hintergrund dürfte aber auch sein, dass die Redmonder im Oktober 2007 einen Anteil von 1,6 Prozent am sozialen Netzwerk erworben und dafür 240 Millionen US-Dollar bezahlt hatten. Zudem hat Konkurrent Google mit Orkut ein eigenes soziales Netzwerk, das allerdings vor allem in Brasilien und Indien populär ist. Seit längerem halten sich aber Gerüchte, der Suchmaschinist arbeite an einer neuen Community namens Google Me. Trotzdem sagte Zuckerberg auf eine Journalistenfrage, ob eine Zusammenarbeit mit Google ausgeschlossen sei, man wolle natürlich mit vielen Anbietern koopieren. Konkreter wurde er nicht. Auf die Frage, ob Microsoft Facebook Geld für die Nutzung der Daten zahle, wollten Mehdi und Zuckerberg nicht antworten. Der Microsoft-Manager wollte auch nichts sagen, als er gefragt wurde, ob eine Zusammenarbeit mit weiteren sozialen Netzwerken geplant sei.

Google bietet mit Social Search eine Funktion, die ebenfalls Treffer aus dem Freundeskreis liefern soll und beispielsweise Blogs, öffentliche Profile, Tweets und Artikel aus dem Google Reader berücksichtigt. Microsoft dürfte mit Facebook aber vorn liegen, weil die verfügbaren Datensätze weitaus grösser sind und damit bessere Treffer möglich sein sollen. In wie viel Prozent der Tests die mit Freundesergebnissen angereicherten Trefferlisten besser als die klassischen waren, wollte Qi Lua allerdings nicht verraten. Am Ende dürfte es dabei also darauf ankommen, wie sehr Interessen und Fähigkeiten der Facebook-Freuden den eigenen ähneln.