Konkurrenzkampf

27. April 2010 05:29; Akt: 27.04.2010 11:36 Print

So will Facebook zur Nummer 1 im Web werden

Das soziale Netzwerk ist dabei, seinen Einfluss auf das ganze Internet auszudehnen und dabei Google zu attackieren.

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Mark Zuckerberg greift Google an.

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Es will seinen Nutzern eine Personalisierung aller möglichen Websites bieten, was weitreichende und nach unabsehbare Folgen haben könnte. «Wenn ich Google wäre, dann würde ich Angst bekommen, weil Facebook mit mehr Informationen (über die Internetnutzer) dastehen könnte als sie», sagt Alain Chuard von der Marketingfirma Wildfire. «Google ist nur ein Algorithmus, aber Facebook könnte das Web beherrschen.» Anlass für die fast schon überschwänglichen Äusserungen war die Konferenz f8 in San Francisco, auf der Facebook mit hohem Anspruch neue Tools für Softwareentwickler vorstellte. «Das Internet ist jetzt an einem wichtigen Wendepunkt», verkündete Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Bislang hätten die meisten Webanwendungen noch nicht die wahren Identität der Nutzer verwendet. «Das verändert sich jetzt.»

Erreicht werden soll dies mit den Programmen, die Entwickler zur stärkeren Personalisierung von Websites nutzen sollen. Sobald sich ein Nutzer bei Facebook angemeldet hat, würden sich neue Websites, die er besucht, entsprechend seinem Facebook-Profil verändern. Je nachdem, was er dort als Vorlieben angegeben hat, könnte er dann in Zukunft beim Besuch einer Musikseite zum Beispiel sofort den neuesten Song seiner Lieblingsband vorgespielt bekommen. Auf einer Nachrichtenseite würde er sofort sehen, was seine Freunde hier schon gut fanden. Und mit einem Klick auf einen «like»-Button kann er Informationen, die er interessant findet, anderen mitteilen.

Das setzt natürlich voraus, dass die anderen Websites die Facebook-Profile einsehen und verwenden können - was viele datenschutzrechtliche Fragen aufwirft. «Wie viele Leute wollen wirklich alle über sie gespeicherten Informationen mit anderen teilen?» fragt Greg Sterling, ein Analyst, der für SearchEngineLand.com schreibt. «Das ist die grosse Frage.» Mit seinen Neuerungen hatte Facebook in der Vergangenheit nicht immer ein glückliches Händchen, was den Datenschutz betrifft. Dieses Mal, so verspricht Zuckerberg, werde Facebook sicherstellen, dass die neuen Tools nicht die Privatsphäre der Nutzer verletzten. Es gehe bei dem «like»-Tool nur darum, den Nutzern mehr Kontrolle darüber zu geben, was sie mit ihren Online-Freunden teilen wollten.

Wenn die Nutzer die Neuerungen annehmen, dann kann Facebook wertvolle Informationen gewinnen, die bei der Gewinnung von Werbung sehr nützlich wären. Hier könnte dann auch eine direkte Konkurrenz zu Google entstehen, dass die Werbung meist nach den eingetippten Suchbegriffen schaltet. Werbung in sozialen Netzwerken ist derzeit zwar noch eher ein Randbereich, aber er wächst. Nach Schätzungen der Marktforschungsfirma eMarketer werden in diesem Jahr in den USA für Internetwerbung 23,6 Milliarden Dollar ausgegeben, 5,5 Prozent davon in sozialen Netzwerken. 2008 waren es noch fünf Prozent.

Zuckerberg, der im nächsten Monat 26 Jahre alt wird, erklärte, die neuen Tools würden zunächst wohl anderen Websites und Entwicklern mehr Umsatz bringen. Er räumte aber ein, dass eine Menge anderer Dinge möglich würden, je mehr Facebook über die Interessen der Nutzer wisse.

(ap)