Virtuelle Währung

26. Januar 2011 12:39; Akt: 26.01.2011 13:28 Print

Wann gründet Mark Zuckerberg eine Bank?

Die «Facebook Credits» sind ab dem 1. Juli die offizielle Währung, um im grössten sozialen Netzwerk der Welt einzukaufen. Und das ist erst der Anfang des neuen Online-Bezahlsystems.

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Mark Zuckerberg hat seinen eigenen «Facebook-Dollar». Millionen User sollen damit bezahlen.

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600 Millionen registrierte Nutzer zählt Facebook. Das sind alles potenzielle Kunden, die auch in der virtuellen Welt einkaufen können. Wie kürzlich auf dem Entwickler-Blog mitgeteilt wurde, gelten ab Mitte Jahr einheitliche Bestimmungen für das Bezahlen im grössten sozialen Netzwerk. Alleinige virtuelle Währung sind ab 1. Juli die sogenannten Facebook Credits.

Facebook-Mitglieder können damit in Spielen und Anwendungen virtuelle Dinge kaufen, etwa einen neuen Traktor für ihren Farmville-Bauernhof. Eine einheitliche Währung sei gut für Entwickler und Nutzer, sagt Facebook. Aus Nutzersicht bietet die Credits den Vorteil, dass in allen Facebook-Apps mit der gleichen Währung bezahlt wird. Wie bei Apples Online-Store iTunes muss man nur noch einmal die Kreditkartendaten hinterlegen.

Ein weiterer Vorteil ist die sogenannte «Buy with Friends»-Option. Damit wird den Facebook-Usern ermöglicht, die Credits gemeinsam mit Freunden zu nutzen. Eltern können etwa die Zahlungen für ihre spielenden Kinder übernehmen.

Dickes Geschäft

In US-amerikanischen Supermärkten werden auch bereits Gutschrift-Karten verkauft, damit die User ihr Credits-Konto ohne Kreditkarte aufstocken können. Wann die entsprechenden Karten an den Kassen von Migros und Coop erhältlich sein werden, ist offen.

Natürlich ist das Online-Bezahlsystem ein dickes Geschäft für die Mutterfirma. Facebook will als Provision 30 Prozent der Umsätze behalten. Damit erweitert das Unternehmen neben dem Verkauf von Online-Werbung seine zweite grosse Einnahmequelle. Analysten gehen von einem gewaltigen Marktpotenzial aus. Laut engadget.com werden dieses Jahr mit Social Gaming und dem Verkauf virtueller Güter mehr als 7 Milliarden Dollar umgesetzt.

Mit der wachsenden Attraktivität der virtuellen Währung werden aber auch warnende Stimmen laut. Wo viel Geld verdient werde, seien die Kriminellen nicht weit. Facebook dürfte derweil bereits mit neuen Geschäftsstrategien beschäftigt sein. Das hauseigene Online-Bezahlsystem könnte für alle möglichen digitalen Güter verwendet werden. Vielleicht lassen sich in Zukunft auch Kinotickets, Musik und andere Webangebote mit Credits bezahlen.

Dann würde Facebook in Konkurrenz treten mit anderen Online-Bezahlsystemen wie Paypal. Als globaler Player, der über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, könnte Facebook auch versuchen, ins Geschäft mit mobilen Bezahlsystemen einsteigen. Ob sich Mark Zuckerberg auch bereits mit der Vision einer eigenen Bank beschäftigt, ist offen.

(dsc)