Fragen und Antworten

25. September 2011 13:27; Akt: 27.09.2011 13:29 Print

Was das neue Facebook für die Nutzer bedeutet

Das weltgrösste soziale Netzwerk hat neue Funktionen vorgestellt, die die Internet-Gemeinde in Aufregung versetzten. Doch was hat es mit den Neuerungen auf sich?

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg präsentierte an der Entwicklerkonferenz f8 am 22. September 2011 das neue Facebook-Profil namens Timeline. (Bild: Paul Sakuma)

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Facebook hat anlässlich der Entwicklerkonferenz f8 in San Francisco einige bahnbrechende Neuerungen für das soziale Online-Netzwerk vorgestellt. Wir haben die wichtigsten Fragen und die Antworten darauf.

Was hat sich verändert?

Die wichtigsten neuen Funktionen, die Facebook-Gründer Marc Zuckerberg vorstellte, heissen «Ticker» und «Timeline».

Was ist der «Ticker»?

Über den «Ticker» sollen Nutzer laufend über die neuesten Aktivitäten ihrer Facebook-Freunde informiert werden - vom Musikhören über das Nachrichtenlesen bis hin zum Nutzen von Videospielen. Anders als bisher müssen die Nutzer nicht mehr aktiv mitteilen, was sie gerade machen. So werden externe Internetdienste deutlich stärker eingebunden - Facebook wittert dort ein grosses Geschäft. Der «Ticker» führt auch dazu, dass sich Facebook-Nutzer immer weniger auf andere Seiten begeben müssen, um externe Dienste zu nutzen - das soziale Netzwerk wird damit zum Rundumanbieter.

Was ist die «Timeline»?

Diese neue Funktion könnte grosse Auswirkungen auf das soziale Leben der Nutzer haben, denn sie soll nichts weniger als das gesamte Leben abbilden. Über die an ein Tagebuch erinnernde Funktion können online die wichtigsten Fotos und Texte hinterlegt werden, die Facebook-Nutzer über die Jahre miteinander geteilt haben. Bislang werden ältere Einträge durch neuere verdrängt und sind nur noch umständlich aufzurufen.

«Die Neuerungen werden grosse Auswirkungen darauf haben, wie wir gemeinsam erinnern und vergessen», sagt Nico Lumma, Internetpionier und heute Director Social Media bei der Werbeagentur Scholz & Friends. In den Familienalben der 40er- und 50er-Jahre habe es oft nur ein Foto pro Jahr gegeben. Heute hätten die Leute massenhaft Bilder, die sie in den digitalen Erinnerungsalben organisieren könnten, sagt Lumma. «Die Timeline ist quasi ein lebendiges Familienalbum, das mit Freunden verknüpft ist.»

Was will Facebook damit erreichen?

Das Netzwerk will sich unersetzlich machen. Wer einmal Facebook zum lebenslangen Foto- und Erinnerungsalbum umgestaltet hat, wird wohl kaum noch darauf verzichten wollen. Ausserdem bieten sich durch die zusätzlichen Informationen, die die Nutzer preisgeben, vielfältige Geschäftsmöglichkeiten für den Internetkonzern. Je mehr die Werbewirtschaft über einen Nutzer weiss, desto besser kann sie ihm massgeschneiderte Reklame zukommen lassen. Facebook kostet den Nutzer zwar nichts, dennoch verdient das Unternehmen blendend an der Werbung.

«Die Ideen sind nicht neu, aber es ist das erste Mal, dass Facebook mit seinen 800 Millionen Nutzern sie anwendet», sagt Lumma. Die Unternehmen versuchten zu erreichen, die Leute zu binden und dazu zu bringen, immer wiederzukommen. «Das ist kein Sprint, sondern eher ein Marathon.»

Welche Gefahren gibt es?

Datenschützer sehen die Neuerungen äusserst kritisch. Warnten sie die Internetnutzer bisher schon (oft erfolglos) davor, ihre persönlichen Daten grosszügig im Internet und besonders in sozialen Netzwerken zu streuen, so vervielfacht das neue Facebook die Sorgen vor dem «gläsernen Surfer» noch. «Jeder sollte sich bewusst sein, dass einmal eingetragene Daten der eigenen Kontrolle entzogen werden», sagt Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar.

Sein streitbarer Kollege Thilo Weichert aus Schleswig-Holstein, der bisher schon gegen den «Gefällt mir»-Knopf des Netzwerks Sturm lief, warnt ebenfalls vor den neuen Funktionen. Facebook wolle sein Geschäftsfeld erweitern, die Nutzer wüssten nicht, wozu ihre Daten benutzt würden.

Was können Internetnutzer tun, um ihre Daten zu schützen?

«Ich kann jedem nur raten, entweder ganz die Finger davon zu lassen oder es sehr vorsichtig zu nutzen», sagt Weichert. Er habe zwar ein Facebook-Profil, er trete dort aber nur unter Pseudonym auf. Internetnutzern rät er, nicht nur einem grossen Unternehmen wie Facebook, Google oder Apple alle Daten anzuvertrauen. Wer verschiedene unabhängige Dienste nutze, mache es den Unternehmen schwerer, verschiedene persönliche Angaben zusammenzuführen.

(ap)