Heute top, morgen Flop

18. Mai 2012 14:35; Akt: 18.05.2012 18:28 Print

Facebook droht die MySpace-Falle

von Oliver Wietlisbach - Das Netzwerk steht heute da, wo MySpace 2007 war: am Höhepunkt. Die Konkurrenz ist gebodigt, doch das Wachstum verlangsamt sich. Noch schlimmer: Neue Rivalen stehen vor der Tür.

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Von 2004 bis 2006 sah Facebook gegenüber MySpace noch ziemlich alt aus. Dann zündete Zuckerberg den Turbo und überflügelte die einstige Nummer 1 Anfang 2008. Die Popularität zeigt sich auch bei den steigenden Suchanfragen bei Google (Bild). Twitter ist mit 140 Millionen aktiven Nutzern gegenüber den 900 Millionen von Facebook im Hintertreffen, aber trotzdem die klare Nummer 2. Seit 2011 wächst Facebook deutlich langsamer, auch in der Schweiz. Das geringere Wachstum zeigt sich auch bei den Suchanfragen nach Facebook bei Google, wie die Grafik zeigt. Vor allem in den USA scheint der Markt gesättigt zu sein. Dafür angelt sich Zuckerberg in Schwellenländern in Asien und Südamerika neue Kunden. Fast drei Millionen Schweizer haben Facebook im März 2012 genutzt. Seit Anfang Jahr hat die Nutzerzahl nochmals um 3,2 Prozent zugelegt. Mark Zuckerbergs Facebook zieht vor allem ältere Semester an. Bei den ganz Jungen (unter 15 Jahren) verliert das Netzwerk massiv Nutzer. Bei den Teens und Twens ist der Plafond erreicht, die Zahlen stagnieren. Im März 2012 war erstmals fast die Hälfte der Facebooker (48 Prozent) über 30 Jare alt. Mit dem steigenden Durchschnittsalter steigt auch die Kaufkraft der Mitglieder, was Facebook noch wertvoller macht. Acht Jahre nach der Gründung gibt es 900 Millionen Facebooker. Ein Schatten seiner selbst: Ende 2007 hatte der Social-Network-Pionier MySpace rund 220 Millionen Mitglieder, Ende 2011 waren es noch 30 Millionen. Der dramtasiche Rückgang widerspiegelt sich auch in den Suchanfragen bei Google. Google+, das soziale Netzwerk von Google, legte Mitte 2011 einen fulminanten Start hin. Inzwischen ist das Interesse der User aber stark gesunken. Konkurrenz erwächst Facebook von Twitter. Das Interesse bei Google am 140-Zeichen-Netzwerk steigt stetig. Einen kometenhaften Aufstieg legte in den letzten Monaten Pinterest hin. Die Nutzer können Bilder von allen erdenklichen Produkten mit Beschreibungen an virtuelle Pinnwände heften. Nach dem Hype um Pinterest gehen die Suchanfragen bei Google aber bereits wieder zurück.

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Facebook sitzt auf den ersten Blick bequemer auf dem Social-Network-Thron denn je. Über 900 Millionen aktive Nutzer zählt das globale Netzwerk und seit dem heutigen Börsengang ist der Konzern 104 Milliarden Dollar schwer.

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Die Idee einer weltumspannenden Netz-Community war zwar nicht Mark Zuckerbergs Idee, der ehemalige Harvard-Student hat aber in den letzten Jahren fast alle Rivalen in die Nische gedrängt. Einzig in einigen asiatischen Ländern, Russland und teilweise Brasilien konnte sich die lokale Konkurrenz behaupten.

Untergang eines Pioniers

Anno 2004, als der Informatik- und Psychologiestudent die erste Version von «The Facebook» für seine Harvard-Kommilitonen online stellte, gab es bereits an diversen anderen Unis ähnliche Community-Projekte. Die Social-Network-Pioniere Friendster und MySpace gingen bereits 2002 respektive 2003 an den Start und zählten nach wenigen Monaten mehre Millionen Mitglieder.

Ende 2007 war MySpace auf dem Höhepunkt seiner Popularität angelangt. Rund 220 Millionen Menschen loggten sich regelmässig ein. Bereits im Mai 2008 wurde MySpace aber als grösstes Soziales Netzwerk von Facebook abgelöst. Seit der Wachablösung laufen die Mitglieder scharenweise zu Facebook über, allein 2010 verlor MySpace knapp 50 Millionen Nutzer. Ende 2011 sollen noch rund 30 Millionen Nutzer aktiv gewesen sein.

Facebook ist heute dort, wo MySpace vor vier Jahren war. Nach Jahren des schnellen Aufstiegs verlangsamt sich das Wachstum nun (siehe Bildstrecke). Bis heute ist es keinem sozialen Netzwerk gelungen, seine Mitgliederzahlen langfristig zu halten. Droht Facebook also das gleiche Schicksal wie MySpace? Nur die Zeit wird diese Frage beantworten können.

Google+ auf verlorenem Posten

Dass es enorm schwierig ist, gegen Zuckerbergs 900-Millionen-Community zu bestehen, muss derzeit auch Google erfahren. Trotz des Bekanntheitsgrads der Suchmaschine steckt Google+ knapp ein Jahr nach der Lancierung im Quotentief. Zwar vermeldete Google unlängst 170 Millionen GooglePlus-Nutzer, die wenigsten davon dürften indes aktiv sein. Die meist männlichen Nutzer verbringen angeblich nur wenige Minuten pro Monat im sozialen Netzwerk. Das «Wall Street Journal» bezeichnete Google+ im Februar daher bereits als «Geisterstadt».

Google selbst äussert sich nicht dazu, wie viele Nutzer wirklich aktiv sind. Der Popularitäts-Index (siehe Bildstrecke) enthüllt jedoch, dass das soziale Netzwerk Google+ nach dem gewaltigen Hype bei der Lancierung nur noch selten bei Google gesucht wird.

Twitters langsamer Aufstieg

Mit seinen auf 140 Zeichen begrenzten Kurzbotschaften grenzt sich Twitter deutlich vom Gemischtwarenladen Facebook ab. Die Strategie trägt langsam Früchte. Twitter erreicht zwar noch nicht die gleichen Massen wie Facebook, wächst aber seit 2006 kontinuierlich. Vor allem Medien, Blogger, Politiker und Prominente nutzen die Facebook-Alternative als Vermarktungs-Werkzeug in eigener Sache. Sechs Jahre nach dem Start hat Twitter laut eigenen Angaben 140 Millionen aktive Nutzer, und spätestens seit 2011 ist auch hierzulande deutlich mehr Gezwitscher im Netz zu vernehmen.

Pinterest: Der neue Star?

Facebook auf breiter Front Konkurrenz zu machen, wird in nächster Zeit schwierig sein. In der Nische bleibt jedoch Raum für spezialisierte Netzwerke. Einen kometenhaften Aufstieg legte in den letzten Monaten Pinterest hin. Die Nutzer können Bilder von allen erdenklichen Produkten mit Beschreibungen an virtuelle Pinnwände heften. Zu den beliebtesten Themen gehören Essen, Design oder Ferien. Pinterest schlägt vor allem bei Frauen ein, die zwei Drittel der Nutzer ausmachen sollen.

Ein Blick auf den Popularitäts-Index verrät jedoch, dass der Stern schon bald verglühen könnte. Die Suchanfragen nach Pinterest bei Google sind seit einigen Wochen bereits wieder am Sinken.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nogeek am 18.05.2012 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Anti Zuckerberg

    Viel Geld verdienen ist super. Aber Zuckererg gönn ich es nicht. Er hat andere beteiligte ausgeschlagen. Er verdient viel, aber lebt wie ein Clochard. Was macht der Typ mit dem Geld?!? Er soll's ausgeben und etwas pompöser leben oder irgendwas mit dem Geld anfangen. Eben, kein Neid, aber bitte, benutze die Kohle zum leben und nicht zum anhäufen, verdammt!

  • Not User am 18.05.2012 00:12 Report Diesen Beitrag melden

    Facebook ade

    Facebook hat keinen Respekt vor Privatsphäre. Persönliche Daten werden mit personalisierter Werbung zu Gold gemacht. Btw, hab gerade meinen Facebook account gelöscht.

    einklappen einklappen
  • Paul Kuster am 18.05.2012 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    No Facebook

    Ich habe meine FB Account gelöscht (nur deaktiviert ??) Ich halte auch so Kontakt zu meinen FREUNDEN. Jetzt gibt's eine paar Gewinner (Abzocker) und viele Verlierer. Ich bin der Meinung meine Daten gehören mir und nicht Zucki

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mark am 19.05.2012 14:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neider muss man sich erarbeiten! 

    Habe mal aufgenommen....wenn man Neider hat, dann hat ganz bestimmt nichts Falsches gemacht!!! Ach hört doch auf immer über die Anderen zu jammern! Es steht jedem frei, ob er FB oder ein anderes SN nutzen will! Und wir alle, wir alle tragen zu unserer Konsum-Gesellschaft bei - auch die die FB schlecht finden. Also Jungs & Mädels, nutzt eure Energie sinnvoller oder hört auf zu Lästern! M.Z. - Good Job !

  • Rez am 19.05.2012 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuckerberg

    Wenn ich Zuckerberg wäre, würde ich allmählich schauen wie ich da wieder raus komme. Ich würde peut á peut meine Aktien an MS oder Google verkaufen und ciao mitenand...

  • Martin am 19.05.2012 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt wird es interessant!

    Kann FB diese Beliebtheit halten und sogar ausbauen oder geht alles flöten? Also genug Geld sollten sie jetzt also schon in der Kriegskasse haben.

  • Sandro am 19.05.2012 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Neider..

    Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sehr viele neidisch auf Zuckerberg sind. Geld zu verdienen ohne was zu leisten!?..hmm..Wer würde das auch nicht gerne?!..ich bin kein FB Fan,aber auch kein Hasser...soll jeder für sich selber schauen...Warum ist es mir damals nicht in den Sinn gekommen, so etwas aufzubauen...:-)

  • Roger Rabbit am 19.05.2012 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    NASDAQ-IPOs machen nur die Gründer reich

    Die Bewirtschaftung der eigenen Seite auf Facebook ist zu aufwendig. Zudem ist die voyeuristische Neugierde bei vielen Nutzern abgeklungen. Die Bilderflut ist schlicht zu gross. Und wo bleibt die Kommunikations-Qualität bei 200 und mehr Freunden pro User? Dieses Netzwerk wird ohne zusätzlichen neuen User-Nutzen implodieren. Bei IPOs von neuen Internet-Angeboten profitieren nur die Gründer. Also Hände weg von diesen Aktien!