Europa gegen Facebook

08. September 2011 09:57; Akt: 08.09.2011 17:36 Print

Student erzwingt Razzia bei Facebook

Ein Wiener Student erstattete in Irland Anzeige gegen Facebook wegen Datenschutz-Verstössen. Nun wollen die Behörden den Firmensitz in Dublin unter die Lupe nehmen.

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Facebook steht in Dublin am internationalen Hauptsitz des Unternehmens Ärger ins Haus. (Bild: Keystone/AP/Fotomontage)

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In Irland fährt der Datenschützer schweres Geschütz auf. Facebook steht in Dublin demnächst eine datenschutzrechtliche Untersuchung ins Haus, schreibt die irische Zeitung «Independent». «Wir werden Facebook genau unter die Lupe nehmen, das Firmengelände durchsuchen und uns im Detail jeden Sicherheitsaspekt ansehen», sagte ein Behördensprecher gegenüber der Zeitung.

Die irische Datenschutzbehörde handelt aufgrund einer Anzeige des Wiener Jurastudenten Max Schrems. Seine Initiative «Europa gegen Facebook» führte insgesamt zu 16 Anzeigen gegen Facebook. Dem grössten sozialen Netzwerk wird unter anderem vorgeworfen, dass es Daten weiterhin speichert, nachdem die Nutzer sie längst gelöscht haben.

Auf der Website schreiben die Initianten: «Ein Unternehmen, das seine Nutzer permanent zu möglichst umfangreicher Transparenz aufruft, sollte zumindest jedem Nutzer klar und einfach erklären, was mit den Daten wirklich passiert. Das ist nicht nur fair, sondern in Europa klar in den Datenschutzgesetzen verankert. Es wird Zeit, dass sich das weltweit grösste soziale Netzwerk an diese Gesetze hält.»

Hintergrund der Klage in Irland ist, dass gemäss der Kläger jeder Nutzer ausserhalb der USA und Kanada unter dem Schutz des irischen Datenschutzrechts stehe, weil sich das internationale Hauptquartier von Facebook seit 2008 in Dublin befindet.

Die Kläger vermuten, dass Facebook aus Steuergründen einen Firmensitz in Dublin hat. «Damit spart sich Facebook nicht nur viel Geld, sondern es ist auch irisches und europäisches Datenschutzrecht und Konsumentenrecht auf Facebook anwendbar», schreiben die Initianten.

In der Tat ist in den Facebook-Nutzungsbedingungen in Kapitel 18 zu lesen: «Wenn du in den USA oder Kanada ortsansässig bist oder dort deinen Hauptgeschäftssitz hast, stellt diese Erklärung eine Vereinbarung zwischen dir und Facebook, Inc. dar. Anderenfalls stellt diese Erklärung eine Vereinbarung zwischen dir und Facebook Ireland Limited dar.» Facebook habe jedoch seine Nutzungsbedingungen weiter ausschliesslich nach amerikanischem Datenschutzrecht gestaltet, schreiben die Kläger.

(owi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kein facebook-user am 08.09.2011 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    auf lange sicht...

    ...wird facebook nicht überleben. deren geschäftsmodell basiert auf datensammeln und an die werbeindustrie verscherbeln. es war nur eine frage der zeit wie lange die user brauchen um das zu erkennen. das sich nun immer mehr widerstand gegen solche praktiken formiert war absehbar. so zerbröselt der keks nunmal ;-)

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  • PeterWurstkopf am 08.09.2011 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Lärm um nichts? Bitte?

    von wegen Lärm um nichts... wenn jedes Leben/jede Ansicht nicht individuell wäre, wieso dann nicht: Todesstrafe bei allen gesetzlichen Verstössen? Dazu die veröffentlich der Namen der Täter, deren Familie und das Vergehen. Jene die sich an die Gesetze halten, haben ja nichts zu befürchten?.. Es geht hier auch einen Teil um das Prinzip und darum, dass Daten ein PIP ermöglichen, was Ihnen allen sicherlich nicht nur zugute kommt. V.A. wenn die Informationen an alle zahlungswilligen Unternehmen verkauft werden, kann der Konsument sich kaum mehr retten, vor Angeboten "für ihn"..

  • Powidl am 08.09.2011 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Lärm um nichts...

    Was soll das Theater wegen Facebook. Hat jemand nichts zu verbergen, kann es einem auch egal sein...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • MAB am 08.09.2011 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Akte x

    ... Die selbstgeführte! Stasiakte. Verwertet wird nur was zur Verwertung gegeben ist.

  • PeterWurstkopf am 08.09.2011 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Lärm um nichts? Bitte?

    von wegen Lärm um nichts... wenn jedes Leben/jede Ansicht nicht individuell wäre, wieso dann nicht: Todesstrafe bei allen gesetzlichen Verstössen? Dazu die veröffentlich der Namen der Täter, deren Familie und das Vergehen. Jene die sich an die Gesetze halten, haben ja nichts zu befürchten?.. Es geht hier auch einen Teil um das Prinzip und darum, dass Daten ein PIP ermöglichen, was Ihnen allen sicherlich nicht nur zugute kommt. V.A. wenn die Informationen an alle zahlungswilligen Unternehmen verkauft werden, kann der Konsument sich kaum mehr retten, vor Angeboten "für ihn"..

  • Stefan am 08.09.2011 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    und was ist mit dem Staat?

    Hier wird gewettert, weil Daten gesammelt werden. Was macht denn bitte schön unser Staat? Bei Facebook muss man sich nicht anmelden, der Staat jedoch tut dies mit jedem... Also regt euch nicht auf wegen ein paar Fotos und Statusmeldungen...

  • peter sutter am 08.09.2011 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Facebook haftet NIE!

    Leider ziemlich umsonst. Wer die AGB's von Facebook gelesen hat, weis leider das Facebook nie haftet egal was mit den Daten passiert. Leider nimmt auch jeder die AGB's an beim erstellen vom Profil.

    • Anonym am 08.09.2011 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      AGB nicht rechtskräftig

      Seid wann sind AGB's dann bitte rechtskräftig? Verstossen Sie gegen geltendes Recht kann FB noch viel in die Allgemeinen Gschäftsbedingungen schreiben. Das tut nix zur Sache

    • Martin am 08.09.2011 19:24 Report Diesen Beitrag melden

      Oh nein falsch!

      Nach amerikanischem Recht mag das druchaus stimmmen und danach sind solche AGB's auch zulässig. Aber nach europäischem Recht oder gar Schweizer Recht sind AGB's wie diese niemals durchzusetzen und schlicht nichtig! Genau wie bei Apple, das was die in ihre AGB's schreiben betrifft uns grösstenteils überhaupt nicht.

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  • Paul Hauer am 08.09.2011 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und so..

    Zerbröselt der keks nunmal.. Ein klassiker