Obacht die Chronik kommt

29. Januar 2012 16:32; Akt: 30.01.2012 08:07 Print

Das müssen Sie über das neue Facebook wissen

von Franziska Voegeli - Mit der Facebook-Timeline kann man durch das Leben der anderen scrollen. Wer seine digitalen Kellerleichen nicht zeigen will, sollte sich bald durch seine Posts arbeiten – durch alle!

Mit der Timeline sollen die Mitglieder ihre ganze Lebensgeschichte auf Facebook erzählen. (Quelle: YouTube/Theofficialfacebook)
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Spätestens, wenn die Timeline für alle Facebook-User Realität wird, verwandelt sich auch Ihr Profil in einen einzigen, grossen Lebenslauf. Allerdings weniger mit beruflichen, mehr mit persönlichen Informationen. Aktive Nutzer können so bequem einen Spaziergang in die eigene Vergangenheit machen und mit alten Fotos, Posts und Likes in Erinnerungen schwelgen.

Dummerweise macht man diesen Spaziergang nicht alleine: Der Chef, die neue Freundin und der doofe Büro-Kollege, dessen Freundschaftsanfrage man aus Höflichkeit nicht ablehnen wollte, können ebenfalls nachsehen, wie, wo und mit wem Sie Ihre Vergangenheit verbrachten. Dazu muss man weder suchen noch klicken, sondern nur der Timeline nach bis zur Geburt nach unten scrollen.

Ein Blick zurück lohnt sich

Zwar lässt sich einstellen, welche Einträge für welche Kontakte sichtbar sind, doch diese Einstellungen muss man erst einmal vornehmen. Je nach dem, wie lange man schon auf dem Social Network herumgeistert, müssen also weniger oder mehrere Jahre nach mehr oder weniger peinlichen Posts durchkämmt werden.

Höchstwahrscheinlich wird es gegen unten hin unangenehmer, da das Gespür für unangemessene Inhalte erst wachsen musste, und man früher leichtsinniger oder freizügiger war. Damit die digitalen Kellerleichen nicht für alle sichtbar werden, hat Keith Wagstaff von der «Time» ein paar Tips bereit:

1. Der Korrekturstift: In der rechten oberen Ecke jedes Eintrags findet sich der Bearbeitungs-Bleistift. Damit können Posts entweder gelöscht oder von der Chronik verborgen werden. Ein unverzichtbares Feature. Denn der Status-Update, den man betrunken um vier Uhr morgens gepostet hat und nüchtern schnell wieder mit einem souveränen Spruch überschrieb, ist in der Timeline wieder da. Genauso wie der wutentbrannte, übereuphorische und alle anderen, schön chronologisch organisiert.

2. Die Bilder: Die Fotoalben sind bei der Timeline-Ansicht nicht mehr im Hintergrund abgelegt und mindestens einen Klick entfernt, sondern auf den ersten Blick deutlich sichtbar. Am Erstellungsdatum platziert, wartet ein Album mit riesigem Coverbild darauf, durchforstet zu werden. Im dümmsten Fall wird genau das Foto aufgeblasen, das in gross nicht mehr ganz so schick wirkt wie als kleiner Thumbnail. Deshalb sollte man die Titelbilder sorgfältig auswählen. Auch die Bilder, auf denen man von anderen markiert wurde, sind nun nicht mehr irgendwo, sondern gross und sichtbar auf der Profilfront platziert.

3. Maps: Unter Karten findet man die Infos über eine Person geographisch sortiert. So wird das idyllische Landschaftbild, das verschwörerisch mit «In the Middle of Nowhere» angeschrieben wurde, plötzlich zur ganz konkreten Feriendestination. Das heisst, sofern die Bilddatei auch GPS-Daten gespeichert hat. Ihre Friends können sich dann via Weltkarte durch die Fotos klicken und wissen genau, wo Sie die «Best Margaritas ever!!!» getrunken oder sich beim Winterspaziergang mit verträumtem Blick an den verschneiten Baum gelehnt haben.

Sogenannte Lebensereignisse lassen sich ebenfalls geographisch darstellen. Dazu gehört zum Beispiel die Geburt. Aber auch andere Events können als Lebensereignis deklariert werden, so zum Beispiel der Antritt einer neuen Stelle, ein Gewichtsverlust(!) oder Hochzeit und Scheidung. Aber Vorsicht: Überlegen Sie gut, ob Sie Ihre digitale Lebenslinie und Ihre persönliche Weltkarte wirklich mit all diesen Angaben anreichern wollen. Es muss ja nicht jeder wissen, wann und wo eine Trennung vollzogen wurde. Oder im umgekehrten Fall: Wo Sie eine bedeutende Person kennengelernt haben. Diese braucht übrigens nicht erst zu bestätigen, ob sie als bedeutendes Ereignis in Ihrer Timeline erschienen will. Und das gilt natürlich im umgekehrten Fall auch für Sie.

4. Apps: Erlauben Sie den Apps grosszügig Zugang auf Ihre Facebook-Informationen? Das könnte sich rächen. Denn je nach App werden dadurch auch Unmengen an Banalitäten auf der Timeline angezeigt. Was Sie zum Mittag gegessen haben, welchen Song Sie gerade zum 17. Mal hören oder wie oft Sie joggen gehen. Das könnte nämlich nicht nur unter die Kategorie Too much Information fallen, sondern bietet potentiellen Stalkern auch eine prima Möglichkeit, ihnen zufällig zu begegnen.

Die App-Zugriffe lassen sich in den Kontoeinstellungen kontrollieren. Unter dem Menüpunkt «Anwendungen» kann man einstellen, welche davon in der Timeline erscheinen sollen. Und auf die Schnelle lässt sich auch alles via «Chronik verbergen» unsichtbar machen.

5. Privatsphäre: Die Timeline bietet den Facebook-Nutzern einen fast schon zu bequemen Einblick in das Leben der anderen. Es ist zwar nicht wirklich mehr Information vorhanden als auf dem alten Facebook-Layout, sie ist einfach viel besser sichtbar. Und nur weil Sie beispielsweise Ihren Foto-Kommentar von der Chronik gelöscht haben, heisst das nicht, dass der User, der das Foto hochgeladen hat, die ungewünschten Zeilen unter seinem Bild ebenfalls entfernt hat.

Die Kehrseite dieser Zurschaustellung der Vergangenheit: Genau dasselbe. Facebook-Stalker und Gwundernasen freuen sich über den einfachen Zugriff auf die Informationen. Es wird zum Kinderspiel, etwas über eine Person herauszufinden: Über das Date, den Chef, den Schwager. Seien Sie also gewappnet, dass die Privatsphähre wieder ein Stück weniger privat geworden ist.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M. F. am 29.01.2012 23:53 Report Diesen Beitrag melden

    Leben und Geniessen

    Ein suveräner Umgang mit diesen Netzwerken ist nötig - dann kann man es ohne Gefahr nutzen. Es hat viele Vorteile und macht zudem auch Spass. Die Dosis macht den Genuss - also das reale Leben nicht vergessen!

  • Kei N'Facebook am 29.01.2012 19:53 Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Wer sich einmal bei Facebook angemeldet hat und etwas gepostet hat, wird immer im Netz verewigt. Bei Google + dasselbe. Wer jetzt einfach "sein Profil löscht" hat seine Vergangenheit immer noch bei Facebook (immer AGBs lesen.

  • D.F. am 29.01.2012 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kim

    Guck dir mal das FB von Kim Dotcom an (der jetzt im Gefängnis sitzt) - megahammer, sein FB

Die neusten Leser-Kommentare

  • thomas p am 31.01.2012 00:15 Report Diesen Beitrag melden

    facebook ist was fuer losers

    im fb machen die meisten auf dicke hose und wenn man genauer hinschaut ist nix dahinter...wie typen in geleastem bmw, die in 1 zimmer wohnung leben.. soll doch einer mal 20 franken von jedem sogenannten freund verlangen.. bei 1000 freunden kann er sich dann ein auto kaufen... soviel zum begriff freund..;-0

    • Trevor am 31.01.2012 14:45 Report Diesen Beitrag melden

      @thomas p

      Was hast denn du für Freunde? Das Problem liegt wohl nicht bei Facebook.......

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  • Sarah Berg am 30.01.2012 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Pinnwandeinträge

    Ich bin schon lange bei facebook angemeldet..ich möchte jetzt meine Pinnwandeinträge löschen.. habe ich da noch alle pinnwandeinträge die ich vor 2 Jahren geschrieben habe oder löschen die sich automatisch?!

    • Wayne am 31.01.2012 00:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      vergiss es

      facebook löscht nichts von alleine

    • Beda Kohler am 31.01.2012 08:53 Report Diesen Beitrag melden

      Nein

      Nein, die musst du alle einzeln manuell löschen...

    • Sami am 31.01.2012 08:57 Report Diesen Beitrag melden

      re: Pinnwandeinträge

      du wirst noch alle drauf haben. musst wohl alle manuell löschen :/

    • Dave Thomann am 31.01.2012 10:45 Report Diesen Beitrag melden

      Pinwand-History

      Die sind auf jeden Fall noch vorhanden. Das Durchsuchen dürfte sich aber etwas kompliziert darstellen.

    • Julia am 31.01.2012 10:58 Report Diesen Beitrag melden

      Leider...

      Die sind alle noch da.. fröhliches löschen wünsch ich.. Als ich meine Timeline geleert habe, sass ich nen ganzen Abend vor dem Laptop..

    • Patrick Meier am 31.01.2012 11:44 Report Diesen Beitrag melden

      Bleiben

      Die bleiben. Ich hab mich mal 2 stunden hingesetzt und wirklich jeden Status gelöscht. Jetzt habe ich eine "saubere" Wand :-)

    • Bernd am 31.01.2012 14:46 Report Diesen Beitrag melden

      an euch löscher

      Wieso habt ihr denn diese Einträge nicht schon vor der Timeline gelöscht wenn die euch so stören? Die waren auch vor der Timeline sichtbar, man musste nur nach unten scrollen. Ah, genau wie mit Timeline auch....

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  • John Wyne am 30.01.2012 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    Coole Chronik

    Also ich finde die Chronik sieht auch recht schick aus! Und obwohl wir ja heute die "Facebook-Generation" sind, frage ich mich manchmal ab gewissen Leuten die sich so sehr darüber beklagen, es aber tagtäglich benutzen. Wer sich vor 5 Jahren mit peinlichen Statusmeldungen zum Trottel gemacht hat, wir auch heute einer sein. Nur weil die Weg sind, heisst es nicht das die Leute nicht mehr wissen, welche Freunde früher gerne jeden Blödsinn gepostet haben. Wer SO sehr Angst hat, dass Chefs/Kollegen etc. peinliche Fotos/Statuse finden, der soll sich einfach nicht mehr auf FB aufhalten, so einfach...

  • Benjamin G. am 30.01.2012 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Immer dasselbe mit den Nörglern...

    • Benjamin G. am 30.01.2012 15:47 Report Diesen Beitrag melden

      Der Link wurde blockiert...2. Test

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  • Melissa Frey am 30.01.2012 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Sieht bald aus wie myspace...

    Mich nervt mehr die Optik, die Einstellungen kann man ja wie vorher selber bestimmen und was man postet auch, aber es ist von der Optik her halt einfach nicht mehr wie wir facebook gewohnt sind und wie ich es zumindest ja eben sehr gern mochte..