Zank um Eigentumsrechte

09. November 2011 20:11; Akt: 10.11.2011 14:23 Print

Warum Facebook nicht alle Daten rausrückt

von Oliver Wietlisbach - Das soziale Netzwerk und die Datenschutz-Aktivisten liegen sich weiter in den Haaren. Am Hauptsitz in Irland wird nun geprüft, welche Nutzerdaten das Unternehmen herausgeben muss.

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Facebook versendet angeforderte Daten-CDs mit persönlichen Nutzerdaten nicht mehr über die Post. «Zu gefährlich», heisst es. (Bild: Fotomontage)

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Der 23-jährige Jus-Student Max Schrems und rund zehn weitere Datenschutz-Aktivisten aus Österreich haben in den letzten Monaten 22 Beschwerden gegen Facebook eingereicht. Auf ihrer Website «Europe versus Facebook» fordern sie unter anderem, dass sich das soziale Netzwerk an das europäische Datenschutzrecht hält und Daten wie Fotos, Kommentare und Statusmeldungen endgültig löscht, wenn ein User sein Konto löscht. Das Unternhemen entfernt diese Daten bislang nicht vollständig, wie die Dokumente auf der Website der Studenteninitiative «Europa versus Facebook» zeigen.

Auf ihrer Website boten die Aktivisten eine Anleitung an, wie Facebook-Nutzer die vom US-Konzern generierten und gespeicherten persönlichen Nutzerdaten über ein gut «verstecktes» Formular anfordern können. Seit Medien in Europa und den USA über die Aktion berichteten, ist die Zahl der Anfragen beim sozialen Netzwerk deutlich gestiegen. Diese Entwicklung will man nun anscheinend bremsen.

Formular für Dateneinsicht wurde entfernt

Mark Zuckerbergs Social-Media-Plattform mache es seinen Nutzern immer schwieriger, eine gültige Anfrage auf Einsicht in die persönlichen Nutzerdaten einzureichen, lautet die jüngste Kritik der Datenschutz-Aktivisten. Facebook habe das Online-Formular zum Anfordern der Nutzerdaten am Wochenende gelöscht, heisst es auf «Europe versus Facebook». Und weiter: «Die Nutzer werden nun auf ein ‹Download-Tool› umgeleitet, welches nur eine Kopie des Profils, aber keine der Daten enthält, welche Facebook im Hintergrund speichert.» Wurden bis August per Online-Formular noch 57 Datensätze auf CDs herausgerückt, seien es mit dem momentan angebotenen Download-Link nur noch 22.

Heikle Daten bleiben geheim

Um die für den User unsichtbaren, aber mit dem Profil verknüpften Daten nicht herausgeben zu müssen, stellt sich das soziale Netzwerk auf den Standpunkt, dass weitere Daten «Geschäftsgeheimnisse» verletzen würden, «überproportional schwierig» zu übermitteln wären und «geistiges Eigentum» von Facebook betreffen würden. Konkret verweigert Facebook laut der Initiative «Europe versus Facebook» derzeit die Herausgabe von Informationen aus dem Gesichtserkennungsprogramm, Informationen, die über Nutzer auf externen Webseiten über den Like-Button gesammelt werden sowie Daten aus dem «Friend Finder» und dem Synchronisieren von Handy-Adressbüchern mit Facebook.

40-Tage-Auskunftsfrist wird nicht eingehalten

Ein weiterer Vorwurf der Datenschutz-Aktivisten lautet, die gesetzliche Frist von 40 Tagen zum Erfüllen der Auskunftspflicht werde nicht eingehalten. Dies bestätigen mehrere Leser von 20 Minuten Online, die ebenfalls Einsicht in ihre Nutzerdaten verlangt hatten. Anstelle einer Daten-CD erhielten sie kurz vor Ablauf der 40-Tage-Frist eine E-Mail mit dem Hinweis auf den Download-Link in den Konto-Einstellungen. Damit lässt sich zwar das eigene Profil herunterladen, allerdings nicht die allenfalls sensiblen Daten, die mit dem Profil im Hintergrund verknüpft sein könnten.

Facebook widerspricht Vorwürfen

Der Vorwurf aus Österreich, man erschwere die Dateneinsicht, sei unbegründet, sagt ein Facebook-Sprecher gegenüber 20 Minuten Online. Man habe ursprünglich tatsächlich Daten-CDs verschickt, aber gemerkt, dass dies kein sicherer Weg sei, persönliche Informationen zu übermitteln. Daher stelle man nun eine einfache Möglichkeit zur Verfügung, alles herunterzuladen, was der Nutzer jemals auf Facebook veröffentlicht habe. «Dies beinhaltet alle Nachrichten, Beiträge, Fotos, Statusmeldungen und Profilinformationen.» Nutzer die eine Kopie ihrer Daten möchten, könnten diese jederzeit über ihre Konto-Einstellungen herunterladen. Im Hilfebereich können zudem auch Nicht-Nutzer, die über sie gespeicherten Daten anfordern.

Das soziale Netzwerk bestätigt zwar auf Anfrage, dass das Formular zur Antragsstellung wegen Wartungsarbeiten temporär entfernt worden ist, betont aber zugleich, dass Facebook vollständig konform sei mit den europäischen Datenschutzrichtlinien.

Datenschützer: «Facebook muss alle Daten herausgeben»

Dem widerspricht der Schweizer Datenschützer Hanspeter Thür: «Sowohl nach schweizerischem als auch nach europäischem Recht können Menschen Einblick in sämtliche Daten verlangen, die über sie bearbeitet werden.» Hierzu zählten im vorliegenden Fall auch die mit dem Konto des Facebook-Users verknüpften Informationen, die Facebook bislang nicht herausgibt, so der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte.

Welche Informationen im Detail Facebook auf Anfrage herausgeben muss, prüfen derzeit die irischen Datenschutzbehörden, da das Unternehmen sein internationales Hauptquartier vor drei Jahren nach Irland verlegt hat.

Nur eine Routine-Prüfung?

Bei Facebook spielt man die Angelegenheit herunter: Im Gespräch mit 20 Minuten Online spricht das soziale Netzwerk von einer «Routine-Betriebsprüfung in Irland», die voraussichtlich bis Januar 2012 dauern werde. «Wir sind der Auffassung, dass jedem Facebook-Nutzer seine Daten gehören und Nutzer einen einfachen Zugang dazu haben sollten.» Deshalb werde man Anfang 2012, nach Abschluss der Betriebsprüfung, ein «Self-Service-Tool» anbieten, womit die Anwender ihre persönlichen Nutzerdaten herunterladen können.

Aus dem Munde des irischen Datenschutzbeauftragten Billy Hawkes hört sich der Fall Facebook nicht nach einer «Routine-Prüfung» an: «Es ist wahrscheinlich die detaillierteste, herausfordernste und intensivste Betriebsprüfung, die wir je vorgenommen haben», sagte Hawkes laut dem irischen News-Portal «RTE NEWS».

Der Schweizer Datenschützer spricht von «einer vertieften Abklärung der Datenbearbeitung von Facebook durch die irische Datenschutzbehörde.» Facebook habe ihm zudem ausdrücklich zugesichert, dass alle datenschutzrechtlichen Verbesserungen, die das Unternhemen für die europäischen Nutzer vornehmen werde, auch für die Schweizer User gelten werden. Da das US-Unternehmen betont, man wolle die europäischen Datenschutzgesetze vollständig erfüllen, könnten damit auch für Schweizer Nutzer umfassendere Informationen einsehbar werden.

So gelangen Sie an Ihre persönlichen Daten

Da das soziale Netzwerk das bisherige Online-Formular nicht mehr anbietet, stellt «Europe versus Facebook» auf seiner Webseite eine neue Anleitung zur Verfügung, wie man trotzdem an seine persönlichen Daten kommt. Seit Montag hat Facebook zudem eine offizielle E-Mail-Adresse (datarequests@fb.com) für Datenauskunftsbegehren eingerichtet.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anna Meier am 10.11.2011 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Überlegen hilft

    Ich weiss, dass Facebook meine Daten speichert. Ich weiss, dass Facebook mein Bilder behält, meine Informationen, meine Nachrichten. Deshalb überlege ich mir vorher, was ich meinen Facebook-Freunden (und Facebook selber) veröffentlichen will. Und ich bleibe bei Facebook.

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  • Nichtsnutz am 09.11.2011 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ich lach mich schlapp

    Jetzt sollen also auch Nichtmitglieder Facebook ihre Daten in den Rachen schmeissen - sogar mit eidesstattlicher Erklärung (Link "anfordern")! Denen ist auch keine Masche zu billig 8)

  • margot schlummer am 10.11.2011 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    FB Button überall

    es ist widerlich das auf allen seiten im web - auch auf dieser - ein button ist. warum macht diese zeitung das und alle anderen? was ist der preis? auf jeden handy sind twitter sind fb schon installiert obwohlich das nicht will alle mache sich zum sklaven von fb. ich muss doch davon ausgehen das allein die betrachtung der seite schon bei fb regristiert bin obwohl ich kein nutzer bin und niemals werde, aber es wohl nicht verhindern kann das dort daten von mir zu finden sind. und die regierungen - demokratisch gewählte wohlgemerkt - sind urheber min. aber nutzer auch in CH das ist noch schlimme

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Facebook-User am 10.11.2011 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    EIN WITZ!

    Ich hatte das ganze mal selbst versucht, und konnte es dann kaum erwarten, meine CD aus dem Briefkasten zu holen. Doch anstatt eine CD im Briefkasten hatte ich eine E-Mail in meinem Posteingang. Die E-Mail enthielt aber nur ein paar Infos und einen Link, mit welchem ich meine Daten/Archiv runterladen kann. Habe das ganze heute mal versucht. Ich konnte aber nur meine Daten runterladen, welche ich auch selbst in mein Profil uploaded hatte. Also kurz gesagt: EIN WITZ! Ich glaube nicht, dass Facebook alle meine Daten (auch die gesammelten Infos von FB!) mir zur verfügugung gestellt hat!

    • Localhorst am 10.11.2011 21:27 Report Diesen Beitrag melden

      Gratulation

      Herzlichen Glückwunsch! Zuckerberg kennt nun deine vollständige Adresse :)

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  • A. Kipfer am 10.11.2011 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte besser machen 20 Minuten

    Finde es eigentlich super, wen 20Minuten über Probleme mit dem Datenschutz bei Facebook berichtet. Ich fände es aber besser, wen 20Minuten selber etwas unternehmen würde, und die 2 Cklick Lösung für sozialmedia Buttons von Heise übernehmen würde. Würde diese Buttons nicht mehr automatisch geladen, hätte Facebook auch weniger Daten, die sie dann nicht mehr raus rücken.

    • DislikeMinus1 am 10.11.2011 15:30 Report Diesen Beitrag melden

      eure Chance 20 Minuten

      Als Nichtnutzer von Facebook & Co finde ich die 2-Click-Lösung von heise.de super, und ich wünsche mir auch, dass sie von möglichst vielen Webseiten übernommen wird. Auch von 20min, denn darüber berichten, ist das eine, etwas dagegen tun, das andere ...

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  • virusxy am 10.11.2011 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Facebook-Virus

    "Antivirus sucht nach Schädlingen".... nach 15 min: "Alles sauber"... "aha... und was ist mit Facebook?" Die haben bestimmt irgendwo eine Spy-App im Hintergrund auf meinem Rechner installiert als ich die FB-Seite besucht habe...

    • Mike Müller am 11.11.2011 14:05 Report Diesen Beitrag melden

      spy app

      könnte durchaus sein, oder ? Wer weis mehr ?

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  • Anna Meier am 10.11.2011 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Überlegen hilft

    Ich weiss, dass Facebook meine Daten speichert. Ich weiss, dass Facebook mein Bilder behält, meine Informationen, meine Nachrichten. Deshalb überlege ich mir vorher, was ich meinen Facebook-Freunden (und Facebook selber) veröffentlichen will. Und ich bleibe bei Facebook.

    • Peter Steiner am 10.11.2011 10:39 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht nur deine Daten

      Es geht um die Daten im Hintergrund, was du liest, was du einkaufst was du mit wem besprichst, mit wem du dich zu welchen Anlässen triffst. Nur deine Daten alleine wären kommerziell zu wenig interessant.

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  • margot schlummer am 10.11.2011 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    FB Button überall

    es ist widerlich das auf allen seiten im web - auch auf dieser - ein button ist. warum macht diese zeitung das und alle anderen? was ist der preis? auf jeden handy sind twitter sind fb schon installiert obwohlich das nicht will alle mache sich zum sklaven von fb. ich muss doch davon ausgehen das allein die betrachtung der seite schon bei fb regristiert bin obwohl ich kein nutzer bin und niemals werde, aber es wohl nicht verhindern kann das dort daten von mir zu finden sind. und die regierungen - demokratisch gewählte wohlgemerkt - sind urheber min. aber nutzer auch in CH das ist noch schlimme

    • Teo Hotz am 10.11.2011 12:20 Report Diesen Beitrag melden

      Facebook Blocker

      Google nach facebook blocker und installiere dieses Plug-in und du bist sämtliche FB Buttons auf den ganzen Seiten los, die dich ausspionieren. Allerdings spioniert dich auch google aus

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