Privatsphäre

08. März 2010 10:00; Akt: 08.03.2010 11:33 Print

Facebook: Mark Zuckerberg ist kein Spion

Der Gründer des sozialen Netzwerkes soll in E-Mails von Mitarbeitern einer Studentenzeitung gelesen und die Konkurrenz-Seite ConnectU gehackt haben. Sein Unternehmen hat den Vorwürfen scharf widersprochen.

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Mark Zuckerberg: Hacker-Vorwürfe bestritten

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Wie die meistens gut informierte Webseite businessinsider.com schreibt, soll Mark Zuckerberg 2004 den E-Mail-Verkehr von zwei Mitarbeitern der Hochschulzeitung «Harvard Crimson» ausspioniert haben. Die Redakteure hatten einen Artikel über das soziale Netzwerk ConnectU geplant. Zuckerberg soll von ihnen auf der damals noch thefacebook.com heissenden Seite hinterlegte Daten genutzt haben, um sie auszuspionieren. Der Bericht von businessinsider.com beruft sich auf anonyme Quellen, die nicht näher bezeichnet werden. Facebook hat in einem offiziellen Statement so reagiert: «Wir diskutieren nicht über verärgerte Prozessgegner oder anonyme Quellen, die unserer frühe Unternehmensgeschichte oder Mark Zuckerberg in Verruf bringen wollen.»

Die Gründer von ConnectU, Cameron Winklevoss, Tyler Winklevoss und Divya Narendra, hatten Zuckerberg vorgeworfen, ihr Konzept gestohlen zu haben. Der Facebook-Gründe hatte einst für ConnectU gearbeitet. Facebook hatte ConnectU 2008 laut law.com eine Entschädigung von 65 Millionen US-Dollar gezahlt, um den Streit aussergerichtlich zu beenden. Während Facebook mittlerweile über 400 Millionen Nutzer hat, gibt es ConnectU nicht mehr. Businessinsider.com berichtet weiter, dass Zuckerberg 2004 ConnectU geknackt haben und knapp 20 Profile gelöscht sowie ein falsches für Cameron Winklevoss angelegt haben soll. Der Autor des Artikels, Nicholas Carlson, hat sich bislang nicht weiter geäussert.

Wie 20 Minuten Online berichtete, hatte die Webseite therumpus.net Mitte Januar ein Interview mit einer anonym bleibenden Angestellten von Facebook veröffentlicht. Im Gespräch erzählte sie unter anderem, dass es einst ein Master-Passwort gab, mit dem sich Mitarbeiter des sozialen Netzwerkes in alle Accounts einloggen konnten. Mindestens zwei seien gefeuert worden, weil sie Profile manipuliert hätten. Die Mitarbeiterin, welche laut dem Artikel eine gute Freundin des Autors sein soll, war zum Zeitpunkt des Interviews rund zwei Jahre für Facebook tätig. Ihren Angaben zufolge soll es das erwähnte Passwort mittlerweile nicht mehr geben, es habe entfernt an «Chuck Norris» erinnert. Dafür sollen Facebooks Entwickler nach wie vor über ein spezielles Tool Zugang zu Profilen haben, wenn sie einen besonderen Grund nennen, warum ihnen dieser gewährt werden soll. Wer das Vertrauen missbrauche, werde umgehend entlassen.

Zweifel an der Echtheit

In einer E-Mail an Cnet schrieb Facebook-Sprecher Larry Yu: «Dieser Bericht enthält genau die Ungenauigkeiten und Fehlinterpretationen, welche man von einem Artikel erwartet, der auf anonymen Quellen basiert. Und dabei wollen wir es belassen.» Seitdem spekulieren zahlreiche Webseiten darüber, ob das Interview wirklich stattgefunden hat. TechCrunch.com wies darauf hin, dass es sich bei dem Artikel augenscheinlich um den einzigen des Autors Phil Wong auf therumpus.net handelt und spekuliert darüber, ob es Wong wirklich gibt. Auch sei im Artikel die Rede davon, dass er das Facebook-Hauptquartier besucht und dort das Interview geführt habe. Damit müsste das soziale Netzwerk herausfinden können, wer die Gesprächspartnerin gewesen sei. Andererseits schreibt TechCrunch-Autor Jason Kincaid: «Wer zwischen den Zeilen liest, merkt, dass Facebook den Behauptungen im Interview nur indirekt widerspricht, indem man dessen Quelle anzweifelt. Konkrete Fakten, welche falsch sein sollen, werden nicht genannt.» In einem Kommentar von Jeremy Hatch, Redaktor von therumpus.net, unter dem Artikel hiess es hingegen: «Lange vor der Veröffentlichung konnte ich feststellen, dass das Interview wirklich stattgefunden hat. Ich hätte es niemals publiziert, wenn es den leisesten Zweifel gegeben hätte, dass es sich dabei um einen Scherz handelte.»

(hst)