Kritik aus Deutschland

28. Dezember 2011 09:11; Akt: 28.12.2011 16:07 Print

Härtere Gangart gegen Facebook

Die deutsche Verbraucherschützerin Ilse Aigner kritisiert Zuckerbergs neue «Timeline». Dass Nutzer ihr gesamtes Leben in der neuen Chronik veröffentlichen, sei «absurd».

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Mark Zuckerberg möchte, dass Facebook-Nutzer ihr ganzes Leben in der Facebook-Timeline ausbreiten. (Bild: Keystone/AP)

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In unserem nördlichen Nachbarland weht Facebook ein harter Wind entgegen. Das Angebot an Nutzer des sozialen Netzwerks, ihr gesamtes Leben in einer Timeline zu veröffentlichen, sei «absurd», sagte die deutsche Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) dem «Handelsblatt» (Mittwochausgabe).

«Die Aufforderung, die letzten Datenlücken im Internet schnell zu schliessen, ist genau das Gegenteil dessen, was wir unter Medienkompetenz verstehen: Sparsam mit seinen persönlichen Daten umzugehen», sagte Aigner.

Aigner kündigte an, sich auf europäischer Ebene für einen strengeren Datenschutz einzusetzen. Diese Regeln würden dann auch für den amerikanischen Konzern Facebook gelten. Ende Januar will die EU-Kommission Vorschläge für ein neues Datenschutzrecht vorlegen.

Druck aus Irland

Erst vor einer Woche hat die irische Datenschutzbehörde nach einer Betriebsprüfung der europäischen Firmenzentrale Mark Zuckerbergs Konzern aufgefordert, den Datenschutz seiner Mitglieder innerhalb der nächsten sechs Monate zu verbessern.

Die Auflagen des irischen Datenschützers, die laut dem Schweizer Datenschützer Hanspeter Thür auch hierzulande zur Anwendung gelangen, haben es in sich: Facebook muss den über 40 000 Nutzern, die eine Kopie der Datensätze verlangt haben, alle Daten herausgeben. Inklusive der Gesichtserkennungsdaten und aller anderen im Hintergrund gespeicherten Daten, heisst es auf der Webseite des irischen Datenschutzbeauftragten.

Mehr Rechte für die Nutzer

Konkret muss Facebook künftig folgende Richtlinien einhalten: Das soziale Netzwerk darf ausserhalb der USA und Kanada Nutzerdaten nur noch beschränkt für gezielte Werbung verwenden. Besonders brisant: Das Überwachen des Surfverhaltens von Nutzern mittels des «Like-Buttons» auf Hunderttausenden von Webseiten darf somit laut den Datenschutz-Aktivisten von «Europe versus Facebook» nicht (mehr) vorgenommen werden.

Im Weiteren müssen die Nutzer eine Möglichkeit erhalten, um ihre Daten endgültig löschen zu können. Bisher wurden «gelöschte» und somit unsichtbare Daten weiter von Facebook gespeichert. Die irische Datenschutzbehörde bestätige zudem, dass die automatische Gesichtserkennung auf Facebook illegal aktiviert wurde. Alle Nutzer müssen somit nun erneut zustimmen, sofern sie mit der Funktion einverstanden sind.

(owi/ap)