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Amerikanische Prüderie
27. Oktober 2011 11:03; Akt: 27.10.2011 12:19 Print
Facebook und die «Porno»-Kunst
von Antonio Fumagalli - Wegen eines anstössigen Bilds löschte Facebook einem Franzosen das Konto. Dieser zerrt den Social-Media-Giganten vor Gericht. Alles Dada, fragt sich ein Schweizer Kurator.

Dieses Bild von Gustave Courbet - ohne das Logo wohlgemerkt - sollte man nicht auf seinem Facebook-Account publizieren, wenn man nicht dessen Sperrung riskieren will. (Bild: © Fotograf/The Art Archive)
Ein Primarschullehrer aus Paris wusste nicht, wie ihm geschah: Am 27. Februar 2011 – ausgerechnet am Tag vor seinem Geburtstag – konnte er seinen Facebook-Account plötzlich nicht mehr aufrufen. Gesperrt durch die Betreiber, ohne Vorwarnung. Dass er von seinen 800 Facebook-Freunden nun keine digitalen Glückwünsche erhalten konnte, linderte seine Entrüstung nicht eben.
Bildstrecken So gelangen Sie an Ihre Facebook-FicheDie Hintergründe seines abrupten Social-Media-Ablebens waren dem dreifachen Familienvater schnell klar. Kurz zuvor hatte er auf seiner Wall eine Arte-Dokumentation über ein Gemälde verlinkt, das im renommierten New York Metropolitan Museum of Art einst nur hinter einem schwarzen Vorhang zu betrachten war: Gustave Courbets «L’origine du monde» aus dem Jahr 1866, das die Scham einer entblössten Frau zeigt.
Der Facebook-Zensurstelle war bereits das kleine Vorschaubild von Courbets Skandalgemälde zu heiss. Völlig unverständlich für den abgesägten Kunstfreund: «Das Bild weist keinesfalls pornographischen Inhalt auf. Es handelt sich um eine hervorgehobene, verfeinerte und mit der Gabe eines Künstlers geschaffene Darstellung», sagte sein Anwalt Stéphane Cottineau gegenüber der französischen Zeitung «Ouest-France». Er hat deshalb Klage gegen Facebook eingereicht – in Frankreich offenbar ein Präzedenzfall.
Gerichtsstand: Santa Clara
Wer sich bei Facebook anmeldet, muss dessen Allgemeine Geschäftsbedingungen akzeptieren. Darin steht unter anderem, dass bei Streitigkeiten das kalifornische Santa Clara der Gerichtsstand sei. Cottineau lässt sich davon nicht beeindrucken: Der Paragraph sei gegenüber dem französischen Konsumentenschutzgesetz nicht stichhaltig. Er hofft auf ein wegweisendes Urteil des Pariser Zivilgerichts und fordert neben der Reaktivierung des Accounts seines Mandanten
In der Schweiz ist kein vergleichbarer Gerichtsfall bekannt. Facebook-Konten, die wegen anstössigem Bildmaterial gesperrt wurden, gibt es aber zuhauf. Für Philipp Meier, Co-Direktor des Zürcher Cabaret Voltaire, gehört das Ausloten der Grenzen auch auf Social Media zum künstlerischen Selbstverständnis. Er publizierte im Mai auf seiner Seite zwei Fotos, die primäre Geschlechtsorgane in ungewohnter Darstellung zeigen.
Meier - Cabaret Voltaire - Meier
Zu viel für einige seiner damals rund 1500 «Freunde»: Sie meldeten den Beitrag bei den Facebook-Betreibern als anstössig, worauf Meier vom Internetgiganten aufgefordert wurde, die Bilder umgehend zu entfernen – was dieser wegen eines Missverständnisses unterliess. Wenig später konnte er nicht mehr auf sein Konto zugreifen. «Lustig ist ja, dass ich die genau gleichen Bilder ungefähr ein Jahr zuvor schon einmal gepostet hatte und sie in einem Fotoalbum beliess. Nur hatte ich damals weniger «Freunde» und niemand hat mich verpetzt», sagt Meier gegenüber 20 Minuten Online.
Die Kunst-Posse nahm letztlich eine unerwartete – man ist versucht zu sagen: dadaistische – Wendung: Meier erstellte unter dem Namen «Cabaret Voltaire» einen neuen Facebook-Account, sammelte innert kürzester Zeit fast 5000 «Freunde» – und provozierte weiter.
Seine Schmähtiraden animierten nicht nur Dutzende User zu teils wohlgesinnten, teils gehässigen Reaktionen, sondern riefen wiederum die Facebook-Zensoren auf den Plan. Falls sich der User hinter dem anonymen Cabaret-Voltaire-Account nicht sofort mit einem bürgerlichen Namen anmelde, werde er gesperrt, schrieben sie. Und so kam Philipp Meier wieder zu seinem persönlichen, wenn auch neuen Facebook-Konto. Einfach mit ein paar Tausend Freunden mehr.
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Alle 39 Kommentare



































Das gläserne Personalbuch
Ich finde es wird Zeit das Facebook aus unserem Leben verschwindet. Remember remember the 5 of November!
ich finde...
solche bilder gehören aber auch wirklich nicht ins facebook. kunst oder nicht. sonst müsste man halt noch ein system implementieren, damit die bilder nur 18 jährigen erscheinen und das würde wohl einen gewissen rahmen sprengen. wo bleibt nur der gesunde menschenverstand?! und dann noch von einem lehrer!!!
Absolut richtig
Titel sagt alles
Bildungsauftrag
Ohh ja weil ein grosses Meisterwerk, was in einem Museum allen zugänglich ist und noch dazu das weibliche Geschlecht natürlich und unkommerzialisiert darstellt, ganz ganz schlimm ist, besonders weil er ja Lehrer ist und es furchtbar ist der Welt zu zeigen wie eine nicht pornographisierte Vagina aussieht, sowas gehört nun wirklich nicht ins Internet, schon gar nicht als Kommentar zu all den glattrasierten und gestrafften Lippen die es da sonst so gibt.
prüde?
bienchen und blüten oder was?? im tv siehst du auch titten und dergleichen, es muss nur mal eine modelsendung zB "das model und der freak" sein und schon hast du deinen pornosalat, und das um 1900 uhr wenn deine kids noch vor der glotze sitzen... das ist GAAAANZ NATÜRLICH
Google und seine "Brüderchen"
Löschen ohne Vorwarnung ist im Internet Gang und Gäbe - eine Unsitte, die mitunter 1000e Franken Verlust einfahren kann. Aber Google und seine "Brüderchen" (die Server und zum Teil kriminellen Staatsanwaltschaften) wollen keine Kommunikation, sondern wollen mit Zensur nur ihre Macht bestätigen...