David gegen Goliath

09. Januar 2013 20:31; Akt: 11.01.2013 14:38 Print

Max Schrems' teurer Kampf gegen Facebook

von Daniel Schurter - Ein Student lehrt Facebook das Fürchten. Max Schrems kämpft clever, ist aber für die entscheidende Runde auf Spenden angewiesen, auch aus der Schweiz.

Dieses Interview mit Max Schrems wurde im Dezember 2012 im österreichischen Fernsehen geführt. (Quelle: youtube.com/europevfacebook)
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Noch ist Max Schrems nicht am Ziel. Doch der 25-jährige Österreicher hat bereits mehr erreicht als die vielen staatlichen Datenschutzbehörden zusammen. Mit ein paar Mitstreitern hat der Jus-Student vor eineinhalb Jahren den Verein «Europe vs. Facebook» gegründet. Seither führt der Facebook-Schreck einen unerbittlichen Kampf gegen den Social-Media-Konzern, dessen Datensammelwut keine Grenzen kennt.

Das Lachen dürfte Mark Zuckerberg und seinem Management-Team mittlerweile vergangen sein. In direkten Verhandlungen wurde keine zufriedenstellende Einigung erzielt. Nun will Schrems in die entscheidende Schlacht ziehen. Eine juristische Schlacht, die vor den höchsten Richtern Europas enden könnte. Das europäische Datenschutzrecht gilt für den mächtigen US-Konzern, weil er seinen Gechäftssitz ausserhalb der USA im irischen Dublin hat.

Juristisch ist keine direkte Klage gegen Facebook möglich. Derzeit bereitet Schrems darum eine Klage gegen die zuständige Datenschutzbehörde vor. Die irische Behörde hat aus Sicht des jungen Österreichers zu wenig getan, um Facebook in die gesetzlichen Schranken zu verweisen. Weil sich die Prozesskosten auf bis zu 300'000 Euro belaufen könnten, sammelt der Verein seit Dezember Geld via Crowdfunding. Gegenüber 20 Minuten Online nimmt Schrems zu der Aktion Stellung.

Herr Schrems, wie beurteilen Sie den bisherigen Spendenverlauf?
Max Schrems: Wir sind recht zufrieden. Bisher haben wir schon mal den nötigen Betrag, um alles fertig für die Gerichte vorzubereiten, aber es wird spannend, ob am letzten Tag ein ausreichendes Polster da ist, damit wir das Risiko eingehen können.

Haben Sie auch Geld aus der Schweiz erhalten?
Ja, wir haben schon einiges aus der Schweiz bekommen, obwohl da bisher wenig berichtet wurde.

Ist es überhaupt sinnvoll, wenn sich Schweizer Spender engagieren?
Ja, Irland ist für alle Nutzer ausserhalb der USA und Kanada zuständig – das betrifft Schweizer genauso wie Österreicher.

Der Autor Wolf Haas hat sich für Ihre Sache engagiert.
Durch den Verkauf von signierten Büchern sind 1700 Euro zusammengekommen. Zudem war es natürlich cool, von ihm unterstützt zu werden – wir haben ja alle die Bücher gelesen und die Filme gesehen.

Wünschen Sie sich weitere prominente Namen, die sich für die Aktion engagieren?
Natürlich wäre das cool, Wolf Haas hat sich ja einfach per E-Mail bei uns gemeldet. Wir haben aber nicht aktiv andere gesucht – mit diesen Society Fundraisern konnten wir uns nicht so anfreunden.

Was passiert, wenn Sie nicht die mindestens erforderlichen 100'000 Euro sammeln können?
Dann haben wir alles gemacht, was möglich war. Unser Spendensystem erlaubt es, den Spendern das Geld zurückzuerstatten, die anderen Spenden werden wir an andere Datenschutz-NGOs weitergeben.

Bis wann läuft die Aktion - und was sind die nächsten juristischen Schritte?
Wir bekommen hoffentlich in den nächsten zwei Monaten mal eine «finale» erste Entscheidung. Die irische Behörde hält uns ja schon eineinhalb Jahre hin. Mit dieser Entscheidung kann man dann vor Gericht.

Im letzten Jahr hat Facebook den Kontakt abgebrochen. Gab es seither wieder Verhandlungen?
Wir sind eigentlich durchgehend in Kontakt, aber seitdem wir nicht kleinbeigeben, ist der Ton etwas rauer und vorsichtiger.

Stehen Sie in regelmässigem Kontakt mit staatlichen Datenschützern?
Da kommt es stark auf die einzelnen Staaten an. Die meisten sind unterfinanziert und haben zu wenig Personal. Die irische Behörde ist aber ein besonderer Aussreisser in die negative Richtung. Wir erhalten keine Einsicht in unsere eigenen Akten, werden permanent diskriminiert, und derzeit spricht die Behörde auch nicht mit uns. Das ist praktisch wie im Kindergarten.

Wie gross ist Ihr zeitlicher Aufwand?
Er ist immer grösser geworden, ich versuche ihn aber bewusst auf wenige Tage in der Woche zu begrenzen, sonst kommt man nicht mehr raus. Das Studium ist auch neben diesem Projekt gut gegangen: Ich habe vor kurzem die letzte Prüfung gemacht.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andy Dank am 10.01.2013 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Gespendet

    Ich habe gerade 100 Euro gespendet. Super Sache und bewunderswert wie die sich dafür (uneigennützig und unentgeldlich) für UNSERE Anliegen einsetzen.

  • Ideomatic Ide am 10.01.2013 02:20 Report Diesen Beitrag melden

    Mediengeil

    Dieser Typ ist einfach nur Mediengeil. Wenn einem FB nicht passt, soll er die Finger davon lassen. Ausserdem, mir persönlich wäre es egal, wenn die irgendwo in Japan, oder auch Europa ein Foto von mir benutzen. Auch mit den ganzen Daten, hat jemand nix zu verstecken, kann es doch einem egal sein. Wacht auf MENSCHEN wir leben im 21. Jahrhundert.

  • Andreas Zimmermann am 10.01.2013 01:25 Report Diesen Beitrag melden

    aber auch die haben Rechte

    Klar ist das Anmelden freiwillig, aber wenn ich diese Plattform benutzen möchte um mit Freunden auf der ganzen Welt in Kontakt zu bleiben so möchte ich sie nutzen und trotzdem nicht auf meine Rechte verzichten.

  • Mister Mister am 09.01.2013 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum das antun?

    Warum investieren die Zeit in etwas, dass sie nichts angeht? Ich hoffe sie verlieren... Sie müssen sich nicht anmelden und was andere machen, geht sie nix an.

  • Tom Grassu am 09.01.2013 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    Herr Schrems, dass Sie und Ihr Verein den Kampf gegen die lasche Handhabung des Datenschutzes am europäischen Sitz von Facebook für uns alle auf sich nehmen. Ich werde auf jeden Fall auch etwas spenden, sobald das Januarloch verdaut ist ;o). Sehr lustig finde ich ja, dass man die Crowdfoundingsite auf Facebook teilen oder ihr folgen kann.