Wettbewerb

22. Januar 2011 09:52; Akt: 25.01.2011 10:47 Print

«Ich habe Dutzende Kunden»

von Henning Steier - Ben Edelman warf Google vor, Suchtreffer eigener Angebote zu bevorzugen. Der Suchmaschinist attackierte den Harvard-Professor daraufhin, der sich nun wehrt.

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Google: Eigene Angebote bevorzugt?

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In einer Studie unter der Federführung des Harvard-Ökonomen Ben Edelman wird Google und Yahoo vorgeworfen, eigene Angebote prominenter in Suchtreffern zu platzieren als es die Konkurrenz von Microsoft tut. Wer zum Beispiel Mail in die Maske eingibt, dem zeigen Google, aber auch Yahoo zuoberst einen Link zu eigenen Angeboten, Microsofts Suchmaschine bing hingegen mail.yahoo.com.

Insgesamt zeigte Yahoo 37 Mal prominente Links zu eigenen Diensten, Bing 19 Links zu Yahoo-Diensten und Google 15. Der Marktführer verlinkte zuoberst 32 Mal auf eigene Angebote, Yahoo und Bing verwiesen 28 beziehungsweise 26 Mal auf Google-Tools. Der objektiv am schlechtesten wegkommende Anbieter, Yahoo, wollte sich nicht äussern. Ein Google-Sprecher kommentierte die Tests vom August 2010 gegenüber theregister.co.uk so: «Herr Edelman arbeitet seit längerem als bezahlter Berater für Microsoft, daher wundert es uns nicht, dass er einen verzerrten Test konzipiert hat, den sein Sponsor besteht und Google eben nicht. Wir bevorzugen unsere eigenen Angebote bei der Suche nicht. Google führt immer wieder aufwändige Tests durch, um Nutzern die am besten passenden Treffer zu liefern.»

Bereits als Google-Kritiker bekannt

Dass Edelman für Microsoft, das seit geraumer Zeit mit Yahoo bei der Suche kooperiert, tätig ist, verschweigt er auf seiner Website nicht. Gegenüber 20 Minuten Online sagte er: «Ich habe Dutzende Kunden - einer davon ist Microsoft. Meine Klienten beeinflussen meine Forschung nicht.» Im Januar 2010 hatte Edelman nachgewiesen, dass Googles Toolbar für Browser dem Unternehmen das Surfverhalten des Nutzers auch noch anonymisiert übermittelt, wenn dieser sie deaktiviert hat. Im Mai 2009 hatte er Google vorgeworfen, dass der Browser Chrome Nutzer durch Vorschläge dazu verleitet, Suchseiten statt Websites zu besuchen. Dadurch würden Werbekunden für Traffic zur Kasse gebeten, den sie sonst gratis erhalten hätten.

Ende November hatte die EU-Kommission eine Untersuchung gegen Google eingeleitet, um herauszufinden, ob das Unternehmen seine marktbeherrschende Stellung missbraucht. Grund sind Klagen anderer Online-Suchdienste, dass sie sowohl bei den bezahlten als auch den unbezahlten Suchergebnissen benachteiligt seien. Die Rechtssuchmaschine Ejustice.fr sowie die Preisvergleichsportale Foundem und Ciao hatten im Frühjahr eine entsprechende Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. «Die Einleitung des Verfahrens bedeutet nicht, dass die Kommission eine Zuwiderhandlung nachweisen kann, sondern nur, dass sie der eingehenden Untersuchung des Falles Vorrang einräumt», hiess es in einer EU-Mitteilung.

US-Wettbewerbshüter prüfen Vorwürfe

Die Unternehmen hatten unter anderem bemängelt, dass Googles Angebote vor ihren platziert würden. Google hat betont, dass es gegen keine Kartellgesetze verstossen hat. Sollten sich die Vorwürfe der Wettbewerbshüter bestätigen, muss der US-Konzern mit einem Bussgeld rechnen. In den USA sieht sich Google ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt. Die Generalstaatsanwaltschaft von Texas überprüft nicht nur, ob der Suchmaschinist Foundem benachteiligt hat, sondern ermittelt auch nach Beschwerden der B2B-Suchmaschine TradeComet und des Web-Preisvergleichs myTriggers.