Google-Handy

19. Juli 2010 16:40; Akt: 20.07.2010 10:43 Print

Nexus One ist tot

Der vermeintliche iPhone-Killer hat sich als Rohrkrepierer entpuppt. Nun lässt der Konzern sein erstes Smartphone in aller Stille sterben.

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Selbst dem erfolgsverwöhnten Suchmaschinenanbieter gelingt nicht alles. Hier sind die grössten Flops aus zehn Jahren. Schon mal von Orkut gehört? Nein? Vielleicht liegt es daran, dass Sie niemanden kennen, der in Googles sozialem Netzwerk Mitglied ist. Obwohl: In Brasilien und Indien ist es die Nummer 1. Google Checkout sollte dem Online-Bezahldienst PayPal ernsthaft Konkurrenz machen. Bislang ist dies nicht gelungen. Nexus One: Das erste Google-Smartphone wurde als der iPhone-Killer angepriesen. Nur sechs Monate nach der Markteinführung hat Google per Mini-Blogpost das Aus des Nexus One verkündet. Die Verkaufszahlen waren offenbar zu schlecht. Seit der Suchmaschinenanbieter YouTube kaufte, braucht niemand mehr Google Video. Das Portal findet mittlerweile auch Clips von YouTube. Bei der Einführung im September 2009 wurde Google Wave als Kommunikationstechnik der Zukunft angekündigt. Nur ein Jahr später wurde bereits das Aus verkündet. «Nutzlos und unsicher» war der Web Accelerator nicht nur nach Meinung der Tester von netzwelt.de. Eigentlich sollte das Tool für schnelleres Surfen sorgen. Es wird heute nicht mehr weiterentwickelt. Google X zeigte Symbole im Design von Apples Betriebssystem. Doch über ein Nischendasein ist die Innovation nicht hinausgekommen. Antworten von erfahrenen Nutzer und dafür bezahlen? Das wollte kaum jemand. Google Answers wurde eingestellt. Wer braucht den Google Video Player, wenn dieser nichts Besonderes kann? Das Tool spielt keine Rolle mehr in Googles Plänen. Google Catalogs ist eine Suchfunktion für Technikprodukte. Es hat sich dort aber seit längerem kaum noch etwas getan. Zunächst hiess es Froogle, dann wurde es in Produktsuche umbenannt. Doch gegen die grossen Preisvergleichsseiten konnte sich das Angebot bislang nicht durchsetzen. Lively sollte eine Alternative zu Second Life werden. Doch zum 31. Dezember wird Googles virtuelle Welt dichtgemacht.

Nexus One: Google nimmt das Smartphone nach nur sechs Monaten wieder vom Markt.

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In einem etwas minimalistisch geratenen Blogpost hat Google über das vergangene Wochenende das Aus für das Nexus One mitgeteilt. «Diese Woche haben wir unsere letzte Lieferung mit Nexus-One-Telefonen bekommen. Sind die Geräte erst einmal verkauft, werden sie Online von Google nicht mehr erhältlich sein», ist darin zu lesen. Dass es sich dabei um das endgültige Aus handelt, wird allerdings nicht klar. So ist im Post zu erfahren: «Das Nexus One wird in Europa weiterhin von Partnern wie Vodafone verkauft werden ...»

Das auf IT-News spezialisierte Portal engadget.com hat bei dem Konzern nachgefragt und eine offzielle Stellungnahme erhalten, die nicht minder kryptisch daherkommt: «Wir werden das Nexus One über Verizon nicht mehr vertreiben. Das zeigt, welche unglaublichen Veränderungen im offenen Android-Ökosystem gerade am Passieren sind. Verizon-Kunden, die ein Android-Handy mit der Power des Nexus One wollen, erhalten ein Droid von HTC.» Was hier etwas umständlich ausgedrückt wird bedeutet nichts anderes, als dass das Nexus One vom Markt genommen wird.

Dass man sich nur sechs Monate nach dem Verkaufsstart zu diesem Schritt gezwungen sah, macht deutlich, wie enttäuschend die Verkaufszahlen sein müssen. Die Erwartungen waren wohl etwas zu hoch angesetzt, Google wollte im ersten Jahr rund 3,5 Millionen Geräte verkaufen. Der US-Mobilfunkdienstleister Flurry attestierte dem Nexus One einen schlechten Start: So sollen in der ersten Woche nach dem Verkaufsstart gerade mal 20 000 Geräte über den Ladentisch gegangen sein (20 Minuten Online berichtete). Im Vergleich zum iPhone oder dem Motorola Droid ein äusserst bescheidener Erfolg. In den ersten vier Wochen wurden rund 600 000 Apple Smartphones und 525 000 Droids verkauft.

Schon beim ersten Test von 20 Minuten Online wurde klar, dass sich die Konkurrenz vorerst keine Sorgen machen muss.

(mbu)