Werbemarkt im Visier

20. Mai 2010 20:01; Akt: 25.05.2010 12:08 Print

Mit «Google TV» Fernsehgeräte erobern

Zusammen mit dem Schweizer Unternehmen Logitech und Sony will Google mit einer neuen Technologie Internet und Fernsehen zusammenführen. Zudem wurde gestern die Android-Version 2.2 vorgestellt.

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Der US-Konzern Google kündigte am Donnerstag in San Francisco «Google TV» an, mit dem TV-Geräte auf Netzinhalte zugreifen können. Benutzer könnten damit zwischen Fernsehkanälen und Webseiten hin- und her wechseln, hiess es auf einer Entwicklerkonferenz. In Zusammenarbeit mit Logitech und Sony sollten ab Herbst unter anderem Fernseher und Blu-Ray-Spieler mit Google TV auf den Markt kommen.

Damit greift der Internet-Riese auch nach dem Fernsehwerbemarkt mit einem Umfang von 70 Milliarden Dollar. «Mit dem gesamten Internet in ihrem Wohnzimmer wird ihr Fernseher mehr als ein Fernseher», schrieb Google auf dem englischsprachigen Unternehmensblog. Ein TV-Gerät könne dann auch Fotos zeigen, zur Spielkonsole werden, als Musikplayer fungieren und vieles mehr. Zudem biete Google TV die Möglichkeit, nach Kanälen und Programmen zu suchen.

Die Geräte sollen mit einem «Atom»-Chip von Intel ausgestattet werden und offene Software wie das von Handys bekannte Betriebssystem Android und den Browser Google Chrome benutzen. Videoinhalte aus dem Web sollen in gestochen scharfer Bildqualität wiedergegeben werden. Auch Applikationen, die im Android Market zur Verfügung stehen, sollen integriert werden. Externe Tastaturen und Android-Smartphones sollen sich über WLAN mit der Google-Hardware koppeln lassen. Bei der Präsentation wollte dies allerdings noch nicht so richtig klappen.

Ausserdem wurde die Entwicklerkonferenz genutzt, um die neue Version von Android vorzustellen. Android 2.2 trägt den Codenamen Froyo – eine Abkürzung für Frozen Yogurt. Sie unterstützt unter anderem Geräte-Tethering und Adobe Flash innerhalb des Android-Browsers.

Chrome Web Store

Schon gestern wurden einige Neuerungen vorgestellt. Zu den interessantesten Errungenschaften gehört sicher der «Google Chrome Web Store». Dabei handelt es sich um einen offenen Marktplatz für Web-Applikationen. Drittentwickler können darüber ihre Programme an die Kundschaft bringen. Am Beispiel von Sports Illustrated wurde gezeigt, wie attraktiv Medienprodukte mit Hilfe von HTML5 dargestellt werden können. Auch Spiele wird man im Chrome Web Store finden, an der Präsentation wurde mit «Plants vs. Zombies» schon einmal ein Klassiker gezeigt. Wie man es schon vom App Store kennt, werden auch im Chrome Web Store nicht alle Webapplikationen kostenlos sein. Hierfür soll ein entsprechendes Bezahlsystem integriert werden.

Eigenen Angaben zufolge surfen rund 70 Millionen User mit dem Chrome Browser im Internet. Vorerst wird der angekündigte Web Store nur mit dem Google-Browser nutzbar sein. Evtl. wird er aber zu einem späteren Zeitpunkt für andere Browser, die HTML5 unterstützen, geöffnet. Noch in diesem Jahr soll der Web Store unter der Webadresse: chrome.google.com/webstore an den Start gehen.

WebM und Wave

Ebenfalls gestern wurde mit WebM ein neues Open-Source-Videoformat vorgestelllt. Es ist komplett kostenfrei und wird auch von Opera und Mozilla unterstützt. Auch der Internet Explorer 9 von Microsoft soll in der Lage sein, das WebM-Format wiedergeben zu können. Damit wird auch der Videocodec VP8 kostenlos bereitgestellt. Sowohl Mozilla, wie auch Firefox haben eine erste Testversion veröffentlicht, mit der WebM unterstützt wird. Zudem wurde bekannt, dass Googles Kommunikationsdienst Wave ab sofort auch ohne Einladung genutzt werden kann. Dafür braucht man sich nur mit seinem persönlichen Google-Account anzumelden. Damit lassen sich etwa Dokumente von mehreren Personen gemeinsam bearbeiten, ohne dass unzählige E-Mails verschickt werden müssen. Für Wave stehen auch Plugins bereit.

(mbu/sda)