Cloud Computing

07. Dezember 2010 20:19; Akt: 08.12.2010 17:04 Print

Chrome Web Store gestartet

von Henning Steier - Ab sofort stehen rund 500 Applikationen für Googles Browser bereit. Erste Rechner mit dem neuen Betriebssystem Chrome OS sollen in der ersten Hälfte des kommenden Jahres erhältlich sein.

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Zwei Mitarbeiter von Amazon bei ihrer Präsentation von Apps für den Chrome Web Store.

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«Wir haben Chrome vor zirka zwei Jahren gestartet. In den sechs Monaten seit unserer Entwicklerkonferenz Google I/O im Mai stieg die Zahl der Nutzer von 70 auf 120 Millionen Nutzer», sagte Sundar Pinchai, Vice President of Product Management, zu Beginn der heutigen Medienkonferenz des Suchmaschinisten in San Francisco. Dabei seien nur echte Anwender gezählt worden, also solche, die vorwiegend Chrome zum Surfen verwenden.

Brian Rakowski, Group Product Manager, zeigte anschliessend einige aktuelle Funktionen wie das Betrachten von PDF-Dateien und 3D-Inhalten im Browser - letztgenanntes dank OpenGL-Unterstützung. Crankshaft und V8 sollen das Surfprogramm 50 x schneller JavaScript verarbeiten lassen als Standard-Browser vor zwei Jahren - und doppelt so schnell wie bisher. «Geschwindigkeit ist das Eine, Einfachheit eines Browsers das Andere. 30 Updates für Chrome in den vergangenen zwei Jahren, von denen die meisten Nutzer nichts mitbekommen haben dürfen», ergänzte Pinchai. Auch aus Sicherheitsgründen sei das wichtig, denn viele Anwender würden ihren Browser sonst nicht stets auf die aktuelle, sicherste Version aktualisieren. Chrome solle nicht nur Websites in eigenen Sandboxes ausführen, sondern auch Plugins. Seit kurzem wird Adobe Flash so ausgeführt, dass Zugriffe auf kritische Systembereiche blockiert werden. So kann ein Angreifer zwar eine Lücke in Flash ausnutzen, aber weniger Schaden anrichten.

PayPal wird nicht unterstützt

«Es ist schwierig Apps zu Geld zu machen», räumte Sundar Pinchai anschliessend ein. Games seien in allen App Stores die wichtigste Kategorie, sagte er und zeigte am Beispiel des Spiels «Dreams 2», wie man eine App kauft. Dazu loggte er sich mit seinem Google-Account ein und installierte das Game binnen zehn Sekunden. Was er nicht erwähnte: Man braucht einen Account bei Google Checkout, dem Bezahlsystem des Suchmaschinisten. Dieses ist im Vergleich zu Anbietern wie PayPal nicht besonders populär. Pinchai sprach nur davon, dass man Anwendungen prominent platzieren möchte. Wie dies auch unbekannteren Applikationen zu mehr Popularität verhelfen könnte, liess er offen.

Unter der Adresse chrome.google.com/webstore wird der Chrome Web Store sukzessive für alle Anwender zugänglich gemacht. Zum Start sind rund 500 Applikationen verfügbar. Auc wenn in Googles Blogeintrag Gegenteiliges behauptet wird - das Angebot nicht nur in den USA, sondern unter anderem auch hierzulande verfügbar. Ein kurzer Blick zeigt, dass die meisten Apps einfach gehalten sind. So auch jene, die Marc Frons, CTO Digital Operations der «New York Times» zeigte: In der Anwendung der US-Zeitung kann man mit Tastenkürzeln navigieren. Artikel werden nacheinander und bildschirmfüllend in der Reihenfolge angezeigt, welche die Macher festgelegt haben. Es gibt überdies eine vereinfachte Ansicht, die an RSS Reader erinnert. Die App soll auch offline funktionieren - HTML5 macht es möglich. Echte Innovationen sucht man vergeblich.

Apps von EA und Amazon

Mitarbeiter von Electronic Arts (EA) zeigten danach das Game «Poppit». Man habe aus ihm binnen 24 Stunden eine HTML5-Version für Googles Angebot erstellen können. «Poppit» werde in die kommende Version 9 des Browsers integriert. Man könne es aber auch schon heute herunterladen. David Limp und Eva Manolis von Amazon präsentierten ein Tool namens Window Shop, eine vereinfachte Vollbild-Version des Shopping-Angebots. Die im nächsten Jahr verfügbar App Kindle for the Web zeigt einem alle Bücher, die man auf seinem Reader hat, im Browser an - auch Wunsch in einer Coverflow-Optik, wie Apple sie populär gemacht hat. Nutzer können sich ihre Werke anschauen, Schriftgrössen und -weiten ändern und überdies neue mit einem Klick kaufen. Dabei soll man kaum noch das Gefühl haben, sich in einem Browser zu befinden. Auch hier stellt sich auf den ersten Blick die Frage nach einem echten Mehrwert. Nich aufgeworfen wird sie allerdings bei einer nützlichen Funktion des Google-Angebots: Kunden können ihre Applikation 30 Minuten nach dem Kauf gebührenfrei umtauschen.

Abschliessend lieferte Sundar Pinchai einen kurzen Ausblick auf das kommende Betriebssystem Chrome OS. Binnen 60 Sekunden soll man es auf einem neuen Rechner konfigurieren und nutzen können. Wer sich auf einem Rechner mit Chrome OS anmeldet, soll sogleich unter anderem seine Einstellungen und besuchten Websites angezeigt bekommen. Es soll aber auch Gast-Accounts geben, wie man sie unter anderem von Windows kennt. In den USA will Google mit dem Provider Verizon zusammenarbeiten. Es soll Tages-Flatrates geben, aber auch monatlich 100 Megabyte Datenvolumen im Zwei-Jahres-Abo.

Unternehmenskunden im Visier

Gordon Payne, Senior Vice President von Citrix Systems, stellte danach Citrix Receiver für Chrome OS vor, um sicherheitsbewussten Unternehmenskunden Googles Betriebssystem schmackhaft zu machen. Am Beispiel Excel wurde gezeigt, dass man die Tabellenkalkulation über den Browser ansteuert, sie aber auf Servern des jeweiligen Unternehmens läuft. Ausserdem steht über das Citrix-Tool eine Art eigener App Store für Firmenanwendungen zur Verfügung. Die Lösung soll nächstes Jahr verfügbar sein.

Laut Pinchai hat man vor etwa einem Jahr mit den Arbeiten an Chrome OS begonnen. Es sei aber noch nicht fertig: «Wir müssen beispielsweise noch dafür sorgen, dass man über USB-Geräte anschliessen kann. Mitte 2011 sollen die ersten Rechner mit Chrome OS erhältlich sein.» Als erste Partner nannte Sundar Pinchai Intel, Samsung und Acer. Heute startet Googles Pilotprogramm mit einem Notebook, das Pinchai CR-48 nannte. Es komme ohne Branding zu den Testern. Zu seinen Spezifikationen zählt ein 12-Zoll-Display, Tasten in Normalgrösse, WLAN nach dem n-Standard und eine Webcam. «Der Jailbreak-Modus ist eine Standardfunktion - Entwickler können mit dem Rechner machen, was sie möchten», schmunzelte Pinchai. Zu ersten Unternehmen, in denen Rechner mit Chrome OS getestet werden, zählen Kraft, Logitech, American Airlines, aber auch das US-Verteidigungsministerium. Nutzer können nur Tester werden, wenn sie bei einem Facebook-Quiz auf der Chrome-OS-Fanseite mitgemacht haben oder sich auf google.com/chromenotebook dafür bewerben. Allerdings stehen all diese Möglichkeiten bislang nur US-Anwendern offen. Wann sich das ändern soll, gab Google noch nicht bekannt.