Erinnerungen an Wave

09. Februar 2010 19:21; Akt: 09.02.2010 20:56 Print

Hat Twitter bald ausgezwitschert?

Der grösste Suchmaschinenanbieter hat am Firmensitz in Mountain View eine Erweiterung für Gmail vorgestellt. Damit können Nutzer über Aktivitäten ihrer Kontakte auf dem Laufenden bleiben und unter anderem Bilder, Videos sowie Links mit ihnen teilen. Google Buzz ist eine Attacke auf den wichtigsten Microblogging-Dienst und Facebook.

Google Buzz: Offizielles Präsentationsvideo (Quelle: YouTube)
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«Joe hatte einen Bagel zum Frühstück und Annie kratzt sich am Fuss. Bei Nachrichten wie diesen und 5000 Kontakten ist es oftmals schwierig, das Interessante vom Unwichtigen zu trennen», sagte Bradley Horoviz, Vice President Product Management bei Google, schmunzelnd zur Einleitung der Präsentation von Google Buzz.

Auf den ersten Blick weckt die Erweiterung des E-Mail-Dienstes Gmail Erinnerungen an das Kollaborations-Tool Google Wave. Jeder Nutzer kann einen Buzz genannten Feed erstellen und diesen direkt mit Kontakten austauschen. Damit bewahrheiten sich Gerüchte, über die 20 Minuten Online heute Morgen berichtet hatte. «User können ihn über ein Dropdown-Menü mit ausgewählten Leuten teilen oder aber allen über ihr Google-Profil zugänglich machen», sagte Todd Jackson, Product Manager Google Buzz. Das System lerne ständig dazu und könne mit der Zeit herausfinden, welche der Beiträge wirklich nützlich für den Anwender sind. Dazu werde beispielsweise analysiert, wie viele Kontakte ein Nutzer habe, wie viele Links und Bilder seine Beiträge enthielten, um so Rückschlüsse auf deren Qualität zu ziehen, so Jackson. Um Google Buzz zu verwenden, muss man nichts installieren. Der Button erscheint in der Gmail-Inbox links unter der Schaltfläche Posteingang. Anfangs werden einem jene Kontakte präsentiert, mit denen man in der Vergangenheit am häufigsten kommuniziert hat. Kommentare und einem @-Antworten erscheinen direkt im Posteingang - in Echtzeit, also ohne die Seite aktualisieren zu müssen. User können einen Buzz unter anderem mit YouTube-Videos, Bilder von Picasa, Tweets des wichtigsten Microblogging-Dienstes Twitter und Feeds aus dem Google Reader versehen.

Facebook bleibt vorerst draussen

Mit Facebook Connect soll Buzz laut Bradley Horoviz vorerst nicht zusammenarbeiten können. «In der ersten Version kann man überdies nicht twittern», sagte Todd Jackson. Wer Buzz nutzt, legt automatisch ein Google-Profil an. Damit scheint Google sozialen Netzwerken wie Facebook ernsthaft Konkurrenz machen zu wollen. Der Suchmachinenanbieter bietet zwar mit Orkut bereits ein solches an. Es ist aber bislang vor allem nur in Brasilien populär. Facebook scheint seinerseit laut Branchengerüchten unter dem Codenamen «Project Titan» einen eigenen E-Mail-Dienst starten zu wollen. Wie ernst es Google mit Buzz ist, wurde auch daran deutlich, dass mit Sergey Brin einer der Gründer zur Fragerunde schien. Gefragt, welchen konkreten Nutzen Buzz bringen soll, sagte er: «Ich musste kürzlich einen Artikel über Google Books für die «New York Times» schreiben und konnte mir so leicht und schnell Feedback von Kontakten holen - vor der Abgabe.» Auf die Frage nach einer Unternehmensversion von Buzz, sagte Bradley Horoviz, darüber denke man nach.

«Wer eingeloggt ist und die Google-Homepage ansteuert und das Buzz-Icon anklickt, dem schlägt das eigene Handy einen Ort vor, an dem er sich befinden könnte. Anschliessend kann man den Vorschlag bestätigen oder einen neuen Versuch starten», erläuterte Vic Gundotra, Vice President Engineering, die mobile Version des Tools. Es gebe ausserdem einen Buzz Layer für Google Maps for mobile. Wie es im offiziellen Firmen-Blog heisst, soll Buzz allen Gmail-Usern in den nächsten Tagen zugänglich gemacht werden. 20 Minuten Online wird das Tool schnellstmöglich testen.

(hst)