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02. September 2013 12:48; Akt: 02.09.2013 15:58 Print

Tester geben Google Glass gute Noten

von Michael Liedtke, sda - Rund 10'000 Personen sehen die Welt bereits durch Googles neue Superbrille. Die Resonanz der ersten Testpersonen ist gut, Experten bleiben skeptisch.

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Google Glass könnte einen neuen Trend schaffen, glaubt man den ersten Testpersonen. (Bild: Keystone/AP/Jeff Chiu)

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Mit einer Datenbrille will der Internetkonzern Google den Markt revolutionieren. Derzeit befindet sich Google Glass noch in einer umfassenden Testphase. Bei den Testpersonen kommt sie gut an, doch Experten zweifeln an der Massentauglichkeit des Produkts.

Googles neue Datenbrille Google Glass ist nicht nur etwas für Computerfreaks. Geht es nach dem Internetkonzern, wird Google Glass den Umgang des Menschen mit der Onlinewelt revolutionieren. Der Nutzer setzt die Datenbrille, die wie ein Smartphone funktionieren soll, einfach auf und fertig. Rund 10'000 Menschen testen derzeit Google Glass, darunter auch Lehrer, Zahnärzte, Friseure, Architekten, Sportler und sogar ein Zoowärter. Die Nachrichtenagentur AP hat sich bei einigen Testern umgehört, wie ihre Erfahrungen mit Google Glass sind.

Zu den Testpersonen gehören die ehemalige US-Fernsehmoderatorin Sarah Hill, die sich inzwischen für Kriegsveteranen einsetzt, und die Hausfrau Deborah Lee. Besonders gefallen an Google Glass hat Hill und Lee die Möglichkeit, mit der an der Brille befestigten Kamera Fotos und Filme zu produzieren, und zwar allein durch Sprachsteuerung. Auch der einfache Zugang zum Internet gefiel ihnen. Man tippt gegen den rechten Rahmen von Glass und scrollt dann per Wischbewegung durchs Menü. Darüber lässt sich beispielsweise der Kartendienst von Google aufrufen oder eine Suchmaschinenabfrage starten. Die Informationen erscheinen auf einem daumennagelgrossen transparenten Bildschirm oberhalb des rechten Auges, so platziert, dass das Sichtfeld des Nutzers möglichst nicht eingeschränkt wird.

Zu schnell ausgepowert

Negativ bewerteten die beiden Frauen die kurze Akkulaufzeit. Besonders rasch leert sich die Batterie, wenn viel mit der Videokamera gearbeitet wird. Google gibt an, dass der Akku von Google Glass bei normaler Nutzung einen ganzen Tag reichen sollte, aber Hill berichtet, dass manchmal nach anderthalb bis zwei Stunden nichts mehr ging, wenn sie die Kamera viel benutzt hatte.

Auch der Lautsprecher sei noch nicht optimal, sagten die Testerinnen. Der Lautsprecher arbeitet mit Knochenschall, der Ton sei jedoch ausserhalb stiller Räume nur schwer zu verstehen, so die Frauen. «Draussen auf der Strasse oder an einem anderen lauteren Ort versteht man überhaupt nichts», sagt Lee. «Das ist schon anstrengend, weil es sich nicht korrigieren lässt. Eine Lautstärkeregelung würde meiner Meinung nach viele Probleme lösen.»

Das Internet im Auge

Hill ist begeistert, seit sie Google Glass im Mai das erste Mal getestet hat. «Es ist, als ob man das Internet im Auge hat, dabei aber weniger störend, als ich es gedacht hätte.» Einen Vorteil entdeckte sie ziemlich früh, als sie bei einer Taxifahrt eine Videokonferenz einleitete. Als das Taxi am Flughafen ankam, wollte sie die Konferenz abbrechen, um die Hände für ihr Gepäck frei zu haben.

«Und da fiel mir plötzlich auf: ‹Verflixt und zugenäht, ich muss das Gespräch ja gar nicht beenden!› Ich konnte einfach weiterreden», sagt Hill. «Also führte ich das Gespräch auf dem Flughafen weiter und die Leute glotzten mich an, als würden sie sich wundern, was ich da im Gesicht habe.»

Hill gewöhnte sich rasch an die fragenden Blicke, während sie mit der Datenbrille auf der Nase zu Gemeindeveranstaltungen, ins Restaurant oder zum Einkaufen ging. Immer wieder bot sie anderen an, die Brille einmal auszuprobieren, und die meisten seien von Google Glass beeindruckt gewesen, sagt Hill. Für Kriegsveteranen, die zu alt oder zu krank sind, um dort selbst hinzureisen, hat Hill per Google Glass eine Führung durch eine Weltkriegs-Gedenkstätte in Washington aufgezeichnet.

Lee dagegen hat die Datenbrille eher für Privates genutzt: Sie hat besondere Augenblicke mit ihrer neun Monate alten Tochter Maddie aufgezeichnet, beispielsweise, wenn sie die Kleine gekitzelt und auf den Bauch geküsst hat. «Mit einem Handy in der Hand kann man das nicht machen, deshalb finde ich Google Glass natürlich ganz grossartig», sagt Lee. «Das war eine tolle Sache.»

Sie hat die Datenbrille auch dazu genutzt, live per Video ihre Eltern zuzuschalten, damit diese dabei sein konnten, als Maddie erstmals feste Nahrung zu sich nahm. «Ich zeichne all diese kleinen Augenblicke auf, die bei einem Baby so aufregend sind,» erzählt Lee.

Angst vor Missbrauch

Datenschützer treibt gerade dieser Punkt - die Möglichkeit, freihändig aufzuzeichnen - Schweissperlen auf die Stirn. Sie monieren, es werde dadurch noch einfacher, unbemerkt Aktivitäten anderer aufzuzeichnen.

Vielleicht sind die Bedenken aber auch müssig, denn manche Experten sind nicht überzeugt, dass sich Google Glass auf dem Massenmarkt durchsetzen wird. Die Datenbrille werde als lustige Randnotiz, die niemals ihren Vorschusslorbeeren gerecht wurde, in die Geschichte eingehen, glauben sie.

Google Glass dürfte nicht mehr als 150 Euro kosten, um reichlich Absatz zu finden, meint Angela McIntyre vom Marktforscher Gartner. In der Frühphase mussten die Tester noch rund 1200 Euro für das exklusive Vergnügen berappen, zu der kleinen Gruppe derer zu gehören, die das Produkt als erstes ausprobieren durften. McIntyre sagt, nicht Google Glass, sondern internetfähige Smartwatches würden für Aufsehen sorgen: «Die Leute sind halt einfach eher daran gewöhnt, sich Technik ans Handgelenk zu schnallen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ecb am 03.09.2013 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    optische Gläser einbauen

    Kann man auch korrigierte Gläser einschleifen?

  • Joe Temeno am 02.09.2013 18:44 Report Diesen Beitrag melden

    billig

    Einfach für 1.-- anbieten wie alle Android Produkte und weg gehen sie ;-)

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  • Smc-mb4127 am 03.09.2013 03:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Believe me - we will see!

    Believe me - we will see it trought the glass! Ich bin hundert prozent überzeugt, dass in 5-10 jahren alle über die smartphones nur lächeln werden. So wie wir dies heute über das nokia 3210 oder das festnetz tun, und irgend so ein gadget im auge haben Ich behaupte, nicht mit diesem goggle-glas aber die konzepte sind in den schubladen der firmen. Ich werde jedenfalls durch so glasses schauen und freue mich. Schaue auch jetzt schon täglich ins glas.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ecb am 03.09.2013 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    optische Gläser einbauen

    Kann man auch korrigierte Gläser einschleifen?

  • mein name am 03.09.2013 06:40 Report Diesen Beitrag melden

    Was für Experten

    150 ? Wir geben mehr als 500 für ein Telefon aus und dann sind die der Meinung das man nur einen Bruchteil davon für so eine Innovation ausgibt? Den PC braucht kein Mensch, höchsten 40 Leute Weltweit werden einen kaufen, so oder so ähnlich haben die "Experten" damals gesprochen. Genau das gleiche wie nun mit der Brille.

  • andy b am 03.09.2013 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brillenträger?

    Und was machen die die eine normale Brille tragen müssen?

  • Smc-mb4127 am 03.09.2013 03:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Believe me - we will see!

    Believe me - we will see it trought the glass! Ich bin hundert prozent überzeugt, dass in 5-10 jahren alle über die smartphones nur lächeln werden. So wie wir dies heute über das nokia 3210 oder das festnetz tun, und irgend so ein gadget im auge haben Ich behaupte, nicht mit diesem goggle-glas aber die konzepte sind in den schubladen der firmen. Ich werde jedenfalls durch so glasses schauen und freue mich. Schaue auch jetzt schon täglich ins glas.

    • outliner am 04.09.2013 12:57 Report Diesen Beitrag melden

      The next big thing

      wird kommen. Aber kaum von Google. Google hat seit ihrem Bestehen noch nichts Bahnbrechendes entwickelt. Ihre erfolgreichen Produkte sind abgeschaut (Search) oder eingekauft (Android). Alle Eigenentwicklungen waren dagegen totale Flops(Chrome OS, Wave und viele mehr). Das Einzige, was sie perfektioniert haben ist das Werbegeschäft.

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  • Hugo am 03.09.2013 00:05 Report Diesen Beitrag melden

    Gehirn zu verkaufen

    Wird mal in der Sparte *Erfindungen die die Welt nicht braucht* abgelegt.Irgendwann braucht der Mensch sein Gehirn dann gar nicht mehr da er alle Ereignisse Filmen/Fotografieren kann und keine Ereignisse mehr in Erinnerung behalten muss.Das einzige an was man sich noch erinnern muss ist in welchem Ordner welches Video/Foto liegt.Zum Glück sind sämtliche Körperfunktionen automatisiert.Und falls diese automatismen dann auch irgendwann noch flöten gehen gibt es dann bestimmt ein App welches einem ans Atmen und den Wimpernschlag erinnert.Willkommen in der Zukunft.

    • Dino Haager am 03.09.2013 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ui ui ui

      Du hast bestimmt einen Strickpulover an, läufst mit Socken in den Sandalen rum und hast Rastas... 1. diese Prognose ist unhaltbar, weil diese Smart-Glass nur als Unterstützung gedacht ist (wie GPS/Smartphones) 2. wenn wir keinen Fortschritt machen wollen, strengen wir unsere Hirne auch nicht an ;-)

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