BfU warnt

06. August 2013 09:12; Akt: 06.08.2013 09:30 Print

«Google Glass am Steuer gehört verboten»

von Oliver Wietlisbach - Googles Cyberbrille lenkt weniger ab als der Blick auf das Navigationsgerät, behaupten Technik-Fans. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung hingegen warnt vor Google Glass im Auto.

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Macht Google Glass das Autofahren sicherer oder lenkt die Cyberbrille wie Handy und Navi von der Strasse ab?

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Googles Datenbrille bietet alles, was wir heute an modernen Smartphones schätzen: Kurznachrichten, Mails und Erinnerungen können bequem auf dem Mikrodisplay vor dem Auge angezeigt und gelesen werden. Dank Apps und Augmented Reality könnte die Brille, wenn sie 2014 in die Läden kommt, auch hervorragend zum Navigieren geeignet sein. Der Clou: Verkehrshinweise werden direkt im peripheren Sichtfeld des Autofahrers eingeblendet. Technik-Fans argumentieren, dass dies viel weniger ablenke als das Navigationsgerät, an dem nur zu oft bei voller Fahrt herumgefingert wird.

«Google Glass lenkt Autofahrer ab»

Ganz anderer Meinung ist man bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU): «Die aktuelle Version von Google Glass – mit der etwa SMS versandt oder der Wetterbericht konsultiert werden kann – führt ganz klar zu einer Ablenkung.» Die Brille sei daher am Steuer zu verbieten, weil die Autolenker ihre volle Aufmerksamkeit der Strasse widmen sollen. Das geforderte Verbot bezieht sich ausdrücklich auf die aktuelle Version der Computerbrille: «Künftige Weiterentwicklungen könnten Google Glass durchaus auch für Sicherheitsaspekte nutzbar machen», sagt BfU-Mediensprecher Rolf Moning. Er denkt dabei an eine Fussgängererkennung, die dem Lenker eine Warnung in seinem Blickfeld einblendet. Noch sei Google Glass aber nicht so weit, um die Verkehrssicherheit zu verbessern. «Dafür ist noch einiges an Forschungsarbeit nötig», glaubt man bei der BfU.

Bussen wie für Smartphones

Auch in England beäugt man Googles neustes Gadget mit Argusaugen. Das britische Verkehrsministerium will die Nutzung der Datenbrille am Steuer unterbinden, da es eine zu grosse Ablenkung der Autofahrer befürchtet: «Wir sind uns der bevorstehenden Einführung von Google Glass bewusst und sind im Gespräch mit der Polizei, um sicherzustellen, dass diese Technologie beim Fahren nicht genutzt wird», erklärte das Department for Transport (DfT) gegenüber dem Tech-Portal Stuff.

Google Glass am Steuer soll in England mit Bussen von 60 bis 90 Pfund (85 bis 130 Franken) ähnlich hoch gebüsst werden wie das Bedienen eines Mobiltelefons, schreibt der «Guardian». Auch in der Schweiz droht für das Verwenden eines Telefons ohne Freisprecheinrichtung während der Fahrt eine Ordnungsbusse von 100 Franken. «Das Schreiben einer SMS am Steuer wurde durch das Bundesgericht im Jahr 2009 als grobe Verkehrsregelverletzung eingestuft, die mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft werden kann», heisst es auf der Website der BfU.

«Befolge das Gesetz!»

Britische Organisationen, die sich wie die BfU in der Schweiz für die Verkehrssicherheit engagieren, begrüssen das Vorgehen gegen Google Glass: Neue Technologien könnten das Fahren sicherer machen, erklärte ein Sprecher von Road Safety GB gegenüber der «International Business Times», «aber Google Glass gehört nicht dazu».

Google äusserst sich laut Tech-Portal Stuff nur vage zum drohenden Verbot: «Wir überlegen uns sehr genau, wie wir Glass konstruieren, da neue Technologien immer neue Probleme mit sich bringen.» Auf der Glass-Website macht der Softwareriese zudem darauf aufmerksam, dass die Nutzung mobiler Geräte während des Fahrens in den meisten Staaten verboten ist. «Befolge das Gesetz», so der lapidare Hinweis des Glass-Herstellers.

So bedient man die Google-Brille

Der Versand von SMS und E-Mails gehört zu den Kernfunktionen von Google Glass. Dazu kommen Navigation und Foto- beziehungsweise Video-Aufnahmen. Die Smart-Brille wird durch eine berührungsempfindliche Fläche bedient, die an einem der Brillenbügel angebracht ist. Durch einfaches Antippen erwacht die Brille zum Leben. Nun kann man das Minidisplay vors Auge rücken, um die eingeblendete Benutzeroberfläche zu sehen.

Abgesehen vom Touchpad kann die Google-Brille dank integriertem Mikrofon auch über gesprochene Anweisungen bedient werden. Dabei zeigt sich allerdings das gleiche Problem wie bei Siri und anderen sprachgesteuerten Smartphone-Assistenten. Die Spracherkennung ist längst nicht ausgereift.

Quelle: Youtube

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Die Idee ansich wäre nicht schlecht, das Problem wird einfach sein, das viele Autofahrer noch "schnell" eine SMS oder Mail während dem Fahren beantworten, dann noch "schnell" den Wetterbericht checken etc. Aber das auch ganz "schnell" ein Mensch auf der Strasse stehen kann vergessen viele. Jeder der schon mal während dem Fahren telefoniert hat, egal wie, muss zugeben, das er nicht mehr genau weiss, was alles an ihm vorbeigezogen ist während des Gespräches. – Rösi Müller

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kutscher am 06.08.2013 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Welt ist nun devinitiv

    am verblöden!!!!!

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  • Heiko am 06.08.2013 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Tschüss, gesunder Menschenverstand!

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie es Radio, Klimaanlage, Spiegel, Scheibenwischer, Tacho usw., UND Mitfahrer es bisher geschafft haben, einem Verbot zu entgehen?! Alles Dinge(und Menschen), welche den Fahrer stören könnten! Eigentlich müssten sämtliche Fahrzeuge mit mehr als einem Sitzplatz und irgendeinem der obenerwähnten Einbauten verboten werden! Mindestens müsste man jedoch Kinder in Autos verbieten! Diese sind sowieso "Störender" als jedes Gerät! Ja, Ja, so ist das, wenn der gesunde Menschenverstand sich langsam aber sicher verabschiedet!

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  • Carla am 06.08.2013 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wall-E

    Wer kennt diesen Film? Gut. Dort kommunizieren auf dem Schiff alle nur noch über einen Bildschirm miteinander. Auch wenn sie nebeneinander sind. Soll so unsere Zukunft aussehen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Vader am 07.08.2013 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    juppii

    dank google glases werden nur noch 20% der autounfälle wegen alkhol passieren(jetzt 30) also ist das toll.... *ironie off*

  • Ck am 07.08.2013 08:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweiradfahrer

    bei dem ganzen Elektronikschrott der sonst schon in den heutigen Autos verbaut ist und vom Verkehr ablenken kann braucht es nicht noch mehr solchen Unsinn. Ich bin nicht gegen neues aber im heutigen Strassenverkehr gehört die ganze Aufmerksamkeit auf die Strasse, und nur da hin.

  • Inna am 07.08.2013 06:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wann kommt Google Auto?

    Das Auto, dass alles selber macht und wo man im Internet surfen kann, während Google fährt?

    • E.K. am 07.08.2013 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Jetzt

      Gibt es schon.

    • Kurt am 07.08.2013 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Gibt es schon

      Die ersten prototypen sind in Kalifornien schon unterwegs

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  • seto kaiba am 07.08.2013 00:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bls eotb

    diese augmented reality funktion der brille könnte man gut dazu benutzen um monster aus dem yugioh kartenspiel zu rufen.

  • Markus Frei am 06.08.2013 22:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erst mal testen.

    Testet die Brille doch erst mal wenn sie raus kommt anstatt vorher schon mit unsicheren Behauptungen zu polemisieren!

    • Kurt am 07.08.2013 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Hören sagen

      Das kommt vom hören sagen. Ich habe eine und alle die sie bis heute an hatten haben ihre meinung geändert

    • Freiheitskämpfer am 07.08.2013 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ich will auch

      Meinen Senf dazu abgeben Herr Frei.

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