Anwendung im Test

10. Februar 2010 15:45; Akt: 10.02.2010 16:00 Print

Google Buzz - das bessere Twitter?

Google hat seinen Mail-Dienst Gmail aufgebohrt und ihm ein paar Social-Community-Funktionen verpasst, um Facebook & Co. zu konkurrenzieren. 20 Minuten Online hat Buzz in der Mobile-Version ausprobiert.

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Mit ihrem Kerngeschäft, der Internet-Suchmaschine, verdient Google jährlich Milliarden. Damit weitet der Branchenprimus fortlaufend sein Angebot aus und erschliesst im Eiltempo neue Geschäftsfelder. Erst gestern stellte das Unternehmen mit Firmensitz in Mountain View mit Google Buzz einmal mehr ein weiteres Produkt vor (20 Minuten Online berichtete). Dabei handelt es sich um ein ganzes Paket an Erweiterungen für den Mail-Dienst Gmail. Die Ideen dahinter sind allerdings nicht neu, sondern wurden von Facebook & Co. abgekupfert. Die User können einen Buzz genannten Feed erstellen und diesen direkt mit den Kontakten aus dem Adressbuch austauschen. Dabei haben sie die Wahl zwischen privaten und öffentlichen Nachrichten. Ein Buzz lässt sich unter anderem mit YouTube-Videos, Bildern von Picasa, Tweets des wichtigsten Microblogging-Dienstes Twitter und Feeds aus dem Google Reader versehen.

Kampf der Web-Giganten

Damit bewegt sich Google auf Kollisionskurs zu Twitter und Facebook. Mit Orkut unterhält Google zwar schon eine eigene Social-Community, die ist aber nur in Brasilien wirklich populär und im Vergleich zu Facebook ein kleiner Fisch. So spricht die«New York Times» nach der Ankündigung von Buzz von einem «dreisten Versuch, ein soziales Netzwerk zu bauen, welches mit Facebook und Twitter mithalten kann.»

Doch auch Facebook bleibt nicht untätig und versucht neue Geschäftsfelder zu erschliessen. Unter dem Arbeitstitel «Projekt Titan» soll die grösste Social-Community an einem eigenen E-Mail-Dienst tüfteln. Dieser hat weitaus mehr Potenzial, Gmail gefährlich zu werden, als dies umgekehrt der Fall ist. Die Analysten des US-Marktforschungsunternehmens Comscore bescheinigen Googles Mail-Service 146 Millionen User. Demgegenüber stehen 400 Millionen potentielle User von Facebook.

Vorsicht ist geboten

Was Buzz konkret bietet, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nur in der Mobile-Version testen. Einmal auf Gmail eingeloggt, erscheint im Reiter «Buzz». Der User wird gefragt, ob seine aktuelle Position verwendet werden darf. Wird nun eine Kurznachricht veröffentlicht, erscheint sie in Form einer Sprechblase, eingebunden in Google Maps. Zudem werden die Buzz-Mitteilungen anderen Usern angezeigt, die sich in der Nähe befinden. Wie schnell die Karte in Ballungszentren mit Sprechblasen überzogen wird, lässt sich nur erahnen. Obwohl Buzz erst seit Stunden verfügbar ist, wurden nur schon in der Umgebung des Stauffacherplatzes in Zürich über 20 Kurznachrichten angezeigt.

Per Voreinstellungen werden die Nachrichten öffentlich gemacht. Wer also nicht will, dass unbekannte Gmail-User mitlesen, sollte in den Privat-Modus wechseln. Bevor man seinen ersten Buzz veröffentlicht, muss zugestimmt werden, dass ein persönliches Profil angelegt wird. Dieses Profil ist im Web für jeden zugänglich, der nach dem Namen googelt. Beim Veröffentlichen von Nachrichten ist Vorsicht geboten. Es empfiehlt sich also die Buzz-Botschaften nur einem bestimmten Personen-Kreis zugänglich zu machen.

(mbu)